David Neugebauer, Klimaschutzmanager in Oberursel.
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David Neugebauer, Klimaschutzmanager in Oberursel.

Oberursel

Mobilitätswende in Oberursel

  • vonJulian Dorn
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Mit Carsharing und Co.: Klimaschutzmanager David Neugebauer strebt die Mobilitätswende in Oberursel an.

Als ihm die Stadtverwaltung die Stelle als kommunaler Klimaschutzmanager anbot, musste David Neugebauer nicht lange überlegen. Klimaschutz ist ihm schon lange eine Herzensangelegenheit. Der 30 Jahre alte Umweltingenieur war an einigen ökologischen Projekten beteiligt – weltweit. Lange Zeit arbeitete er in Afrika. Dann zog es ihn von der Savanne zurück in den Taunus – und hinter den Schreibtisch im Rathaus.

Sein Mantra: global denken, lokal handeln. Er sagt: „Klimaschutz beginnt vor der eigenen Haustür, in der Kommune. Dort muss ein Umdenken stattfinden.“ Dafür wirbt Neugebauer nun seit dem ersten Januar. Seine Stelle ist Teil des Klimaschutzkonzepts, welches das Stadtparlament im April beschlossen hat. „Bei allen Magistratsvorlagen wird das Konzept bereits zugrunde gelegt und auf die Relevanz für den Klimaschutz geachtet“, betont Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). „Unser Ziel ist es, dass Oberursel bis 2050 klimaneutral wird.“ Bei dem Vorhaben nimmt Neugebauer eine Schlüsselrolle ein. Das Bundesumweltministerium bezuschusst die Stelle mit 90 000 Euro, sie ist zunächst auf zwei Jahre befristet. „Die gesamten Personal- und Sachkosten liegen bei 140 000 Euro“, erklärt Fink.

Einiges vorgenommen

Zuständig ist Neugebauer für den Bereich „klimafreundliche Mobilität“. Und da hat er sich einiges vorgenommen. Zunächst werden die vorhandenen Konzepte zum Radverkehr und zum regionalen Nahverkehr mit Blick auf den Klimaschutz beurteilt und angepasst. Außerdem arbeitet Neugebauer an einem Konzept zum Ausbau der Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Auch Carsharing mit dem Fuhrpark der Stadtverwaltung werde geprüft. Die drei Autos und zwei Kleinbusse könnten außerhalb der Dienstzeiten von anderen Nutzern gefahren werden. Den Fußgänger- und Fahrradverkehr will der Umweltingenieur zudem stärken, indem er die Ampelschaltungen optimiert.

Man hört viel „sollen“ und „wollen“, wenn man mit Neugebauer über die insgesamt 21 Mobilitätsmaßnahmen spricht. „Bei vielen Projekten stehen wir in der Tat noch ganz am Anfang und sondieren erst einmal die Lage“, sagt er. Man brauche schließlich einen Überblick. „Und Corona hat uns natürlich auch etwas zurückgeworfen.“ Dennoch hat er schon einige Haken auf seiner Agenda gesetzt. Zum Beispiel hinter dem Punkt Fahrradabstellanlagen. Peu à peu werden neue errichtet, zuletzt am Bahnhof in Stierstadt, genauso sei der Umbau von Bushaltestellen für mehr Barrierefreiheit „in vollem Gange“. Zudem sei der Nahmobilitäts-Check angelaufen – ein Landesprogramm, das ermöglicht, den öffentlichen Verkehrsraum zu untersuchen. Dabei gehe es etwa um die Qualität der ÖPNV-Linien, die Wege zu den Bushaltestellen und darum, dass auf Gehwegen nicht geparkt werde. Konsens sei außerdem, das die ÖPNV-Preise sinken müssten. Das allerdings sei auch eine Frage der städtischen Finanzen.

Doch alles Bemühen nütze wenig, wenn nicht auch ein Mentalitätswandel in der Bevölkerung stattfinde, glaubt Neugebauer. „Die Leute müssen für Klimaschutz im Kleinen noch stärker sensibilisiert und dazu animiert werden, ihr Mobilitätsverhalten zugunsten von klimafreundlichen Alternativen wie Fahrrad oder ÖPNV zu ändern.“ Deswegen liegt sein Fokus auf Öffentlichkeitsarbeit und Information.

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