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Mehr Zeit fürs Private

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Christoph Müllerleile hat bald mehr Zeit für die Familie.
Christoph Müllerleile hat bald mehr Zeit für die Familie. © Rolf Oeser

Christoph Müllerleile hört nach fünf Jahren als Stadtverordnetenvorsteher auf. Stillstand aber steht für Müllerleile, der Ende des Jahres 70 wird, nicht auf dem Plan.

Christoph Müllerleile hat künftig mehr Zeit. Der 69-Jährige ist fünf Jahre lang Stadtverordnetenvorsteher gewesen, wird bald als einfacher Stadtverordneter für die OBG im Oberurseler Stadtparlament Platz nehmen. Seine Funktion sei er nun „mit großer Erleichterung los“, sagt er. „Es ist ein schönes Amt, aber auch ein rein repräsentatives Amt.“

Müllerleile füllte es in den vergangenen fünf Jahren mit der ihm eigenen Mischung aus Gelassenheit, Humor und Nonchalance. An Respekt vor ihm mangelte es dennoch nie. Um für Ordnung zu sorgen, wenn in der Sitzung alle Stadtverordneten begannen, wirr durcheinander zu reden, reichte mitunter der Satz: „Ich muss jetzt aber mal ein bisschen um Ruhe bitten.“ Es ist ein salopper Müllerleile-Satz, er verfehlt seine disziplinierende Wirkung aber nicht. Laut sein, das überlässt er anderen.

Gebrauch von Tablets angestoßen

Weil ihm Aktenberge und die Papierflut in der Stadtpolitik ein Gräuel waren, stieß Müllerleile den Gebrauch von Tablet-Computern im Stadtparlament an. Sie erleichtern seither als selbstverständliche Utensilien die Arbeit der Stadtpolitiker. „Vorher war es üblich, dass man etwa einen ganzen Bebauungsplan auf dem Tisch hatte“, so Müllerleile. Inzwischen kann man sich auf dem handlichen Display durch die Unterlagen scrollen.

Auch dass inzwischen für alle Bürger Sitzungsdokumente online einsehbar sind, hat Müllerleile gegen manche Widerstände durchgesetzt. Tagesordnungen und Beschlüsse stehen frühzeitig auf der Internet-Präsenz der Stadt zur Verfügung. Wolle man Bürger für die Stadtpolitik begeistern oder auch nur interessieren, brauche man die größtmögliche Transparenz, meint Müllerleile.

Und auch eine große Umwälzung des Status Quo hielte Müllerleile im Interesse einer attraktiven Stadtpolitik für geboten. Er ist ein Fan der süddeutschen Bürgermeisterverfassung, die einem Bürgermeister große Macht zukommen lässt und bereits in weiten Teilen Deutschlands praktiziert wird.

Der Bürgermeister ist in diesem Modell Ratsvorsitzender, Verwaltungschef und höchster Repräsentant einer Stadt. Dennoch übernimmt das Stadtparlament Kontrollaufgaben. „Die Stadtverordneten würden sich dann nicht so sehr im Klein-Klein verlieren“, betont Müllerleile. Fünfstündige Bauausschuss-Sitzungen, bei denen auch noch über die Farbschattierung einer Bodenkachel im Schwimmbad gestritten werde, gehörten dann der Vergangenheit an.

Zeit für Familie und Hund

Es bedürfte dafür einer Reform der Hessischen Gemeindeordnung, doch würde dieser Schritt Politik besser für die Bürger nachvollziehbar machen. Das sei auch geboten, wenn man die Not der Parteien sehe, qualifiziertes Personal für die Kommunalpolitik zu gewinnen, so Müllerleile. Als Stadtverordneter müsse man genau wissen, wofür man die Hand bei Abstimmungen hebe, sich einarbeiten. Zu vielen Menschen fehle die Bereitschaft dazu.

Gern verbringt der scheidende Stadtverordnetenvorsteher seine Zeit mit seiner Familie und Hündin Ronja. Stillstand aber steht für Müllerleile, der Ende des Jahres 70 wird, nicht auf dem Plan. Für den Geschichtsverein ist ein Vortrag in Vorbereitung, der die Rettung der Oberurseler Altstadt vor 50 Jahren zum Schwerpunkt macht. Und als weiteres Thema treibt Müllerleile die Zeit des Nationalsozialismus in seiner Stadt um. Haben Bürger gegen das NS-Regime Widerstand geleistet und in welcher Form? Dazu möchte er gerne forschen, mehr erfahren. Das Leben für Christoph Müllerleile geht also weiter, auch ohne sein repräsentatives Amt.

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