+
Klaus Hübner fertigt mit Maschinen, mit denen schon der Großvater gearbeitet hat.

Laternenfest Bad Homburg

Meister der Laternchen

  • schließen

Klack, klack, klack. Klaus Hübner sitzt da, wo Opa und Vater einst saßen. In dritter Generation stellt er bis heute das Wahrzeichen des Homburger Laternenfestes her.

Nicht nur das am kommenden Wochenende stattfindende Bad Homburger Laternenfest befindet sich nach 80 Durchgängen in einem Jubiläumsjahr. Auch eines der letzten noch erhaltenen Wahrzeichen der Traditionsveranstaltung kann sich am kommenden Wochenende feiern lassen: Das „Laternche“ ist seit 65 Jahren als unverzichtbares und schmückendes Accessoire dabei.

Dass dem zentimeterkleinen Wunderding weiterhin leuchtendes Dasein zugestanden wird, ist einer Familie zu verdanken, die längst nicht mehr in den Mauern der Kurstadt wohnt. Ja, die Hübners haben mit der Taunus-Metropole tatsächlich wenig zu tun – ihr jedoch viel gegeben. Der nach dem zweiten Krieg aus dem böhmischen Gablonz eingewanderte Großvater Anton – ein auf Bijouterie-Produkte spezialisierter Werkzeugmacher – hat der Stadt, die ihm kurzzeitig auch Wohnort war, jenes „Feuerwerk in der Westentasche“ geschenkt, das die Laternenfestnächte aufs Herrlichste illuminieren sollte.

Klack, klack, klack. Klaus Hübner sitzt da, wo Opa und Vater einst saßen, faltet mit kurzen Maschinenstößen den glänzenden Messingstreifen in Gehäuseform. „Das begleitet mich ein Leben lang“, sagt einer, der nicht nur das Familienerbe weiterführt, sondern mit neuen Ideen dem eigenen Leuchtartikelgeschäft Zunder gibt. Schon Vater Anton Hübner hatte die Angebotspalette mit von innen beleuchteten Wichtel- und Bärchenfiguren erweitert, sogar eine Laternenkette für den alljährlichen Weihnachtsbaum entwickelt.

Auch der Sohn hält die Hübnersche „Ideenschmiede“ hoch in Ehren: Unter der Firmenbezeichnung „Illuart“ verkauft er heute ein anderes Leuchten – neben Leuchtbrillen und -stäben haben sich die flackernden „Poi“-Bälle als Trendartikel erwiesen. Trotz aller Modernität ist ihm das „warme Licht“ des Laternchens jedoch Maß aller Dinge.

Das „fürsorgliche“ Leuchten ist einem Birnchen geschuldet, das hinter roter oder grüner Folie schimmert. Schon 1950 trugen es Homburger Festbesucher am Revers, die Flachbatterie als Gegengewicht. „Damals ein Zeichen der Hoffnung, der Geborgenheit.“ Nicht alleine aus nostalgischen Gründen werde es heutzutage noch gekauft – „das warme Licht wird wieder gesucht“. Waren früher Absatzzahlen von 10 000 Stück pro Jahr die Regel, ist das Laternchen mittlerweile wirtschaftlich kaum noch von Bedeutung.

Klaus Hübner – „das sind unsere Wurzeln“ – wird auch weiterhin Messing in Form bringen, den blauen und weißen Klingeldraht zusammendrehen, die alten, teilweise selbst gebauten Maschinen pflegen. Ab dem kommenden Jahr soll dem filigranen Lichtbringer eine Energie spendende Knopfzelle beigegeben werden. In der Vergangenheit habe es durchaus schon Versuche gegeben, das Erscheinungsbild zu verändern. „Was gut ist, soll bleiben“, sagt Hübner, der mit seinen Söhnen auf fast allen Lichterfesten im In- und Ausland zu finden ist. Das „Laternche“ ist immer im Gepäck, erinnert an Tradition und Handwerk, an die Erfindungskraft der Vorväter.

Emotionen weckt er noch immer, der sanfte Schein. Wer ihn heute erwirbt und ins Haus holt, erleuchtet damit nicht selten die weihnachtliche Krippe. – Ein Ruhepol auch im ärgsten Festgedränge: Was seit langer Zeit in dem alten Neu-Anspacher Werkstattgebäude entsteht, gemahnt an eine andere Feierkultur, hat nichts gemein mit aufgeputscht-lautstarker Event-Mentalität.

Mit Blick auf das am Freitag anhebende Jubiläumslaternenfest, hat Klaus Hübner einen Wunsch: „Die Leute sollen wieder mehr Laterne zeigen.“ Er ist davon überzeugt, dass sich in Schubladen und Schränken noch Tausende seiner leuchtenden Kleinode finden lassen. Wer fündig wird, aber ohne Batterie ist, dem soll geholfen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare