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Der Luchs hielt sich in einem Garten auf.

Oberursel

Luchs musste eingeschläfert werden

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Eine Krankheit ließ das Wildtier die Scheu vor Menschen verlieren.

Anfang September war er überraschend auf dem Sportplatz der Frankfurt International School (FIS) aufgetaucht – ein männlicher Luchs, der „M12“ getauft wurde. Eine ganze Weile hatte er sich auf dem grünen Rasen getummelt, offenbar ungerührt von der Aufmerksamkeit, die er nicht nur bei Schülerinnen und Schülern erregte. Folge waren Berichte auch in überregionalen Medien.

Erst als sich Polizisten energisch näherten, trollte die Raubkatze sich in den nahen Wald. Schon damals waren Experten überrascht, wie wenig Scheu die Katze gegenüber Menschen zeigte. Wie nun bekannt geworden ist, war dafür offenkundig eine Krankheit verantwortlich: „M12“ litt an der Staupe, die irreversible Schäden des Gehirns mit sich bringt. Wie der Hochtaunuskreis mitteilt, musste das Tier deshalb eingeschläfert werden. Bekannt wurde nun auch, wo der Luchs sich aufgehalten hatte, nachdem er sich von dem Sportplatz entfernt hatte. Demnach zog er sich in den folgenden Tagen in ein nahes Wohngebiet einer Nachbarkommune zurück. Hier hielt er sich dann mehr als eine Woche lang kontinuierlich in einem Garten eines Privathauses auf.

Nachdem sie sein ungewöhnliches Verhalten beobachtet hatten, entschlossen sich die zuständigen Behörden „M12“, zum vorsorglichen Schutz von Menschen, zu betäuben und zur Untersuchung in den Opel-Zoo zu bringen. Ziel sei es gewesen, den Luchs nach weiteren Untersuchungen wieder auszuwildern, teilt der Kreis mit. Deshalb wurde „M12“ vom Opel-Zoo an eine Wildtier- und Artenschutzstation übergeben, die Erfahrung im Umgang mit Luchsen hat. Die dortigen Tierärzte mussten aber feststellen, dass das Tier unheilbar an Staupe erkrankt war. Als der Luchs sich am Ende nicht mehr aus eigener Kraft putzte und nicht mehr fraß, habe er eingeschläfert werden müssen.

Vor seinem Aufenthalt im Taunus hatte der männliche Luchs eine lange Reise durch halb Deutschland hinter sich gebracht. Wie der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausgefunden hatte, war das Tier im April 2018 bei Bad Pyrmont (Niedersachsen) mit einem Sender versehen worden. Dabei hatte er auch seinen Namen „M12“ erhalten. Nach Angaben des BUND, der den Luchs identifizieren konnte, war er anschließend zunächst durch Nordrhein-Westfalen gewandert und kam Mitte August 2018 nach kurzen Stippvisiten für längere Zeit nach Hessen. Nach einer Sichtung in Baden-Württemberg wurde der Luchs im Januar 2020 bei Hanau sowie ab August mehrmals im Taunus beobachtet. Zwar wandern dem BUND zufolge alle erwachsenen Jungluchse auf der Suche nach einem Revier umher. Die von „M12“ zurückgelegte Strecke sei allerdings ungewöhnlich gewesen.

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