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Leben am Goldrand

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Sparkassen-Chef Hans-Dieter Homberg über die Wirtschaftsregion Taunus und hochmütige Großbanken

Hans-Dieter Homberg wird am 24. Dezember 65 Jahre alt. Von Ruhestand ist bei ihm aber vorerst noch nicht die Rede, sondern Homberg bleibt noch ein Jahr lang Vorstandschef der Taunus Sparkasse; dem Vorstandsgremium gehört er im kommenden Jahr 25 Jahre an. Seit 1999 ist der gebürtige Dürener Chef des Finanzinstituts. Im FR-Interview spricht Homberg über die starke Wirtschaftsregion Hochtaunus, hochmütige Großbanken und ärgerliche Ratingagenturen.

Herr Homberg, über den Hochtaunuskreis hört man fast überall wirtschaftliche Lobeshymnen. Stimmen Sie in dieses Jubelkonzert mit ein?

Ich kann es wohl so sagen: Wir leben in einer goldgeränderten Region. Wir sind Spitzenklasse bei den Einkommen und haben eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass wir als bundesweit erste Sparkasse bereits vor mehr als zwölf Jahren eine Private-Banking-Abteilung ins Leben gerufen haben.

Wie darf man sich das praktisch vorstellen?

Wir wollen vermögenden Privatkunden oder auch den Geschäftsführern der Firmen, die wir betreuen, eine individuelle Vermögensbetreuung bieten. Aber Private Banking ist natürlich nicht unser Kerngeschäft, sondern eher das Sahnehäubchen bei all unseren Aktivitäten.

In welche Anlagen wollen Ihre Privatkunden denn momentan investieren?

Zurzeit sind kurzfristige Geldanlagen gefragt und andere sichere Werte, zum Beispiel Gold. Von Aktien lassen unsere Kunden weitestgehend die Finger, die sind ihnen zu volatil. Natürlich gibt es auch Finanzprodukte, die wir unseren Anlegern nicht anbieten. Dazu gehören zum Beispiel Rohstoff-Kontrakte, die Einfluss auf die Preisbildung bei Nahrungsmitteln haben.

Zurück zur Realwirtschaft. Was zeichnet diese im Hochtaunuskreis aus?

Es gibt bei uns eine ausgewogene Unternehmensstruktur. Großunternehmen, wie zum Beispiel Opel, von denen eine Region sehr abhängig ist, findet man bei uns nicht. Wir haben eine vielseitige Branchenstruktur. Dabei hat das produzierende Gewerbe neben der Dienstleistungsbranche eine Treiberfunktion übernommen und nicht die sogenannten Blaupausen-Produzenten.

Von Wirtschaftskrise ist im Hochtaunuskreis also nichts zu spüren?

Aktuell sehe ich dafür keine Anzeichen. Die Unternehmen haben in der Krise 2008/2009 gut gewirtschaftet und ihre Arbeitskräfte auch mithilfe der Kurzarbeit gehalten. So waren sie für den jetzigen Aufschwung gut gewappnet. Ein Indiz, das für die gute Situation der Unternehmen spricht, ist deren Eigenkapitalquote, die sich auf einem sehr hohen Niveau befindet.

Ist der Aufschwung auch bei den Kommunen und dem Kreis angekommen?

Nein, diese haben vom Aufschwung durch höhere Steuereinnahmen bislang nicht profitiert. Im Gegenteil. Die Kommunen und der Kreis bekommen immer mehr Aufgaben von Bund und Land zugeteilt, die sie finanziell nicht stemmen können. Sie sind deshalb gezwungen Kassenkredite aufzunehmen, um ihre Ausgaben bewältigen zu können.

Aber Kredite zu vergeben, ist doch Ihr Job?

In der Tat. In dieser Hinsicht sind wir auch die kundenaktivste Bank in der Region. Unsere rund 200000 Kunden erreichen ein Einlagevolumen von 2,9 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite beträgt unser Kreditvolumen 3,1 Milliarden Euro. Das Kreditwachstum liegt in diesem Jahr bei über vier Prozent. Sie sehen: Wir haben großes Interesse daran, Kredite zu vergeben.

Wie erklären Sie sich dann das schlechte Image der Banker?

Die Geschäftsmodelle konnten Krisen nicht verhindern. Der Bürger hat den Eindruck, er muss für die Banken indirekt haften. Dadurch ist das Image katastrophal. Ich bin deshalb froh, dass ich mich bei öffentlichen Veranstaltungen immer als Sparkässler bekennen kann und nicht als Banker.

Was haben die großen Banken falsch gemacht?

Mich hat immer der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, beeindruckt, der die Frage stellte: Was tun wir für die Gesellschaft? Für viele Großbanken gehört diese Fragestellung nicht mehr zum Repertoire. Die Erhöhung der Eigenkapitalverzinsung steht für diese im Vordergrund. Geärgert hat mich auch, dass eine deutsGroßbank gegen die Sparkassen vor einigen Jahren vor der EU gewettert hat, sich aber selbst in der Finanzkrise nicht zu schade war, um Staatshilfe zu bitten.

Sollten große Banken deshalb besser verstaatlicht werden, um Unheil vom Steuerzahler abzuwenden?

Meiner Ansicht nach nicht. Verstaatlichungen sind teuer – siehe die fehlende Verzinsung bei der Commerzbank – und nicht marktwirtschaftlich. Besser wäre es, wenn es Regularien gäbe, mit denen auch größere Privatbanken – nicht nur Landesbanken wie die WestLB – abgewickelt werden könnten.

… und die Taunus Sparkasse?

Wir wollen mehr sein als eine Bank. Deshalb setzen wir auf gesellschaftliches Engagement. So fördern wir zum Beispiel von der Kultur über das Soziale bis hin zum Sport viele Institutionen und Vereine im und am Taunus. Wir haben Bodenhaftung, und wir wollen Mehrwerte für unsere Kunden schaffen. Und als Vorstandsvorsitzender möchte ich nicht nur die besonders vermögenden Sparkassenkunden treffen, sondern auch unsere ganz normalen Kunden.

Sind Sie auch froh, dass Ihr Institut noch keinen Kontakt mit einer der gefürchteten Ratingagenturen hatte?

Nein, ich glaube, das wäre zu viel der Ehre. Aber Spaß beiseite. Ich finde, es wird höchste Zeit, dass wir eine europäische Ratingagentur ins Leben rufen. Wir sollten uns nicht von den drei US-amerikanischen Agenturen abhängig machen, deren Eigentümerstrukturen in zwei Fällen nahezu identisch sind. Würde es auf diesem Ratingmarkt nämlich fair zugehen, hätten die USA mit ihren Billionenschulden schon längst abgestuft werden müssen.

Das Interview führte Dieter Hintermeier

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