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Der Komponist als Fixstern: Ilse Schwarz-Schiller in der Zentrale der Chopin-Gesellschaft.

Taunus-Gesellschaft

Ein Lebenswerk für Chopin

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Nach 34 Jahren zieht sich Ilse Schwarz-Schiller aus dem Tagesgeschäft der Taunus-Gesellschaft zurück. Unter neuem Vorsitz bleibt die Kontinuität gewahrt.

Achtundzwanzig Menschen finden sich 1979 in einem Oberurseler Privathaus ein, sind der Einladung zu einem Klavierkonzert gefolgt. Gastgeberin ist die Pianistin und Pädagogin Ilse Schwarz-Schiller. Keiner der Zuhörer ahnt, was aus diesem eigenwilligen Angebot erwachsen wird. Es ist nichts weniger als die Geburtsstunde der heute überaus renommierten Chopin-Gesellschaft Taunus.

Vier Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Nach der Gesellschafts-Gründung 1985 hat sich die Hauskonzert-Organisatorin wegweisende 34 Jahre als künstlerische Leiterin einen Namen gemacht. Dass dabei die eigene Solisten-Karriere auf der Strecke geblieben ist, kommentiert die Meisterkurs-Absolventin heute so: „Meine Bestimmung ist das Weitergeben und Inspirieren.“

Vor einem halben Jahr hat Ilse Schwarz-Schiller den Führungsstab an den Bad Homburger Pianisten Rolf Kohlrausch weitergereicht, sich aus dem Tagesgeschäft der Gesellschaft herausgenommen. „Jetzt gewinne ich langsam Abstand.“ In der Geschäftsstelle am Zimmersmühlenweg ist die Ehrenpräsidentin umgeben von Bildern und Plakaten, Büchern und Petitessen – natürlich wacht die große Chopin-Büste über all den versammelten Erinnerungsstücken. „Mein Lebenswerk soll weiterbestehen.“

Die Zukunft ist mit der kommenden „Intermusicale Oberursel“ bereits organisiert, die Kontinuität gewahrt. Eine Zeit der Rückbesinnung ist angebrochen. Was „im Fluge“ verging, will nun gesichtet, bedacht, geordnet sein. Begonnen hat der musikalische Furor für Ilse Schwarz-Schiller im fränkischen Ansbach, der Geburts- und „Bach-Stadt“. Als Zaungast habe sie sich während der dortigen Konzertdarbietungen infiziert, mit sechs Jahren schon ans Klavier gesetzt. Prägend ist zudem der Großvater in Leutershausen, der nicht nur Landwirt, sondern auch Chorsänger ist – „mein erster Unterstützer“.

Mit ihrem ersten Ehemann kommt sie 1975 nach Oberursel, begeistert sich an der Musikhochschule Frankfurt für das Thema „Hauskonzerte zwecks Nachwuchsförderung“. Ihr Netzwerk weitet sich aus, Künstler von Rang werden zu Bekannten, Freunden. Der genialische Pianist und Komponist Fryderyk Chopin wird schließlich zum Fixstern für die vormalige „Schubertianerin“. Sie erkundet die Lebensorte des 1810 im Herzogtum Warschau Geborenen, erforscht seine Kunst. Und entdeckt „die polnische Tradition“. Wie selbstverständlich hat die Gesellschaft den völkerverständigenden Brückenschlag integriert, regelmäßig definiert die „Chopiniade“ den internationalen Freundschaftsgedanken.

Legendär sind Wagemut und künstlerisches Gespür, mit denen Schwarz-Schiller im Doppeljahr 1995/96 europaweites Aufsehen erregt: Das Städtchen Oberursel wandelt sich zum Festivalplatz, auf dem das Chopin-Gesamtwerk unter dem Namen „Intermusicale“ dargeboten wird. Seither reisen Besucher von weither an, dem breit gefächerten Programm beizuwohnen. „In ihrer Vertiefung die herrlichste Ära“, so die Macherin über jene Jahre. Dies alles aber sei nur wegen der hier herrschenden Offenheit, „dem Interesse der Leute“ möglich gewesen. Bis zur Stunde werden die Veranstaltungen von einem Stammpublikum getragen – „die erträglichen Eintrittspreise sind eine Einladung an alle Bürger“.

„Nie eine Oper komponiert, / keine Symphonie, / nur diese tragischen Progressionen / aus artistischer Überzeugung / und mit einer kleinen Hand“, hat Gottfried Benn einst sein Chopin-Gedicht ausklingen lassen. „Seine Musik ergreift das Gemüt jedes Menschen“, sagt Schwarz-Schiller. Sie heile und bilde. Um das Vermittelnde nicht abreißen zu lassen, soll nach der Tat nun das geschriebene Wort folgen. Was bislang noch in Ordnern, Schubladen und Gedächtnis geborgen ist, könnte sich bald in Buchform offenbaren. „Im Mittelpunkt der Mensch und das Klavier.“

Die Chopin-Gesellschaft Taunusveranstaltet vom 13. bis 15. September die nunmehr 12. Auflage der „Intermusicale“. Veranstaltungsort ist jeweils die Stadthalle von Oberursel. Unter dem Motto „Rising Stars“ führen junge polnische und deutsche Künstler das Kammermusikwerk von Fryderyk Chopin auf.

Ilse Schwarz-Schillerhat nach 34 Jahren ihr Leitungsamt in die Hände von Rolf Kohlrausch gelegt. Die Gründung des Vereins im Jahre 1985 geht auf eine ab 1979 in Oberursel initiierte Hauskonzertreihe zurück.

www.chopin-gesellschaft-taunus.de

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