Mit der RTW soll die Bahn Autofahrer locken.
+
Mit der RTW soll die Bahn Autofahrer locken.

Oberursel

Der teure Standortfaktor

  • Götz Nawroth-Rapp
    vonGötz Nawroth-Rapp
    schließen

Für die Regionaltangente West (RTW) soll 2016 das Planverfahren starten. „Bis dahin muss auch die Finanzierung stehen“, meint Rolf Valussi, Chef der Planungsgesellschaft. In Oberursel wirbt er gemeinsam mit Vertretern von Politik und Wirtschaft für sein Herzensanliegen.

Sie wäre die lang ersehnte Entlastung des völlig am Limit laufenden Frankfurter S-Bahn-Knotens und könnte für Zehntausende Fahrgäste deutliche Zeitersparnis bringen: die Regionaltangente West. Schon 2016 könnten die Planungsunterlagen für die Strecke eingereicht werden. Wenn, ja, wenn bis dahin klar ist, wie das Unterfangen finanziert wird.

Die westliche Umfahrung Frankfurts von Bad Homburg über Eschborn, Höchst und den Flughafen wird Investitionen von mindestens 376 Millionen Euro erfordern. Vermutlich wird es noch etwas mehr, denn diese Summe spiegelt den Preisstand von 2009 wider.

Da ist es nur folgerichtig, dass der Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft Werbung in eigener Sache betreibt. Rolf Valussi verkündet seine Botschaft auf einer „Roadshow“ durch die Rathäuser entlang der geplanten Strecke. Rhein-Main braucht die Regionaltangente, das ist das Mantra des 65-Jährigen. Er sagt: „Alle Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch nach Frankfurt.“

Das solle sich mit der neuen Strecke ändern, doch dafür sind politische Entscheidungen nötig. „Jetzt muss der Druck erhöht werden, damit wir 2016 in die Planfeststellung gehen“, betont Valussi. Fahrzeiten sollen sich zwischen Eschborn, Oberursel und Höchst deutlich reduzieren. Und bei der Fahrt zum Flughafen bräuchte man mit der RTW als Fahr- und Fluggast keine zeitliche Sicherheitsreserve mehr. Verlässlich wäre man aus Oberursel deutlich schneller am Gate, an der bisher benötigten Dreiviertelstunde ließe sich deutlich sparen, weil auch das Umsteigen entfalle.

Das reizt auch Hoteldirektor Frank Metlicar. Das Oberurseler Mövenpick Hotel könnte seinen jährlich 50 000 Gästen die Verbindung schmackhaft machen. Im Konkurrenzkampf gegen Frankfurter Häuser könnte die RTW ein „Wettbewerbsausgleich“ für das Mövenpick sein, meint Metlicar. Gemeinsam mit anderen Führungspersönlichkeiten großer Oberurseler Firmen und der IHK Frankfurt unterstützt er das Infrastrukturprojekt.

Auch Holger Cartsburg, Geschäftsführer von Rolls-Royce und Christoph Bohn, Personalvorstand beim Versicherer Alte Leipziger, sehen die RTW positiv. Viele Mitarbeiter hätten schon jetzt weite Wege zurückzulegen. Eine bessere Anbindung helfe aber auch beim Werben um Fachkräfte, meinen beide.

Bürgermeister Hans-Georg Brum unterstützt die Pläne für die RTW ausdrücklich: „Mit ihr würde der Wirtschaftsstandort Oberursel weiter dazu gewinnen.“ Gleichwohl ist Oberursel in der 2008 gegründeten Planungsgesellschaft der Strecke nicht Gesellschafter, sondern wird wie Friedrichsdorf und Kronberg durch den Hochtaunuskreis vertreten.

Oberursel bezahlt für seine bestehenden Nahverkehrsverbindungen jährlich 1,6 Millionen Euro. Schon jetzt gibt es drei S-Bahn- und 12 U-Bahn-Haltestellen im Stadtgebiet. „Wir bezahlen schon seit Jahrzehnten viel Geld für den öffentlichen Nahverkehr“, sagt Brum.

Bei der letztendlichen Finanzierung der Investivkosten kann es kein Herumlavieren geben, soll das Projekt wie geplant im Jahr 2020 umgesetzt sein. Bund und Land sind in der Pflicht (siehe Infobox). Auch die Kommunen haben ihr Scherflein zum Erfolg der RTW beizutragen.

Mehr zum Thema

Kommentare