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Krachendes Argument: de alte Fritz.

Fastnacht

Magistrat in Oberursel hinter Papmachémauer

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Die vereinigten Narren erobern das Oberurseler Rathaus im Sturm.

Diese gewisse Aufruhrstimmung war sofort spürbar. Dass sich da knapp unterhalb der Oberurseler Stadtkirche St. Ursula etwas zusammenbraute, was wenig später auf dem Weg durch die Altstadtgassen zu einer Welle werden sollte. Ein bunter Haufen seltsam gekleideter Menschen, Große und Kleine, zusammengewürfelt in scheinbarem Chaos und doch von einer massiven Grundordnung gesteuert. Pinguine aus Schwalbach, Raben aus Stierstadt, Prinzen und Prinzessinnen aus der Kurstadt und dem Hintertaunus. Hauptprobe für die närrische Großdemonstration am kommenden Sonntag, wenn sie vieltausendfach durch „Orschel“ ziehen wollen.

Positive, nahezu freudetrunkene Energie schon beim Vorspiel, auch wenn dem einen oder anderen bunten Gesellen noch der Kater vom Abend davor im Nacken saß. Aber alle einig im Ziel, die Obrigkeit aus dem Zentrum der Macht zu verjagen, um von dort aus bis zum Höhepunkt selbst zu regieren. Vorneweg die Kanoniere aus Niederhöchstadt, die auf einem hölzernen Gestell geschobene Kanone „De alte Fritz“ ein krachendes Argument, dass hier Spaß und Ernst eine feine Symbiose eingehen wollen.

Die kurz irritierten Gesichter von Passanten und Samstagvormittagseinkäufern auf dem historischen Marktplatz entspannen sich schnell nach dem ersten Kanonenschuss. Hier wird nur mit harmlosen Pulver Krach gemacht, die Brass Band des Karnevalverein Frohsinn macht ihn mit Pauken, Trommeln und Trompeten, das Fußvolk jubelt „Orschel Helau“ und nimmt jeden freundlich auf, der sich der närrischen Schlange anschließen will. Ein paar Versprengte reihen sich am Fastnachtsbrunnen mit der skurrilen Eselsreiterin ein, die Zeit drängt, um 11.11 Uhr wollen die Bunten mit den Narrenkappen am Rathaus sein. Dann soll es dem schwarzen Magistrat in seinen traurigen Kutten an den Kragen gehen, der sich hinter Mauern aus Pappmaché verschanzt hat.

Ein Scharmützel nur das Wortgeplänkel, das Bürgermeister Hans-Georg Brum angesichts der närrischen Übermacht vor der Mauer anzettelt. Verse im Vier-Zeiler-Rhythmus von reinster Klarheit auf beiden Seiten, da lacht des Jecken karnevalistisches Herz. Draußen auf dem Rathausplatz wird das erste „Uiuiuiuiuiuiuiuiauauauauau“ intoniert, der Möchtegern-Rathauschef weiß, dass seine Zeit zumindest vorübergehend abgelaufen ist. Bis Aschermittwoch muss er den Schlüssel symbolisch abgeben und den Narren das Regieren überlassen. Brums klare Einsicht: „Bis dahin mach ich blau.“ Noch hunderte Male werden darauf Arme von links unten nach rechts oben geschwenkt. „Orschel Helau, Bad Homburg Helau, Usingen Helau, Bommersheim Helau… und all die annern Helau.“

Terminhinweis: Der Höhepunkt der fünften Saison naht. Am nächsten Sonntag, 3. März, treffen sich Zehntausende Freunde des närrischen Brauchtums zum Taunus-Karneval-Zug in Oberursel. Fast 200 Zugnummern machen ihn zu einem der größten in ganz Hessen, Beginn ist um wie immer um 14.11 Uhr. Los geht es am Historischen Marktplatz.

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