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Im Lendentuch für Geld und Ehre

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Von: Olaf Velte

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Historischer Spaß: Holz trifft auf Holz, Blut fließt keins.
Historischer Spaß: Holz trifft auf Holz, Blut fließt keins. © J.Storch

Beim Aktionstag in der Saalburg kämpfen Gladiatoren zur römischen Wasserorgelmusik - die Besucher sind begeistert. Von Olaf Velte

Der Nachwuchs wird beizeiten herangebildet. Unermüdlich stechen die Buben auf vermeintliche Gegner ein. Die Holzschwerter treffen die Pfosten - unten, in der Mitte, oben. Ein monotones Klacken erfüllt die Morgenstunde unter dem mächtigen Eichbaum. Lautstark treibt der Ausbilder die Jugendlichen an. In der Gladiatorenschule bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Wohin das Training führt, erleben die Besucher der Saalburg nur wenige Meter entfernt. In einer abgesteckten Arena schlagen die Kämpfer der "Familia Gladiatoria Pulli Cornicinis" mit Schmackes aufeinander ein. Das kurz geschnittene Rasengeviert wird dabei aber nicht von Blut getränkt, schwere Wunden gehören nicht zum Programm. Vielmehr sollen die Zuschauer des "Gladiatoren-Aktionstages" über die Sitten und Gebräuche römischer Arenakämpfe informiert werden.

Ein Fachmann hat sich zu diesem Zweck in dem Römerkastell eingefunden: Historiker Marcus Junkelmann agiert als Schiedsrichter und Moderator - wie alle Beteiligten in römische Tracht gewandet. Ihm zur Seite steht Musikwissenschaftler Justus Willberg, der eine nachgebaute römische Wasserorgel mitgebracht hat. Eine absolute Rarität und weltweit die einzige ihrer Art.

Musiziert wird teilweise nach antiken Noten, 65 Stücke hat die Gruppe "Vox aeterna" im Repertoire. Fünfzig Liter Wasser werden im Unterbau des Instruments auf Druck gepumpt und lassen die Pfeifen ertönen. Im antiken Rom lieferten einst Orgel und Hörner die Begleitmusik zum Gladiatoren-Spektakel.

Während sich die martialisch gerüsteten Streiter formieren, ermahnt ein Vater den abenteuerlustigen Sohn: "Bleib hier - die machen Hackfleisch aus dir." So schlimm sollte es aber nicht kommen. Unter den Helmen verbergen sich menschenfreundliche Mitbürger, und die typischen Kurzschwerter sind aus Holz gefertigt. Trotz bandagierter Arme, Beinschienen und Lendentüchern bleibt genug nackte Haut als Angriffsfläche. Die Vorstöße werden zumeist mit den Schilden eingeleitet, das Umkreisen und Belauern gehört zur Taktik.

Auch in der Antike agierten die Berufskämpfer nach festen Regeln. "Das war kein wildes Gemetzel", sagt Junkelmann, der einige Bücher zu dem Thema geschrieben hat. Ob ein unterlegener Gladiator lebend die Arena verlassen konnte, war oft der Publikumsgunst geschuldet. Der Sieger erhielt einen Ölzweig und Geld, ihm gebührte Ruhm und Ehre.

Ein Raunen geht durch die Menge. Gerade hat der "Hartnäckige" mit der Lanze die Brust des "Löwen" berührt. Einige Meter weiter übt der Nachwuchs mit unversiegtem Eifer. Holz trifft auf Holz: klack, klack, klack.

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