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Manöver mit Todesfolge

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Die Statue der Justitia auf dem Frankfurter Römerberg.
Die Statue der Justitia auf dem Frankfurter Römerberg. © ddp

Weil er plötzlich die Fahrspur auf der A5 wechselt, verursacht ein Unfallfahrer den Tod eines Familienvaters. Das Gericht sieht jedoch nur eine geringe Schuld. Von Viktor Fritzenkötter

Von Viktor Fritzenkötter

Vom plötzlichen Spurwechsel eines anderen Fahrers überrascht, musste sich der 49-Jährige in Sekundenbruchteilen entscheiden: Ausweichmanöver oder Vollbremsung? Er entschied sich für eine rasche Lenkbewegung, verlor die Kontrolle über sein Auto und löste so vor zweieinhalb Jahren auf der A5 bei Friedrichsdorf einen tödlichen Unfall aus. Dafür wurde dem kaufmännischen Angestellten aus Kelkheim gestern im Bad Homburger Amtsgericht der Prozess gemacht, der Vorwurf lautet "fahrlässige Tötung".

Um 3.44 Uhr fuhr er damals mit geschätztem Tempo 130 auf der mittleren von drei Fahrspuren, als es zu der brenzligen Situation kam. Sein VW Transporter krachte in die Leitplanke und schlitterte, auf der Fahrerseite liegend, zurück in die Mitte der Fahrbahn. Der verschreckte Fahrer hatte gerade seine Warnblinker eingeschaltet, als ein Golf und ein Ford Galaxy "mit einem furchtbaren Aufprall" gegen den Boden seines Autos prallten.

Während der Golf relativ schnell zum Stehen kam, riss der Galaxy den Tank des umgekippten Transporters mit und schleuderte quer über die Fahrbahn in die Mittelleitplanke. Als die beiden Insassen des Golfs zu Hilfe eilten, brannte der Wagen bereits lichterloh. Sein Fahrer, der eine Frau und zwei Kinder hinterlässt, starb sofort an seinen schweren Schädel- und Hirnverletzungen.

Der Angeklagte, der damals tiefe Schnittwunden und eine schwere Gehirnerschütterung davontrug, zeigte sich vor Gericht sehr betroffen. Er hat bislang keine Vorstrafen, war nicht gerast und stand auch nicht unter Alkoholeinfluss. "Er hat in einer absoluten Extremsituation reflexartig falsch reagiert", betonte sein Anwalt und schlug die Einstellung des Verfahrens vor. Der Staatsanwalt ergänzte: "Bei diesem Fall ist der Kontrast zwischen dem Grad des Verschuldens und den dramatischen Folgen besonders krass."

Dennoch stünde der Kelkheimer als Verursacher des Unfalls fest und sei somit mittelbar für den Tod des Familienvaters verantwortlich. Tatsächlich sagte der als Zeuge vernommene Sachverständige aus, eine Vollbremsung des Angeklagten hätte zu einem anderen Ausgang des Unfalls geführt. Eine Einstellung des Verfahrens, so der Staatsanwalt, führe zu keiner eindeutigen Klärung der Schuldfrage, die jedoch für die Angehörigen des Opfers von großer Bedeutung sei. Die Frage "Hätte mir das auch passieren können?" könnte aber auch der Staatsanwalt selbst "nicht definitiv mit Nein beantworten".

Letztlich wird der 49-Jährige von der Richterin "aufgrund seiner geringen Schuld" mit Strafvorbehalt verwarnt und muss 5000 Euro an die Familie des Unfallopfers zahlen. Sollte er in der zweijährigen Bewährungsfrist straffällig werden, hätte er noch eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro zu zahlen. "Diese Schuld wird mich noch lange begleiten", sagt der Mann zum Schluss an die Familie gerichtet.

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