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„Das ist wie Mord auf Raten“

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Mobbing am Arbeitsplatz - immer noch ein Tabu-Thema.
Mobbing am Arbeitsplatz - immer noch ein Tabu-Thema. © dpa

Der FR-Beitrag des Mobbing-Opfers Theresia H. ist auf eine riesige Resonanz im Internet gestoßen. Viele Leser sind von ähnlichen Schikanen betroffen.

Von Anton J. Seib

Theresia H. ist Mobbingopfer, in der FR hat sie sich ihre Pein von der Seele geschrieben. Mit ihrer eindrucksvollen Schilderung ist die mutige Frau auf große Resonanz gestoßen; viele Opfer, aber auch Hilfsorganisationen haben auf die Veröffentlichung auf unserer Online-Seite reagiert. Und seither haben sich zwölf weitere Betroffene aus dem Raum Bad Homburg gemeldet, die sich der von Theresia H. gegründeten Selbsthilfegruppe anschließen wollen. „Ich bin überwältigt“, sagt Theresia H. „Es ist Zeit, das Thema in die Öffentlichkeit zu rücken.“ Die FR veröffentlicht die Leserreaktionen in Ausschnitten.

„Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, aber es wird als solches betrachtet“, schreibt Opfer Ilia Faye. „Wenn ich damals geahnt hätte, wie lange diese hässliche Erfahrung in mir weiterarbeitet, hätte ich nicht so lange durchgehalten. Mobbing ist wie Mord auf Raten. Gegen Gewalt helfen nur Gesetze. Unsere aktuelle Gesetzgebung schützt die Täter, nicht die Opfer.“

„Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Eine elende Quälerei“, so der Kommentar des Internet-Users „steuerklasse 1“ auf der FR-Homepage. „Ich habe überlebt, dank Zähigkeit und Glück.“ So viel Öffentlichkeit wie möglich zu schaffen, rät er Mobbing-Opfern. „Ich hab’s jedem erzählt in der Firma, vor allem auch den Verantwortlichen in der Personalabteilung, beim Betriebsrat, den Kollegen. In dieser Situation hat man eh nichts mehr zu verlieren.“

Julius Franzot schreibt: „Ich war selbst Mobbing-Opfer. Die Kumpane schauen einen abschätzig an, setzen Gerüchte in die Welt... Eine doppelte Führung der Personalakte ist üblich, verleumderische Notizen werden mehrfach fotokopiert, um die Akte anschwellen zu lassen, die Personalabteilung konfrontiert einen mit Lügen, oft hat man Anlass, an der Neutralität des Betriebsrats zu zweifeln. Leider schauen oft Gerichte und der Gesetzgeber weg.“

Mobbing-Opfer „Leser“ schreibt: „Wenn es der Vorgesetzte ist, hat man keine Chance, mit seinen Beschwerden nach oben durchzudringen. Aber um seiner selbst willen muss man Allianzen schaffen. Also nicht still leiden, sondern es den Kollegen, anderen Vorgesetzten erzählen, aufschreiben, verbreiten. Man kann es nicht abstellen, aber wenn der Mobber merkt, dass ihn andere Kollegen schräg ansehen, fängt er auch an zu überlegen.“

Bartleby, selbst von Mobbing betroffen, schreibt: „Habe mir, als die Sache Krankheitswert bekam, notgedrungen die nächstschlechtere Stelle gesucht. Letztlich Jahre arbeite ich nun deutlich unterhalb meiner Qualifikation in einem fremden Arbeitsfeld, was mittlerweile noch üblere gesundheitliche Folgen zeitigt als der eigentliche Auslöser. Mein Leben ist seither ein Trümmerhaufen.“

Ein unbekannter FR-Leser rät Theresia H. per Online-Kommentar: „Es hilft nicht abzuwarten; es wird mit einiger Wahrscheinlichkeit weiter eskalieren. Sie können natürlich darauf setzen, dass er (der Vorgesetzte, d. Red.) einen Fehler macht, auf den man ihn festnageln kann. Alternativ können Sie zum Angriff übergehen, ihn über seine bisherigen Straftaten unterrichten und mitteilen, dass er unter Beobachtung steht. Das birgt natürlich ein gewisses Risiko und für Sie eine Menge Stress.“

Leser „Team“ schreibt: „Mobbing, Bossing wird immer mehr in unserer Gesellschaft praktiziert, ohne dass es unterbunden wird. Es wird regelrecht von der Gesellschaft geduldet, wie aktuelle Fälle in Hessen zeigen. Daher wurde das Netzwerk www.behoerdenstress.de gegründet. Das ganze Gelaber von Fachanwälten und sonstigen Beratern bringt nicht viel. Erst durch die Öffentlichkeit bewegt sich etwas!“

Klaus-Dieter May rät: „Wenn Sie von Mobbing betroffen sind, sollten Sie sich nicht in die Opferrolle fügen! Handeln Sie! Werden Sie aktiv! Aber setzen Sie zunächst auf Deeskalation. Lieber nicht sofort den Vorwurf Mobbing erheben. Das Wort ,Mobbing’ ist zu einem Reizwort geworden. Wird der Vorwurf sofort erhoben, kann eine Konfliktlösung schwieriger werden.“

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