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Iris von Stephanitz backt wie früher. Lilo (3) kostet vom Spritzgebäck. Foto: Michael Schick

Neu-Anspach

Beim Markt im Hessenpark darf auch die historische Hausfrau nicht fehlen

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Der Hessenpark-Adventsmarkt entlang der Dorfstraße lockt seit zwölf Jahren Besucher an. Töpfer zeigen ihre Künste. Korbflechter werkeln neben Handkäse-Brätern.

Gerade hat sie einen Korb voller Holz gehackt und den gusseisernen Ofen damit beladen. Schon senkt sich der Kienspan, entflammt Scheit um Scheit. Wenn sich die Stube im Haus aus Eisemroth erwärmt hat, kommen die Kinder.

Der Schneemann aus Holz lockt auf den Kunsthandwerk auf dem Marktplatz. Foto: Michael Schick

„Heute machen wir Spritzgebäck nach alter Rezeptur“, sagt Iris von Stephanitz, die sich seit elf Jahren der musealen Vermittlung hauswirtschaftlicher Abläufe widmet. Dass vor den Fenstern der diesjährige Hessenpark-Adventsmarkt morgendliche Fahrt aufnimmt, kann der freiberuflich agierenden Kunsthistorikerin und derzeitigen „historischen Hausfrau“ nur recht sein – ein starkes Interesse an vorweihnachtlicher Back- und Heiz-Tradition ist garantiert.

Mehr als 120 Stände ziehen sich vom Marktplatz bis hinunter ins Herz der Baugruppe Mittelhessen, eine kaum überschaubare Palette an regionalen und selbst hergestellten Waren bietend. Da stehen Schaf und Lamm im Gatter, flankiert von ihrem Hirten, der Wolle, Fell und Salami an die Kundschaft bringen möchte. Sterkelshäuser Korbflechterei und Handkäs-Burger existieren wie selbstverständlich nebeneinander, Tannenbaumschmuck und Wurzelholz-Krippe gehören sowieso zum Metier vorweihnachtlicher Handelskunst. Rund 12 000 Menschen aus nah und fern besuchen nach aktueller Schätzung einen Markt, der seinesgleichen in hiesigen Breitengraden nicht hat.

Winter im Museum Das Museum Hessenparkbietet erstmals ein Programm zwischen den Jahren an. Besucher können sich am 25., 26., 28.und 29. Dezember zwischen 11 und 16 Uhr im Haus aus Eisemroth aufwärmen und erfahren, wie es früher im winterlichen Dorf zuging.

Für den zweiten Weihnachtsfeiertaglädt Direktor Jens Scheller zur öffentlichen Führung ein. Ab 14 Uhr führt er zu seinen „Lieblingsorten im Hessenpark“ und erläutert Bauvorhaben.

Muckefuckund Weihnachtsgebäck stehen auf dem Tisch, wenn die historische Hausfrau am 7., 8. und 21. Dezember an den wärmenden Stubenofen bittet. Das Haus aus Eisemroth steht von 11 bis 16 Uhr für Besucher offen.

Der Weihnachtsmarktdes Händlers Rewe findet am 14. und 15. Dezember, von 12 bis 20 Uhr, auf dem Museumsgelände statt. Shuttle-Busse verkehren zwischen den vor Wehrheim eingerichteten Haltestellen und dem Hessenpark. 

„Das Ambiente hier ist wunderbar“, sagt Jutta Owczarek. Ein Urteil, das aus berufenem Munde stammt. Die Keramikmeisterin aus Cölbe war schon von zwölf Jahren dabei, als hier der erste Adventsmarkt abgehalten wurde. Zwölf Aussteller hatten sich damals eingefunden. Noch immer bringt die Töpferin ihr Gebrauchsgeschirr mit – Tassen, Teller, Kannen, Schalen in authentischer Form- und Farbgebung. Nützliche Schönheiten, die Jutta Owczarek jeden Tag im Atelier halten: „Kein Urlaub seit 20 Jahren.“ Ein Beruf, der Freude bereite, aber wenig einbringe.

Bereits ihr Großvater und die Eltern haben an der Töpferscheibe gesessen, jede Schüssel mit „tausend Tupfen“ verziert, sind als fahrende Händler über Land gezogen. Im Freilichtmuseum endet nun ihre Markt-Saison 2019, rund ums Christfest wird sich die Handwerkerin keine Ruhe gönnen – stattdessen, wie immer, Keramik in „meinem Blau, meinem Grün“ gestalten.

Ganz in Rot zeigt sich eine Straßenlänge weiter die „Tomaten-Marmelade“ des Ehepaars Müller. Auch die Butzbacher Veredler sind schon lange beim Hessenpark-Advent dabei, offerieren neben den 70 süßen Sorten auch bündelweise Mistelzweige. Mit „Stachelbeer-Marmelade wie bei Oma“ wird geworben, als „Renner“ gilt derzeit jedoch der „Dänische Wintertraum“ mit seinen Zusätzen aus Rotwein und Kirschlikör.

Derweil denkt Kunsthistorikerin von Stephanitz – die im Museum zudem als Schauspielerin und Eisemroth-Führerin wirkt – bereits sieben Tage weiter. „Am nächsten Wochenende stehen hessische Weihnachtsspezialitäten im Mittelpunkt.“ Während es draußen winterlich über Teich und Turm haucht, entstehen im wohligen Flausch der Backstube dann Printen und Bethmännchen, Gewürzplätzchen und Offenbacher Pfeffernüsse. Mit Muckefuck darf nachgegossen werden. Kurzum: Es wird ein Fest vor dem Fest.

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