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Trainieren in der Feuerglut verlangt viel Kraft.

Wehren üben im Simulator

Löschen in der Hölle

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Seit eineinhalb Wochen werden die 450 Feuerwehrleute des Hochtaunuskreises auf dem Areal der Bad Homburger Feuerwache durch die Flammenhölle geschickt.

Das Zischen sind die Gasflaschen. Die wären normalerweise jetzt explodiert", erklärt Ralf Hankewitz gelassen. Kurz zuvor hat der Ausbilder der Feuerwehr Bad Homburg per Knopfdruck seine Kollegen mit einer Feuersäule vom eigentlichen Brandherd abgelenkt. Zum Abschluss schickt Hankewitz aus einem anderem Propangasbrenner noch einen "Flash over" über die Köpfe der beiden Brandbekämpfer, die sich am Boden kauernd mit einem Wasserschirm gegen die Hitze der unter der Raumdecken entlang laufenden Feuerwalze schützen.

Seit eineinhalb Wochen werden die 450 Feuerwehrleute des Hochtaunuskreises auf dem Areal der Bad Homburger Feuerwache durch die Flammenhölle geschickt, die von außer wie ein unscheinbarer Sattelzugauflieger aussieht. Nur der Schriftzug "Fire House" gibt einen Hinweis, dass dort mächtig eingeheizt werden kann. "Unter der Decken haben wir Temperaturen von bis zu 700 Grad Celsius gemessen", sagt Brandrat Daniel Guischard.

Die Feuersbrunst im Container erzeugt eine reale Stresssituation, die vor allem bei ehrenamtlichen Kräften mit geringer Einsatzerfahrung eine hohe physische Belastung darstellt, so Guischard. Nicht nur die Hitze in dem dunklen Raum, auch die 30 bis 35 Kilogramm schwere Ausrüstung samt Schutzanzug zerren an den Kräften. Über Lautsprecher können zudem Schreie von Eingeschlossenen eingespielt werden

Eine Übung kann bis zu 20 Minuten dauern. Dann geht auch der Inhalt in der Pressluftflasche zur Neige. Männer wie Frauen kämpfen die Flammen in dem Container nieder. Choreografie und Szenerie der Brände bestimmt Ausbilder Hankewitz. Mal brennt ein Keller, mal ein Teil eines Industriebaus, mal eine Werkstatt. Die mannshohen Flammen steigen durch eine Treppe empor, umzüngeln Gasbehälter oder lodern aus Regalen hervor.

Das Land Hessen hat den Brandsimulator gemietet und lässt ihn durch die Landkreise und kreisfreien Städte touren. An jedem Ort bleibt er zwei Wochen stehen. Auf den Gelände an der Dietigheimer Straße herrscht deshalb Hochbetrieb. Durchschnittlich 60 Feuerwehrleute aus der Stadt und dem Hochtaunuskreis absolvieren den Simulator pro Tag.

"Der Container zählt nicht zum regulären Ausbildungsprogramm für die Träger von Atemschutzgeräten", sagt Ausbildungsleiter Gerhard Gembus. Die Möglichkeit, in der stählernen Hölle zu löschen, gibt es alle zwei, drei Jahre - und dann immer mit neuen, fiesen Überraschungen.

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