Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Erwin Pleines kann seine Tiere nicht mehr versorgen. Für zwei Steinadler und einen Uhu sucht er dringend eine Bleibe.
+
Erwin Pleines kann seine Tiere nicht mehr versorgen. Für zwei Steinadler und einen Uhu sucht er dringend eine Bleibe.

Tierschutzpreis

Ein Leben für Greifvögel

Erwin Pleines gibt seine Vogelwarte auf. Er erhält den Tierschutzpreis für sein Lebenswerk.

Von Oliver Heil

Erwin Pleines’ letzter Gast hat sich noch nicht entschieden. Seit drei Tagen steht die Tür zu seiner Voliere offen. Er könnte sich jederzeit selbst in die Freiheit entlassen. Aber er hat es noch nicht getan. Entweder weil er noch gar nicht gemerkt hat, dass er raus kann. Oder weil er es gerne bequem hat.

Der Mäusebussard ist der letzte von 1750 Greifvögeln, die Erwin Pleines hier aufgepäppelt hat. 44 Jahre lang hat sich der Künstler, Schreiner und Möbelhaus-Besitzer um verletzte oder in Gefangenschaft misshandelte Raubvögel gekümmert. Aus hundert Kilometern im Umkreis um Eppstein kamen die Menschen und brachten ihm verletzte Tiere. Eulen, die in Schornsteine gefallen waren, Bussarde, die mit Autos zusammengestoßen waren, angeschossene Falken.

Doch jetzt ist Schluss. Erwin Pleines ist 75 Jahre alt und kann nicht mehr. Das Laufen fällt ihm schon seit einer Hüftoperation vor anderthalb Jahren schwer, in letzter Zeit geht es gar nicht mehr richtig. Die schöne Hanglage seines Grundstücks ist für ihn zum Problem geworden. Gerade noch rechtzeitig bevor er ganz aufhört, bekommt Erwin Pleines am 27.?November im Wiesbadener Umweltministerium den Hessischen Tierschutzpreis verliehen, für sein Lebenswerk.

Es ist eine Anerkennung für über vier Jahrzehnte, in denen sich der Mann, der bis vor einem Jahr ein bekanntes Kelkheimer Möbelhaus geführt hat, für die Vögel eingesetzt hat, für die es nur wenige Anlaufstellen gibt. Weil sie als gefährlich gelten, weil sie auch gefährlich sein können und weil sie nicht ganz einfach zu halten sind. Drei Tiefkühltruhen mit Vogelfutter liefen ständig, jeden Tag nach der Arbeit machte Pleines seine Runde. So eine Fütterung konnte in ein paar Minuten erledigt sein, erzählt er. Doch wenn Jungvögel da waren, die nicht fressen wollten, konnte es leicht eine Stunde dauern. Dazu kamen Hunderte Besuche bei Tierärzten.

Freude über den Tierschutzpreis

„Das frage ich mich auch“, antwortet er auf die Frage, wie er das alles finanziert hat. Der Löwenanteil stammte aus dem Einkommen, das er mit seinem Möbelhaus und dem Innenausbau von Wohnungen erwirtschaftet hat. Spenden steckte er vor allem in die Volieren, die er immer selbst gebaut und instandgehalten hat. In jeder Ecke des Grundstücks stehen welche. Die meisten sind jetzt verwaist.

Von den gesundheitlichen Problemen von Erwin Pleines sind drei Vögel besonders betroffen. Ein Uhu und zwei Steinadler, die keine Gäste sind, sondern hier schon viele Jahre leben und nicht ausgewildert werden können. Pleines sucht zurzeit fieberhaft nach einer neuen Bleibe für die drei Tiere. Der Adler, der von einem aufgerichteten Baumstamm herunter, mit hochgerecktem Kopf und gehobenem Schnabel das baumbestandene und jetzt laubbedeckte Grundstück am Hang überblickt, scheint davon noch nichts zu ahnen.

Dass er jetzt den Tierschutzpreis bekommt, findet Erwin Pleines gut, er wird ihn am 27. November natürlich persönlich entgegennehmen. Aber, sagt er und seine Augen leuchten, das sei unbedeutend im Vergleich zu dem Gefühl, das sich einstelle, wenn er einen gesund gepflegten Vogel in die Freiheit entlassen kann.

Der majestätische Mäusebussard, Erwin Pleines’ letzter Gast, ist schon seit einiger Zeit wieder gesund. Und er hat sich längst nicht so sehr an Menschen gewöhnt, dass er in Freiheit eine Gefahr darstellen würde. Das merkt man an seinem Verhalten, wenn er Fremde bemerkt. Erwin Pleines’ letzter Gast flattert dann aufgeregt hin und her, hüpft von einem künstlichen Ast der Voliere auf einen kleinen Laubbaum, fällt fast herunter, springt gegen den Drahtverhau. Bald wird er sich dazu durchringen, auf seine tägliche Ration kostenloser Eintagsküken zu verzichten, die offene Tür finden und auf eigene Verantwortung dem Winter entgegenfliegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare