Sascha Schickler möchte, dass Kinder wieder einsteigen.
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Sascha Schickler möchte, dass Kinder wieder einsteigen.

Oberursel

Das Leben dreht sich um Karussells

  • vonAlexander Schneider
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Eine Schaustellerfamilie kämpft wegen Corona um die Zukunft. Die Stadt Oberursel sucht nach einer Lösung.

Die Wirtschaft fasst nach dem Corona-Shutdown allmählich wieder Fuß – jedenfalls in Teilen. Es gibt aber auch Branchen, die noch immer nicht abschätzen können, wie und ob sie die Krise überhaupt überleben. So geht es auch Sascha und Nadine Schickler. Die beiden sind Schausteller, schon in fünfter Generation.

Sascha Schicklers Sorge, dass die Corona-Krise der Familientradition ein jähes Ende bereiten könnte, ist groß, zumal die sechste Generation gewissermaßen schon in den Startlöchern steht und dem Familienunternehmen eigentlich eine gute Zukunft bevorzustehen schien. Die Schicklers betreiben Kinderkarussells, um die sich Sascha Schickler kümmert. Sie seien sein Leben, sagt er, auf ihnen ist er groß geworden. „Es gibt nichts Schöneres“, schwärmt er.

Das 14. Karussell, hochmodern und von einem extrem sparsamen Elektromotor angetrieben, ist inzwischen in Betrieb. Es wurde in Tschechien gebaut, ein Vorführgerät, es kostete aber auch noch 50 000 Euro.

Seit ein paar Jahren gibt es auch einen Crêpes-Stand mit französischem Flair. Er ist hauptsächlich Nadine Schicklers Domäne, selbst ihr Teig ist hausgemacht.

Kaum Andrang

Doch seit Monaten herrscht kaum Andrang an ihrem Stand, und die Karussells der Schicklers stehen so gut wie still. „Unser letzter Spieltag war am Bad Homburger Weihnachtsmarkt, danach hatten wir noch einmal an Fasching aufgebaut, das wurde aber wegen Sturms abgeblasen, und dann war Ebbe“, erzählt Schickler im Oberurseler Sommergarten. Dort durften die Schausteller mit der Hilfe von Sommergartenbetreiber Oliver Böttgen ihr Karussell und den Crêpes-Stand aufbauen.

So kann das krisengebeutelte Paar wenigstens einen kleinen Teil der trotz Stillstands weiterlaufenden Kosten decken. Etwas mehr Entgegenkommen hätte sich Schickler aber auch von anderer Seite erhofft – seine Bank hat es abgelehnt, die Raten für das erst im vorigen Jahr gekaufte Karussell wenigstens für ein paar Monate auszusetzen: „Nichts zu machen, der Kredit lief dafür noch nicht lange genug“, sagt er. „Aber wir geben nicht auf. Wenigstens gab es etwas Geld als Soforthilfe vom Staat, das hat uns zwei, drei Monate weitergeholfen“, sagt er. Auch in die Stadt Oberursel setzt er seine Hoffnung.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) ist bewusst, wie prekär die Situation gerade auch für das Schaustellergewerbe ist. „Wenn ich aber einem helfe, muss ich auch den anderen helfen, die ihre Fahrgeschäfte ebenso gerne irgendwo in der Stadt aufstellen möchten“, sagt Brum und verweist auf den Grundsatz der Gleichbehandlung. „Wir haben in Oberursel mehrere Schausteller, die alle mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben wie die Familie Schickler.“

Rathaus arbeitet an einer Lösung

Gleichwohl werde im Rathaus an einer Lösung gearbeitet. Er stehe dazu mit seinen Wirtschaftsförderern in engem Kontakt. Man ziehe etwa in Betracht, den Rathausvorplatz auch unter Einbeziehung der Oberurseler Gastronomen zu nutzen. Gedacht werde aber auch an eine Art Wanderkerb durch die Stadtteile.

„Wir wissen nicht, wie und ob es überhaupt weitergeht. Sollten jetzt auch noch die Weihnachtsmärkte wegen Corona abgesagt werden, dann wird’s wirklich zappenduster“, meint Schickler. Fast schon trotzig fügt er hinzu: „Irgendwie werde ich meine Familie ernähren, und wenn ich Lastwagen fahre.“

Für die Schaustellertradition der Familie wäre das aber der Super-GAU. Sascha Schickler hat zwar Automechaniker gelernt, aber nur, damit er beim Reparieren der Karussells nicht für jeden Handgriff einen Profi braucht. Etwas anderes als Schaustellerei kam für ihn, dessen Vater, Groß-, Ur- und Ururgroßvater bereits auf Rummelplätzen daheim waren, nie infrage. Es ging stets nur um Kinderkarussells. „Autoscooter oder Riesenrad waren nie mein Ziel“, sagt er. „Kindern auf dem Rummelplatz Freude zu bereiten, macht viel mehr Spaß.“

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