Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurt  International School
+
Frankfurt International School

Frankfurt International School

Lernen auf der Insel

Die Frankfurt International School in Oberursel feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Doch eine Schule für alle ist sie nicht. Hohe Gebühren halten Normalschüler fern.

Von Rolf Severing

Alle Kinder werden aufgenommen – so lautet ein Grundsatz der Frankfurt International School (FIS) in Oberursel. Doch bereits am Eingang der Schule An der Waldlust scheint der liberale Geist verflogen. Das schwere Stahlgitter öffnet sich nur demjenigen, der einen gültigen Ausweis besitzt. „Immer schön sichtbar tragen, sonst gibt's Probleme“, rät der Pförtner den Besuchern. Willkommen auf der Insel.

Im September feiert die FIS ihr 50-jähriges Bestehen. „Es ist eigentlich kaum vorstellbar, aber bis Anfang der 1970er Jahre bestand die Schule hauptsächlich aus Holzbaracken“, sagt Vera Thiers, Marketing- und Outreach- Managerin der FIS. Heute erstreckt sich der Campus über ein Gelände von 65000 Quadratmetern, sogar ein Freiluft-Amphitheater gibt es.

1560 Kinder aus über 50 Nationen bevölkern derzeit den Campus. „Der Auftrag dieser Schule ist die Bildung von Kindern, die nur kurzfristig in Deutschland sind. Schüler bleiben in der Regel nur zwei bis fünf Jahre hier, trotzdem brauchen sie eine einheitliche Ausbildung“, beschreibt Thiers das Konzept. Dazu wurde ein internationaler Lehrplan erstellt, der sowohl in Oberursel als auch in Mumbai Gültigkeit besitzt.

Der Weg zum Abschluss „International Baccalaureate“ ist allerdings kostspielig. Durchschnittlich 16000 Euro im Jahr müssen Eltern für die Ausbildung ihres Kindes an die FIS überweisen. „Staatliche Fördermittel erhalten wir nicht, denn wir gelten nur als Ergänzungsschule. Die FIS ist ein gemeinnütziger Verein, dem ein Elternkuratorium vorsteht. Die Schule gehört deshalb quasi den Familien“, sagt Thiers.

Für die Wirtschaft in der Region sei die FIS von großem Nutzen. Die finanzielle Unterstützung seitens der Unternehmen ist deshalb groß. Bei rund 27 Millionen Euro liegt der jährliche Schuletat, der komplett in die Ausbildung der Kinder fließt. „Wir sind mit unserer Familie vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. Vorher war ich auf einer internationalen Schule in Dubai. Da war es aber langweilig, man kann nur shoppen und an den Strand gehen. Es gibt überhaupt keine Kultur“, sagt die Iranerin Pouneh (15). „Hier in Oberursel kann ich alles machen. Ich spiele sogar Theater an der Schule. Mein letzte Aufführung war die Odyssee von Homer. Es ist einfach toll“, schwärmt die Tochter eines iranischen Unternehmers.

Die Möglichkeiten der Schüler sind groß. „Die meisten unserer Schüler studieren später im Ausland, und zwar an den besten Universitäten der Welt“, sagt Thiers stolz. 2010 schlossen drei Absolventen ihr Examen mit der höchsten Punktzahl ab. Von weltweit jährlich 35000 internationalen Schülern schafften 2010 nur 86 ein solches Ergebnis.

Die Ausbildung verbindet neue Methoden mit intensiver Betreuung. „Schwänzen kann man hier nicht, das würde den Lehrern sofort auffallen“, meint Lucas (16), dessen Mutter aus New York stammt. Neben dem Umgang mit moderner Designsoftware steht vor allem der Spracherwerb im Vordergrund. Zwölf Sprachen werden unterrichtet, besonders wichtig ist Englisch. Innerhalb von zwei Jahren sollten die Schüler so das Niveau von Muttersprachlern erreichen, sagt Ian Gulliford (60), Language Coordinator der FIS. Deutsch ist Pflichtsprache, besitzt aber keine Priorität. So spricht auch der amerikanische Schulleiter der FIS, Paul Fochtman, der im Juli 2010 aus dem indischen Mumbai nach Oberursel gekommen ist, kein Wort Deutsch. „Der Unterschied zwischen der International School in Mumbai und Oberursel ist in Bezug auf die Schüler nicht groß. Ausländisches Spitzenpersonal braucht auch in Indien Schulen für seine Kinder.“

Der größte Unterschied sei das Umfeld: „In Mumbai patrouillieren über 80 Sicherheitsleute mit Maschinengewehren um die Schule. Der ganze Campus ist zudem von hohen Mauern umgeben, die brauchen wir hier in Oberursel natürlich nicht“, sagt Fochtman.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare