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Nina Lassnig ist Bad Homburgs erste Radverkehrsbeauftragte.

Bad Homburg

Mehr Schwung für den Radverkehr

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Nina Lassnig soll die Kurstadt für Radler attraktiver machen.

Eine einfache Aufgabe hat sich Nina Lassnig nicht ausgesucht, aber eine mit einer Menge Potenzial. Seit Mitte März arbeitet die 31-Jährige auf dem neu geschaffenen Posten der Radverkehrsbeauftragten im Bad Homburger Rathaus. Ihr Ziel: Das Radeln in der Kurstadt soll sicher und attraktiv werden – für das acht Jahre alte Kind genauso wie für den 88-jährigen Rentner. „Es soll den Bürgern Spaß machen, auf das Rad umzusteigen“, sagte sie am Dienstag bei ihrem ersten offiziellen Pressetermin.

Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, hat jüngst erst wieder der große Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) deutlich gemacht: Die Taunuskommune landete auf dem letzten Platz unter allen hessischen Kommunen.

Das soll beim nächsten Test in zwei Jahren nicht noch einmal passieren. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) verweist auf das Radverkehrskonzept, das vom Stadtparlament im vergangenen November beschlossen worden ist. Der Magistrat hat nun eine Reihe von konkreten Einzelvorhaben beschlossen, die möglichst bald umgesetzt werden sollen.

„Wir wollen ein durchgängig befahrbares Radwegenetz schaffen“, kündigt Hetjes an. Dazu will die Stadtverwaltung auch politisch heikle Vorhaben anpacken. So soll die Kaiser-Friedrich-Promenade durchgängig zur Tempo-30-Zone werden. Und auf dem vielbefahrenen Hessenring ist ein Verkehrstest geplant, bei dem die Autospuren zugunsten von Radwegen reduziert werden.

Auch am Schulberg soll sich etwas tun. ADFC-Sprecher Ralf Gandenberger hatte im FR-Interview gefordert, die Einbahnstraße möglichst bald in beide Richtungen für Radfahrer freizugeben. Das werde auch geschehen, sagte Hetjes zu. Allerdings gehe das nicht so einfach, wie der ADFC sich das vorstelle, ergänzte die Stadträtin und Dezernentin für die Straßenverkehrsbehörde Lucia Lewalter-Schoor (SPD). Um die Sicherheit von Radlern, aber auch Fußgängern nicht zu gefährden, müsse die enge Straße umgestaltet und auch eine Ampel umgerüstet werden. Das sei bis 2020 vorgesehen. „Wir sind voll im Zeitplan“, versicherte der Oberbürgermeister.

Er wies darauf hin, dass seit Januar schon 25 Einbahnstraßen umgewidmet worden seien. Außerdem seien mehrere Radwege erneuert und an der U-Bahnstation in Ober-Eschbach eine Fahrradüberdachung eingerichtet worden.

525 000 Euro stehen für die Vorhaben bereit, die nun vom Magistrat beschlossen worden sind. Nina Lassnig soll dafür sorgen, dass sie möglichst rasch Wirklichkeit werden. Dazu gehört etwa die Umwandlung des Weinbergswegs am Kurpark in eine Fahrradstraße. „Das liegt mir besonders am Herzen“, sagt Lassnig. Schließlich seien wegen der angrenzenden Maria-Ward-Schule und des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums hier besonders viele Kinder und Jugendliche unterwegs.

Die 31-Jährige will sich aber nicht nur um neue Radwege kümmern, sondern auch für das Fahrradfahren werben. Deshalb werde sie demnächst gemeinsam mit dem ADFC erstmals eine Neubürger-Radtour anbieten. Und im September sind zwei E-Bike-Probiertouren geplant, unter anderem während des Rundroutenfests des Regionalparks.

Dem Regionalpark ist es auch zu verdanken, dass die in Graz geborene Lassnig im Rhein-Main-Gebiet gelandet ist. Ein Praktikum bei der Regionalpark-Gesellschaft hatte sie motiviert, sich nach ihrem Studium der Umweltsystemwissenschaften im Rhein-Main-Gebiet für einen Job zu bewerben. Den fand sie zunächst beim Rhein-Main-Verkehrsverbund, bis sie im März als Radverkehrsbeauftragte nach Bad Homburg gewechselt ist.

Vorerst hat Nina Lassnig nur eine halbe Stelle. Wegen ihrer zahlreichen Aufgaben könne das aber nicht so bleiben, sagte Oberbürgermeister Hetjes. Deshalb sei für das kommende Jahr die Aufstockung auf eine volle Stelle geplant.

Info: Das Vorhaben

Bad Homburgs Magistrat hat am Montag eine Reihe von Projekten beschlossen, die noch in diesem Jahr begonnen werden sollen. Das Parlament entscheidet darüber in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 6. Juni:

- Die Kaiser-Friedrich-Promenade soll Tempo-30-Zone werden. Die Mittelstreifen werden entfernt, Fahrradfahrer sollen künftig nicht mehr den Gehweg, sondern die Fahrbahn nutzen. Außerdem sollen die Einbahnabschnitte für den Radverkehr freigegeben werden.

- Weinbergs- und Paul-Ehrlich-Weg sollen zur Fahrradstraße werden, in der Radler Vorfahrt gegenüber Autofahrern genießen.

- Der Jubiläumspark soll für Radler freigegeben werden.

- Auf dem Bahnhofsvorplatz sollen zusätzliche Fahrradabstellplätze eingerichtet werden. Gleiches gilt für Gustavsgarten, Gotisches Haus, Jubiläumspark und Grillplatz Buschwiesen.

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