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Wo Leben und Tod sich begegnen

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Von: Andrea Rost

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SPD-Politikerin Faeser absolviert einen Praxistag im Hospiz. Zur gleichen Zeit findet eine Fotoausstellung statt.

Auch wenn sie in der Landtagsfraktion die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, Nancy Faeser lässt sich nicht von ihren Ausflügen in andere Berufsfelder abbringen: Die innenpolitische Sprecherin der SPD im hessischen Landesparlament, die zu den Landtagswahlen im September wieder als Direktkandidatin der Sozialdemokraten im östlichen Main-Taunus-Kreis antritt, setzt auch in Vorwahlkampfzeiten die Serie ihrer Praxistage fort.

Mit der Polizei fuhr sie schon Streife, hat eine Schicht in der Unfallchirurgie der Bad Sodener Klinik geschoben, einen Tag in einer Kita mitgearbeitet und den Zollbeamten am Frankfurter Flughafen über die Schulter geschaut. Jetzt war Nancy Faeser an einem Ort, wo Leben und Tod einander sehr nahe kommen: Vier Stunden dauerte ihr Praxistag im Flörsheimer Hospiz Lebensbrücke.

Viele wollten schon ein Praktikum im ersten stationären Hospiz des Main-Taunus-Kreises machen. Es sei allerdings bisher noch keine Politikerin darunter gewesen, sagt Christa Hofmann, die das Sterbehaus in Flörsheim leitet. „Frau Faeser aber hat uns von Anfang an unterstützt. Wir konnten immer auf sie zählen.“

Eine Unterstützung, die die Ehrenamtlichen des Hospizvereins keineswegs von allen Fraktionen im Kreistag bekamen. Ihr Hospiz-Projekt war lange Zeit umstritten. Viele trauten ihnen nicht zu, genügend Geld zusammenzubekommen, um das Zwölf-Betten-Haus zu bauen. Am Ende klappte es doch. Mittlerweile stellt der Landkreis jedes Jahr eine feste Summe für das Hospiz zur Verfügung. Zehn Prozent der Kosten muss das Sterbehaus allerdings aus eigener Kraft aufbringen, dafür sind Spender dringend nötig.

„Ich bin von der Arbeit, die hier geleistet wird, tief beeindruckt“, sagt Nancy Faeser. Das Handy der SPD-Politikerin war während der Stunden im Hospiz ausgeschaltet. „Meine politische Arbeit bleibt heute draußen“, sagte Faeser. Sie wolle sich voll und ganz auf die Begegnung mit den schwer kranken Menschen einstellen.

Mit den Hospizhelferinnen ging Faeser von Zimmer zu Zimmer, zeigte sich beeindruckt von der Anteilnahme und dem Engagement der Ehrenamtlichen; war, wie sie später erzählte, tief berührt von der Begegnung mit einer noch sehr jungen Frau, die momentan im Flörsheimer Hospiz wohnt. Sie habe jedoch auch erfahren, dass viel Fröhlichkeit in dem Haus herrsche, in dem die allermeisten Menschen die letzten Tage ihres Lebens verbringen, sagte Faeser. „Es wird hier auch oft und herzlich gelacht.“ Ab und an komme es auch vor, dass jemand das Hospiz wieder verlasse, weil er sich so gut erholt hat, dass er wieder nach Hause kann, sagt Christa Hofmann.

Das Hospiz Lebensbrücke ist zum Vorzeigeprojekt in Hessen geworden. Viele Menschen kommen auch von weiter her, um sich das Haus anzuschauen. Die Nachfrage nach Plätzen ist groß. Es gibt eine Warteliste für Aufnahmen. „Wir sind mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagt Christa Hofmann.

Dieses Ankommen symbolisiert auch eine Ausstellung, die zurzeit im Eingangsfoyer des Flörsheimer Hospizes zu sehen ist. Annette Müller und Helmut Vogel zeigen Fotografien zum Thema „Zuflucht“. Es sind Bilder ohne Titel. Jeder Betrachter solle seine eigenen Interpretationen und Vorstellungen damit verbinden, sagen die beiden passionierten Fotografen, die sich schon seit einiger Zeit für den Hospizgedanken engagieren. Zu sehen waren ihre Bilder auch schon in einem Hopiz in Bensheim.

Die Ausstellung „Zuflucht“ mit Fotografien von Annette Müller und Helmut Vogel läuft bis Juni im Hospiz Lebensbrücke in Flörsheim, Dalbergstraße 2a. Sie kann jederzeit besichtigt werden.

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