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Mit Dreispitz und Waldhammer

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Von: Olaf Velte

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Die Forstjäger nehmen Maß.
Die Forstjäger nehmen Maß. © Olaf Velte

Im Hessenpark haben die Forstjäger ihr Lager aufgeschlagen. Sie wollen an eine Zeit erinnern, die das Forstwesen revolutionierte.

Irgendwo im Wald knallen die Büchsen, Hörnerschall durchbricht den sonntäglichen Frieden. Im Hessenpark – dessen Besucher ob der befremdlichen Klänge keineswegs in Unruhe verfallen – sind die Forstjäger unterwegs.

Männer aus allen deutschen Landstrichen und in historischen Uniformen haben sich im Freilichtmuseum eingefunden, um eine Zeit in Erinnerung zu rufen, die das Forstwesen revolutionierte. 300 Jahre ist es her, dass der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz – „man soll keine alten Kleider wegwerfen, bis man neue hat“ – den Gedanken der „forstlichen Nachhaltigkeit“ prägte. „Das war für mich der Aufhänger“, sagt Förster Karl-Matthias Groß, der das „Forstjägerlager 1783“ erstmals in den Taunus geholt hat. Der Siebenjährige Krieg ist vorbei, die ins Zivilleben zurückgekehrten Jäger schreiten an die Neuordnung der desolat übernutzten Waldbezirke.

Eid am frühen Morgen

Vor diesem Hintergrund thematisieren die vier Dutzend Darsteller – auch Frauen und Kinder gehören zum Lagerwesen – neben allgegenwärtiger Holznot auch Forstfrevel und Wilderei. Dass zur frühmorgendlicher Stunde inmitten des Museumsgeländes ein Eid auf die neue Ordnung geleistet werden muss, ist selbstverständlich. Landgraf Friedrich II. von Hessen ist Mittelpunkt eines farbenfrohen Spektakels, das die Wissbegier der Zuschauer reizt.

Derweil Fragen nach Losholz oder Schanzarbeiten beantwortet werden, zeigen die Handwerker auf der Waldwiese beim Haus aus Sieblos ihre Künste. Ein Kerzenmacher zieht Talglichter auf Docht und Bleigewicht, am Stand des Büchsenmachers wird die Funktion von Steinschloss und Zündhütchen erläutert. Ganz klar: Pulver muss zur Hand sein, damit man „etwas auf der Pfanne“ hat.

Wissensvermittlung, so Stefan Trzcionkowski, sei neben der abendlichen Lagerfeuerromantik ein treibender Impuls der Gruppe. Als „preußischer Jäger“, der seine komplette Ausrüstung selbst stellt, gehört der Frankfurter zur Interessengemeinschaft „Dreispitz“. „In wechselnder Besetzung sind wir fast jedes Wochenende unterwegs.“ Bespielt werden Museen und Erinnerungsveranstaltungen im In- und Ausland. Eine bunte Truppe: So ist der Kapitän des Korps aus Dresden angereist, andere Darsteller kommen aus dem Allgäu oder dem Stuttgarter Raum.

Ohne Handy, ohne Elektrizität

Das Interesse an den Vorführungen ist groß. Karl-Matthias Groß, im Kasseler Grün, den Waldhammer am Gürtel, bläst als „Oberförster“ das Signal zum nächsten Programmpunkt. Das Messgerät im Gepäck, zieht ein Trupp hinüber zur Baugruppe Mittelhessen. „Es war die Epoche, in der erstmals exakte Karten von den Waldgemarkungen angefertigt wurden.“ Das Hobby im Zeichen des „Dreispitz“ möchte der Usinger nicht missen – „ohne Handy, ohne Elektrizität, fernab vom Alltag“.

Unweit des Waldlehrpfades mit seinen Infos zu Loh-, Pech- und Holzgewinnung, bietet das Lager eine lebendige Vergegenwärtigung des Themas. Nach drei Tagen, wenn die Feuer verlöschen und die Zelte abgeschlagen werden, erklingt Eichendorffs Abschiedslied: „Und wir ziehen fort und blasen,/Dass es tausendfach verhallt:/Lebe wohl,/Lebe wohl, du schöner Wald“. Im kommenden Jahr, so ist es zumindest geplant, soll es im Hessenpark ein Wiedersehen geben.

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