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Muslimischer Friedhof schon bald möglich

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Muslimische Gräber könnte es noch in diesem Jahr geben.
Muslimische Gräber könnte es noch in diesem Jahr geben. © Arnold

Islamische Bestattungen in Deutschland? Nach einer Gesetzesänderung ist dies seit dem ersten März möglich. In Oberursel könnte nun bald ein muslimisches Grabfeld entstehen.

Von Julia Radgen

In Deutschland leben, in Deutschland bestattet werden. Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist für viele Muslime noch fern der Realität. Mit der Änderung des hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes, das am 1. März 2013 in Kraft trat, ist es den Kommunen freigestellt, die Sargpflicht aufzuheben. Eine wichtige Voraussetzung für islamische Bestattungen, bei denen der Leichnam in einem Leinentuch beigesetzt wird.

Die türkisch-islamische Gemeinde in Bad Homburg hätte bereits Anfang 2012 Gespräche mit der Stadt über das Einrichten eines muslimischen Friedhofteils auf einem Bad Homburger Friedhof aufgenommen, sagt der erste Vorsitzende Selami Sahin. Der Wunsch, einen Teil des Waldfriedhofs für muslimische Bestattungen bereitzustellen, wurde abgelehnt. „Die Stadt Bad Homburg hat das leider nicht toleriert“, sagt Sahin.

Aus religiösen Gründen benötigt die Gemeinde ein separiertes Areal, das es ermöglicht, die Toten nach Mekka ausgerichtet zu beerdigen. Auch muss es einen Ort für die rituelle Waschung der Leichname geben. Die Gemeinde war frustriert. „Bei Toten werden Unterschiede gemacht“, meint Sahin.

Laut Pressesprecher Andreas Möring habe die Stadt Bad Homburg das Thema sarglose Bestattungen aktuell auf der Agenda. „Der Bad Homburger Betriebshof klärt einzelne Fragen und erarbeitet einen Vorschlag“, sagt Möring. Wenn der Beschluss von der Stadtverordnetenversammlung angenommen werde, könnten auch in Bad Homburg Bestattungen ohne Särge durchgeführt werden. Für Auswirkungen auf Pläne zu muslimischen Grabfeldern in Bad Homburg sei es aber noch zu früh, so Möring.

Die Bad Homburger Gemeinde, zu der die Moschee im Schaberweg gehört, wandte sich daraufhin an die Nachbarstadt. „Oberursel kam uns positiv entgegen und möchte in dieser Sache etwas unternehmen“, so Sahin. „Grundsätzlich haben wir die Möglichkeiten dazu“, sagt der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). Zusammen mit dem Bau & Service Oberursel glich die Stadt die Vorstellungen der muslimischen Gemeinde mit den Vorschriften der Stadt ab. Im Februar fand eine Besichtigung auf dem Hauptfriedhof statt.

Dort gibt es ein zusammenhängendes Areal, das die Bedingungen erfüllt und als muslimisches Grabfeld genutzt werden könnte. „Wir waren dort, es hat eine gute Lage“, meint Sahin. Er ist zufrieden mit Oberursels Entgegenkommen und hofft auf eine Entscheidung in ein paar Monaten. Es könnten sogar auf zwei oder drei Friedhöfen muslimische Teile eingerichtet werden, so Brum. „Zur Zeit wird der Antrag geprüft“, sagt der Bürgermeister. Eine Nutzung wäre bei Bewilligung schon im Laufe des Jahres möglich.

Dafür müsste eventuell die Friedhofssatzung angepasst werden. Das fordert auch die Oberurseler Stadtverordnetenfraktion der Grünen. Sie hat in der Stadtverordnetenversammlung einen Antrag auf sarglose Bestattung und zur Einrichtung muslimischer Grabstätten auf Oberurseler Friedhöfen gestellt. Das sei ein wichtiger Aspekt erfolgreicher Integrationspolitik, so die Fraktionsvorsitzende Christina Herr.

„Deutschland ist ein Einwanderungsland“, sagt Sahin. Momentan sei das Problem vielleicht noch überschaubar, aber in 50 oder 100 Jahren würden wir uns fragen: Wohin mit den Toten?

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