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Mädchen mit Äxten

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Von: Olaf Velte

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Bad Homburg „Leere“ ist das Thema einer Schülerausstellung in der Galerie Artlantis

Von Leere konnte am Eröffnungsabend in der Galerie Artlantis keine Rede sein. Schüler, Lehrer, Eltern und Neugierige füllten die Räume am Tannenwaldweg 6 in Dornholzhausen bis in die letzten Winkel. Wer wissen wollte, was zum Thema „Leere“ im Kunstunterricht an den weiterführenden Schulen des Hochtaunuskreises entstanden war, musste sich in Geduld üben. Dass einige der Werkserien an diesem Abend prämiert wurden, sorgte für zusätzlichen Trubel.

In der Ausstellung, die bis zum 17. März dauert, präsentieren sich zum wiederholten Mal Schülergruppen aus dreizehn pädagogischen Einrichtungen. Das titelgebende Thema wurde im vergangenen Jahr schon von den Künstlern der Galerie Artlantis durchgespielt – die junge Generation zeigt nun, wie der vieldeutige Begriff dingfest zu machen ist. Da sind die auf langer Tafel gereihten und aus Silberfolie gewirkten Figuren – das tägliche Hetzen und Kaufen und Nie-zum-Ende-Kommen symbolisierend. In Reichweite findet sich ein Mobile aus Einkaufstüten, ein sanftes Schwingen der angesagen Marken: Hollister, Boss, Abercrombie & Fitch. Was in die Papptaschen eingestanzt wurde, spricht jedoch von Elementarem: „Respekt“, „Geborgenheit“, „Selbstbewusstsein“. Die Konsumsucht unserer Zeit rückt hier oft in den Blick, wird als leerlaufende Versprechung gedeutet.

Als Förderer der Nachwuchs-kunst erweisen sich der Hochtaunuskreis sowie die Altana Kulturstiftung aus Bad Homburg. Landrat Ulrich Krebs eröffnete am vergangenen Freitag die Präsentation und vergab die Preise. Geehrt wurden die Humboldtschule Bad Homburg, die Rhein-Main International Montessori School Friedrichsdorf, das Gymnasium Oberursel, das Taunusgymnasium Königstein und die Max-Ernst-Schule aus dem Weilroder Ortsteil Riedelbach.

Breit ist das Spektrum. „Leere“ kann der Anblick einsamer Landschaften auslösen, kann aber auch ein Spiel mit überlieferten Kunstmotiven sein: Edward Hoppers „Nighthawks“ ohne eine Menschenseele.

Gefühle werden durchdekliniert, Denkfiguren gewagt. Sie machen es sich nicht leicht, die Heranwachsenden aus Vordertaunus und Usinger Land. „Ich bin überrascht, wie schlau die das gemacht haben“, sagt Jan-Ulrich Schmidt, Kunstlehrer an der Humboldtschule. Seine Mittelstufen-Schüler haben einen Film realisiert, in dem sich alle Beteiligten äußern. Die Leere „ist unbegreifbar“ oder „da, wo alles anfängt“ oder „Glück“. Einer der Sprecher verharrt im Schweigen.

Geredet wird auch im hinteren Raum der Galerie nicht – aber viel gezeigt. Die Abiturienten der Adolf-Reichwein-Schule aus Neu-Anspach haben eine vierteilige Performance realisiert, bei der Bibelzitate und Aggressivität eine unheilige Allianz eingehen. Da kann das „Ich warte auf Dich“ aus dem Lukas-Evangelium wie eine Drohung klingen. Kein Wunder, dass sich Mädchen da mit Äxten bewaffnen müssen.

Geöffnet freitags 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr.

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