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Liefers rockt östlich

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Mit seiner Band "Oblivion" sorgt Jan Josef Liefers beim Literaturfestival in Bad Homburg für ein pickepackevolles Kurtheater. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

"Börne ist einfach nur klasse", sagt die junge Frau und dreht sich versonnen um. Doch der, der da am Samstagabend ein bis auf den letzten Platz ausverkauftes Kurtheater mit der Band Oblivion und dem "Soundtrack seiner Kindheit" in ostdeutscher Staats- und Gegenkultur so unterhaltsam wie verführerisch musikalisch instruierte, war natürlich nicht Gerichtsmediziner Professor Ludwig Börne aus dem Münsteraner Tatort.

Jan Josef Liefers hat es schwer, das Tatort-Image abzustreifen. Ganz oft eben korrespondiert der sarkastische Liefers-Humor mit dem Börne´schen. Doch der Sänger Liefers liefert nicht Wagner, sondern eindrucksvoll eine Art Live-Kassette der besten Songs seiner DDR-Jugend, von Klaus Renft über die Puhdys bis Karat. All das untermalt mit Bildern und Hörproben von Staatsratsvorsitzenden und Staatsfernsehen. Garniert ist das Ganze mit Anekdoten aus Liefers Kindheit und Jugend. Und Liefers lässt die Hüften zum "Lipsie" kreisen, der DDR-Antwort auf den West-Beat.

Platziert zwischen Zwei-Stunden-Hölderlin-Lesungen, Lyrik mit Ben Becker und Dostojewski gelesen von Sebastian Koch, bot das Liefers-Konzert nicht nur einen Kontrast, sondern verdeutlichte eine zentrale Aufgabe von Literatur: dem Vergessen etwas entgegenzusetzen. Liedtexte etwa, die der DDR-Zensur standhielten und jugendlichen Widerspruchsgeist wachhielten.

Das erste Poesiefestival haben von Donnerstag bis Sonntag wohl an die tausend Menschen besucht. "Endlich ist hier richtig was los", kommentierten zahlreiche Besucher übereinstimmend.

"Die Premiere war ein voller Erfolg und wird eine Fortsetzung im kommenden Jahr erfahren", sagte auch der sichtlich begeisterte Oberbürgermeister Michael Korwisi. Er kündigte zudem an, dass die Stadt das Kulturangebot künftig "erheblich ausweiten" werde, statt angesichts der Finanzkrise ausgerechnet an Kultur zu sparen.

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