Oberursel

Lastwagen sollen raus aus der Altstadt

Anwohnerinnen und Anwohner in Oberursel setzen sich für Verkehrsberuhigung in der Altstadt ein.

Wir wollen sicher spielen“ – diese Forderung, in bunten Lettern auf ein weißes Laken gemalt, hängt an einem Zaun in der Oberurseler Altstadt, genauer gesagt an jenem Knoten, an dem sich die kopfsteingepflasterten Gässchen An der Herrenmühle, Obergasse und An der Burg kreuzen.

„Wir wollen, dass die Autos hier langsamer fahren“, sagt Linus (9). Genau wie die Geschwister Lilian (7) und Callum (10) wohnt er in der Altstadt und hat bei der Gestaltung des Transparents geholfen. „Die Autos stören uns, wenn wir hier spielen wollen“, ergänzt Lilian.

Die Forderung der Kinder teilen auch viele Erwachsene. Anwohnerin Zarifa Huber-Petersen hat sich mit der Nachbarschaft zusammengetan: Gemeinsam sammeln sie nun Unterschriften. „Fast 40 haben wir schon“, sagt Huber-Petersen und zeigt eine Liste.

Per Petition wollen sich die Anwohner Gehör verschaffen – das Anliegen betreffe die gesamte Altstadt, betont die Initiatorin. „Wir fordern ein Lkw-Fahrverbot, Anwohnerparken, verstärkte Kontrollen und die Durchsetzung der bestehenden Regelungen“, zählt Huber-Petersen auf. Außerdem solle die gesamte Altstadt zum verkehrsberuhigten Bereich werden. Bei ihr vor der Haustür ist das schon der Fall – allein: Kaum jemand halte sich an die Schrittgeschwindigkeit.

Und das hat Folgen: „Hier ist es gefährlich. Auch für Ältere mit Rollator oder Menschen mit Einschränkung, die gar nicht so schnell reagieren können, wenn ein Auto angerast kommt“, sorgt sich Huber-Petersen. Ihre beiden Enkel im Kindergartenalter lässt sie alleine nicht vors Haus. „Man muss immer dabeisitzen, wenn sie hier spielen.“ Das hat lange Zeit auch Ulrike Ringrose so gemacht, die Mutter von Lilian und Callum. Das Schild an der Ecke Schulstraße/Marienstraße, das auf den verkehrsberuhigten Bereich hinweise, sei viel zu klein. „Das ist DIN-A4, das sieht man gar nicht“, bemängelt die Ober-urselerin, die wie Huber-Petersen und Ehemann Mark Huber mit ihrer Familie direkt an der Kreuzung lebt.

Die Probleme ließen sich aber nicht ausschließlich auf die Beschilderung zurückführen, wie Ringrose tagtäglich beobachtet: „Wo man in der Altstadt auch hingeht: Die verkehrsberuhigten Bereiche interessieren keinen.“ Sie kenne viele Familien, die den Nachwuchs nicht mehr vor der Tür spielen ließen.

Die Missstände bestünden schon lange – im Corona-Sommer aber seien sie besonders aufgefallen, etwa der viele Durchgangsverkehr. Den wüssten die Altstadtbewohner am liebsten verbannt. „So etwas merkt man eben mehr, wenn sich das Leben auf der Straße abspielt. Das ist Lebensqualität, die man einbüßt.“ Sie selbst, so Ringrose, habe kein Auto. „Uns geht es einfach nur darum, dass die Kinder hier in Ruhe spielen können.“ Dafür müsse nicht zuletzt die Stadt mehr kontrollieren. „Hier muss geblitzt werden oder man installiert Geschwindigkeitsmessgeräte.“ Die zeigten den Verkehrsteilnehmern per Smiley an, ob sie zu schnell seien. Auch das Werk der Kinder habe bereits Wirkung gezeigt – zumindest „haben schon viele angehalten und geguckt“.

Der Durchgangsverkehr müsse gar nicht sein, schließt sich Nachbarin Soeun Bae an, die seit einem knappen halben Jahr in der Altstadt lebt. „Es gibt keinen Grund hier durchzufahren, die Leute können doch die Altkönigstraße nutzen“, meint Bae. „Jeder muss die Regeln befolgen. Und wir können die Straßen noch besser machen, für die Kinder, die Nachbarschaft, für unsere Katze, für alle“, plädiert Andrew Goldie. Die Anwohner selbst würden meist langsam fahren. Auf motorisierte Mütter, die ihren Nachwuchs am Kinderland St. Ursula abholten, treffe das leider selten zu, klagen die Anwohner.

Auch Birgitt Zielinski, die Nachbarin der Hubers, kann von den Verkehrssünden ein Lied singen, für die längst nicht nur Autofahrer verantwortlich seien: „Letztens hätte mich fast ein Radfahrer mitgenommen.“ Vor allem E-Bikes, berichtet Zielinski, düsten mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Gassen. Aber auch der Schwerlastverkehr treibt ihr regelmäßig den Angstschweiß auf die Stirn. Sogar Sattelschlepper versuchten sich vorbeizuquetschen. „Meine Treppe haben sie mir schon kaputtgefahren und im Keller bröselt es. Das ganze Gewicht geht aufs Haus.“

Zarifa Huber-Petersen und ihre Mitstreiterinnen wollen noch bis Ende des Monats Unterstützende gewinnen. Dann will die Initiatorin die Liste im Rathaus abgeben.

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