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Aus Liebe zu Chopin

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Dass Chopin der „Hausheilige“ ist, gehört zu den geflügelten Worten, wenn von Ilse Schwarz-Schiller die Rede ist.
Dass Chopin der „Hausheilige“ ist, gehört zu den geflügelten Worten, wenn von Ilse Schwarz-Schiller die Rede ist. © dpa

Die große Liebe von Ilse Schwarz-Schiller ist die Musik. Da es für eine Karriere als Pianistin nicht reichte, organisiert sie seit 25 Jahren Konzerte zu Ehren Chopins.

Von Jürgen Streicher

In der Musik geht sie auf. In ihrer Liebe zur Musik, zum Klavier und speziell zu Chopin. Dass er der „Hausheilige“ ist, gehört zu den geflügelten Worten, wenn von Ilse Schwarz-Schiller die Rede ist. Die Chopin-Gesellschaft ist ohne die Klavierpädagogin nicht denkbar. Jede Veranstaltung, vom Hauskonzert in Weißkirchen bis zur international renommierten Intermusicale mit Künstlern aus aller Welt, trägt die Handschrift von Ilse Schwarz-Schiller.

Mit dem Zwiespalt zwischen zurückgewiesener und doppelt angenommener Liebe hat sich die aus dem fränkischen Bach-Ort Ansbach stammende Chopin-Liebende längst positiv arrangiert. „Das Klavier, Zentrum meiner Liebe und Hingabe, hat mich abgewiesen“, sagt sie heute, da sie einen anderen ihr „vorbestimmten Weg“ gegangen ist. Eine herausragende Pianistin würde sie nicht werden, das wusste sie. Aber eben eine Organisatorin herausragender Konzerte.

Vom „kulturellen Leuchtturm“ sprach Bürgermeister Hans-Georg Brum jetzt zum 25-jährigen Bestehen der Chopin-Gesellschaft Taunus. Ein Baustein des Kulturangebots, das Oberursel als Chopin-Stadt international bekannt gemacht habe.

Unvergessen in der internationalen Föderation der Chopin-Gesellschaften mit weltweit etwa 40 Mitgliedern ist die erste Intermusicale 1995. Beim Festival der Superlative in der Stadthalle und an anderen Schauplätzen wurde in einer Woche das Gesamtwerk des polnischen Komponisten und Pianisten aufgeführt. Shura Cherkassky, der letzte Repräsentant der legendären russischen Schule kam als Meisterinterpret in den Taunus – und Ilse Schwarz-Schiller erwarb sich den Namen, der sie noch im gleichen Jahr in den Vorstand der Internationalen Föderation der Chopin-Gesellschaften brachte. Im zehnten Jahr hatte sie „ihrer“ Gesellschaft in der musikalischen Welt einen bleibenden Ruf verschafft.

Alle zwei Jahre gastiert die Intermusicale in Oberursel, Intendantin ist stets die Präsidentin. Dem „Dreigestirn der Romantik“ – Mendelssohn, Chopin, Schumann – war 1999 ein Festival gewidmet, „Fragmente einer Freundschaft“ zeichnete 2001 die Beziehung von Chopin und Liszt nach. So intensiv sich Ilse Schwarz-Schiller um ihre Liebe kümmert, so nachdrücklich stand sie auch bei potenziellen Sponsoren auf der Matte, um die Kunst auch finanzieren zu können.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, da zudem der 200. Geburtstag Fryderyk Chopins gefeiert wird, überrascht die Chopin-Verehrerin nun mit einem Festkonzert ohne die Musik des Übervaters der Gesellschaft. Ja, „es muss nicht immer Chopin sein“, sagt die Präsidentin lässig und ohne jedes Bedauern. Unbedingt wollte sie den Pianisten Martin Stadtfeld für das Konzert am 17. September gewinnen. „Und Stadtfeld spielt eben kein Chopin.“ Punkt, basta.

Für Ilse Schwarz-Schiller schließt sich dennoch „der Kreis zum Anfang“. Denn bei den ersten von ihr organisierten Hauskonzerten für junge Pianisten, meist Studierende der Musikhochschule Frankfurt aus der Meisterklasse von Leonard Hokanson, waren eher Bach, Schubert und Beethoven gefragt, die Komponisten, die Stadtfeld beim Festkonzert interpretiert. Und Bach war schließlich dafür verantwortlich, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden hat.

Rückzug als Präsidentin

Kaum vorstellbar, dass Ilse Schwarz-Schiller den Rückzug in Sachen Chopin-Marketing antritt. „Wir werden alle nicht jünger“, erwähnt sie nebenbei und kündigt für das kommende Jahr an, erste Aufgaben abzugeben. Und für 2012 gar den Rückzug als Präsidentin der Taunus-Gesellschaft, um sich nur noch dem „internationalen Geschäft und der damit verbundenen wahnsinnigen Arbeit“ zu widmen. Aber für die Erbfolge habe sie schon „eine Kapazität“ im Köcher.

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