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Weltbürgerin mit vielen Talenten: Isolde Schmitt Menzel.
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Weltbürgerin mit vielen Talenten: Isolde Schmitt Menzel.

Isolde Schmitt-Menzel

Maus und Künstlerin

Das Gotische Haus zeigt Werke von Isolde Schmitt-Menzel, der Schöpferin der Fernsehmaus.

Von Martina Propson-Hauck

Die Frau mit dem ledernen Cowboyhut ist 82 Jahre alt. Sie versprüht die Vitalität und Lebenslust einer Zwanzigjährigen gepaart mit der buddhistisch durchdrungenen Altersweisheit eines bewegten Lebens. „Ich lebe sehr intensiv und ich kann so frei sein, wie ich will“, sagt die Künstlerin Isolde Schmitt-Menzel über sich. Sie gilt als die Schöpferin der orange-braunen Maus aus der Sendung mit der Maus. Im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks hatte sie 1969 die Mausfigur für die damaligen Lach- und Sachgeschichten entwickelt. Aus ihrer Papiermaus wurde ein animiertes Trickfilmgeschöpf, das mittlerweile Generationen von Kindern kennen und lieben. Die Maus? Schon klimpern Augenwimpern mit einem Klack-klack.

Mit ihrem Geschöpf teilt die lebhaft gestikulierende und agile Weltbürgerin – mit Zeit-Wohnsitzen nicht nur in Bad Homburg, sondern auch in der texanischen Wildnis und in Jamaika – jene ungezügelte Kreativität und das Aufbegehren gegen Konventionen: Unvergessen, wie die Maus auf der Mattscheibe mangels Spielgefährten oder anderweitiger Ablenkung sich den eigenen Schwanz ausreißt und ihn als Springseil verwendet. „Heute haben Kinder einfach zu viel Spielzeug“, sagt Schmitt-Menzel. Das töte jede Kreativität. Als Kriegs-Kind habe sie sich selbst eine Puppe aus Holz ausgesägt, Beine und Arme mit Draht befestigt. Ihre Murmeln bekamen Namen und lieferten sich Wettrennen untereinander. Arme Zeiten? Kreative Zeiten allemal.

Mit dem Erfolg ging es auch ums Geld

Skizzen zu der bekannten Maus-mit-Springseil-Szene mit genauen Anweisungen für den Trickfilm („Korkenziehergeräusch“ beim Rausdrehen des Schwanzes!) zeigt das Museum Gotisches Haus zusammen mit vielen weiteren Maus-Aspekten im oberen Stockwerk: Da hängen Maus-Mobiles von der Decke, gibt es Maus-Karrikaturen und -Wimmelbilder sowie die Maus-Bilderbücher aus den 70er Jahren .

Kinder, die die Ausstellungseröffnung und die sonntäglichen Führungen besuchen , erhalten eines der nicht mehr aufgelegten Bilderbuch-Raritäten im Pixie-Format der 70er Jahre als ganz persönliches Geschenk von Isolde Schmitt-Menzel. „Ich freue mich einfach, wenn Leute Spaß haben an der Maus“, sagt sie. 25 Jahre lang hat sie mit der Maus gelebt – zehn Jahre davon hat sie um die Urheberrechte vor Gericht gestritten, bis sie endlich Recht bekam. Ein weniger schönes Kapitel der Mausgeschichte. Denn mit deren Erfolg ging es plötzlich auch um viel Geld.

Daneben aber eröffnet die Ausstellung einen viel weiteren Blick auf die vielseitige Künstlerin Isolde Schmitt-Menzel: Ausgebildet als Keramikerin auf der renommierten Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, folgt die 20-Jährige Professor Herbert Post nach Offenbach an die Hochschule für Gestaltung in einer abenteuerlichen nächtlichen Grenzüberschreitung.

Über Wasser hält sie sich und ihre drei Kinder in den 70er Jahren mit Buchillustrationen und dem Verfassen anschaulicher Kreativbücher. Im Erdgeschoss des Gotischen Hauses sind ihre Keramiken, Ölbilder, Aquarelle, Holzschnitte und Batiken zu sehen. Auch heute noch ist die Künstlerin kreativ. „Nine.eleven“ heißt der Titel eines Bildes, auf dem zwei Wesen – eine Kreuzung aus fliegenden Fischen und Vögeln – über einem Wasser aus spitzen Dreiecken fliegen. Am Bildrand scheint ein aus dem Wasser wachsender Halm zu brechen. Nur durch den Titel assoziiert man den Terroranschlag.

Kreative Einfälle in Bad Homburg

Schmitt-Menzel lebt seit 1970 in Bad Homburg, sporadisch, aber immer wieder. Die Maus-Geschichten fürs Fernsehen sind fast alle hier entstanden. Der Zufall, an den die Künstlerin natürlich nicht glaubt, wollte es, dass Museumsleiterin Ursula Grzechca-Mohr in eine Wohnung in das gleiche Haus in Bad Homburg zog. Als Mitglied des Künstlerbunds des Hochtaunuskreises hatte sie 1976 auch Entwürfe für einen Brunnen vor dem Kurhaus und auf der Louisenstraße eingereicht. Drei spielende Kinder tanzen um einen Brunnen herum. Warum das Modell nicht realisiert wurde, weiß Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) nicht. Für die Kirche Sankt Sebastian in Stierstadt hat Schmitt-Menzel ein Backsteinrelief entworfen, das noch heute zu sehen ist. Ebenso sind ihre architektonischen Entwürfe in der Kirche Sankt Klara in Wiesbaden umgesetzt worden.

Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 17. November, um 11 Uhr im Museum im Gotischen Haus, Tannenwaldweg 102. Für Kinder gibt es parallel ein „Kids Opening“. Führungen gibt es ab 25. November immer um 15 Uhr. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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