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Modellierte Sehnsucht

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Von: Olaf Velte

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Faszinierende Einblicke: Heimische Straßenbahngeschichte en miniature.
Faszinierende Einblicke: Heimische Straßenbahngeschichte en miniature. © Renate Hoyer

Eine Ausstellung zeigt Homburger Eisenbahngeschichte im Kleinformat. Die komplette Modelllandschaft wird aber wohl nie zu sehen sein.

Vom Römerkastell Saalburg ist es nur ein Katzensprung bis zu den Gebirgszügen Kanadas. Während im Taunuswald noch die Mode der 1930er Jahre gilt, heulen im Ahornblatt-Staat die Sirenen der Streifenwagen vernehmlich. Dass verschiedene Welten und Zeiten während eines Wochenendes so eng zusammen rücken können, ist das Verdienst der in Bad Homburg ansässigen Interessengemeinschaft Eisenbahn.

Das Vereinshaus Gonzenheim wird einmal im Jahr zu einem Ort der Sehnsucht und des Bastlerglücks. Schon kurz nach Türöffnung versammeln sich Schaulustige jeden Alters vor den detailreichen Modellbahnanlagen mit ihren wartenden und fahrenden Zügen. Die Besucherzahlen liegen nach Auskunft des IGE-Vorsitzenden Georg Ament im vierstelligen Bereich, das Einzugsgebiet umfasse den ganzen Raum Rhein-Main.

Zentral aufgebaut – und damit ein Höhepunkt der 2016er Schau – erstreckt sich das modellierte Wunderwerk von „Team Canada“: Mit einem Lastwagen aus Heidelberg herangeschafft, führt das Gleisnetz durch diverse nordamerikanische Landschaften und über eine Anlagelänge von 37 Metern. Fläche genug, um meterlange Züge auf die Reise zu schicken, vorbei an Papiermühlen und Kohlehalden, durch Wüsten und Gebirge.

Nicht nur vor dem diesjährigen Gastbeitrag wird Historie anschaulich. Seit Beginn ihrer Modellbaubegeisterung widmen sich die Homburger auch der Erforschung lokaler Bahngeschichte. Auf Schautafeln ist die Verkehrsentwicklung in Wort und Bild festgehalten. Noch immer werden Funde gemacht.

Georg Ament präsentiert eine Fotografie aus Privatbesitz: „Damit ist bewiesen, dass die Straßenbahn auch den Stadtteil Kirdorf passiert hat.“ Aus den Erkenntnissen wird von Hand geformte Darstellung. „Wir beschäftigen uns seit Jahren mit der Rekonstruktion jener Strecke, die Friedrichsdorf mit Usingen verbindet.“ Nur Teile dieser großen Vereinsarbeit können ausgestellt werden. Gestern wurde der Bahnhof Seulberg im Maßstab 1:87 vorgestellt – zugleich Epochenbild der ländlichen Taunusjahre um 1960.

Modell der Louisenstraße

Ein Festtag für das entdeckerfreudige Schauen ist daneben das Modell der oberen Louisenstraße mitsamt Eingang zur Haingasse. Es ist die Zeit zwischen den Weltkriegen, als in Bad Homburg noch Pferdefuhrwerke zum Alltag gehörten, die „Eier Zentrale“ ebenso bestand wie „Café Central“ oder „Konditorei Rothschild“. Nichts ist dem Zufall überlassen. „Wir bauen nach alten Plänen und Abbildungen“, sagt Ament. Das eigene Archiv sei riesig.

Wann aber wird die komplette Modelllandschaft der staunenden Öffentlichkeit offenbart? „Wahrscheinlich nie – dafür fehlt hier einfach der notwendige Platz.“ Und an eine andere Stätte möchte man die fragilen Werke nur ungern transportieren. Keine guten Aussichten für den Bahnfreund. Da können auch die zum Kauf angebotenen Bücher, Zeitschriften und Poster nicht trösten.

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