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Mitmachen bei der Feuerwehr

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Lucas Gorissen (l.), Alexander Hill
Lucas Gorissen (l.), Alexander Hill © Michael Schick

Jugendliche verbringen ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei den Bad Homburger Brandschützern. Die starten damit ein Pilotprojekt.

Von Martina Propson-Hauck

Gestern morgen um acht Uhr haben Lucas Gorissen und Alexander Hill ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Bad Homburger Feuerwehr begonnen, schon kurz nach zwölf saß der eine bereits im Löschwagen. Fehlalarm im Altersheim, das kommt gelegentlich vor.

Erst sehr wenige Feuerwehren bieten jungen Leuten die Möglichkeit, das FSJ bei ihnen zu absolvieren. Hessen ist das einzige Bundesland in Deutschland, in dem das seit dem vergangenen Jahr möglich ist. Bad Homburg hat nun die Vorreiterrolle im Hochtaunuskreis übernommen.

Alexander und Lucas (beide 20 Jahre alt) leisten das FSJ zudem als Ersatz für den Zivildienst ab. Sie haben beide schon jahrelange Erfahrung bei der Jugendfeuerwehr gesammelt. Lucas’ Vater ist bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt, seine Mutter arbeitet als Psychologin für die Feuerwehr. Die jungen Männer haben beide das Berufsziel Feuerwehrmann, nutzen das FSJ als nützliche Vorbereitung. Denn hier können sie in alle Bereiche des Arbeitslebens eines hauptberuflichen Feuerwehrmannes hineinschnuppern.

Gedacht ist das FSJ für Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die sich persönlich und beruflich orientieren wollen. Die Ausdehnung auch auf die Feuerwehr ist ein Pilotprojekt. Nach Auskunft von Daniel Guischard, Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, ist das FSJ für die Feuerwehr nun auch eine Chance, Nachwuchs zu rekrutieren, denn der fehlt oft.

Gezielt Nachwuchs rekrutieren

Schon jetzt sind fünf der 20 Berufsfeuerwehrleute in Bad Homburg älter als 50 Jahre. „Mit 55 ist man meist für den Einsatzdienst nicht mehr geeignet“, sagt Guischard. Um schweres Gerät in Windeseile zu schleppen und Atemschutz zu tragen, muss man topfit sein. Jeder Feuerwehrmann braucht deshalb außer einer handwerklichen oder kaufmännische Berufsausbildung auch mindestens eine Qualifikation als Rettungsschwimmer und das Sportabzeichen.

Lucas und Alexander sind groß und kräftig. Sie wissen durch ihre Arbeit bei der Jugendfeuerwehr schon recht gut, was auf sie zukommt. In Windeseile hat Alexander den Einsatzanzug nach dem Fehlalarm wieder ausgezogen.

Im FSJ werden die beiden aber nicht nur bei Einsätzen dabei sein, sondern auch Verwaltungsarbeit leisten. So sollen sie etwa eine neu eingerichtete Geschäftsstelle für die Stadtjugendfeuerwehr betreuen, Unterricht oder Zeltlager vorbereiten. Zwischendurch besuchen sie Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule, machen den Führerschein für große Löschfahrzeuge und eine Maschinistenausbildung.

Zehn junge Männer hatten sich für das FSJ bei der Feuerwehr beworben, von den übrig gebliebenen vier, die auch zum Bewerbungsgespräch gekommen sind, wurden die beiden mit der größten Feuerwehrerfahrung ausgewählt. Aber auch wer noch nie einen Schlauch in der Hand hatte, kann sich für das FSJ bewerben. „Wir freuen uns auch auf jede Frau“, sagt Guischard.

Das FSJ dauert 12 Monate, es gibt dafür ein Taschengeld von 190 Euro monatlich, Verpflegung und pädagogische Begleitung durch den Träger.

„Es ist nicht so einfach, junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern“, sagt Feuerwehr-Dezernent Wolfgang Hof (FDP). Mit dem FSJ soll dafür langfristig eine Perspektive entstehen.

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