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Landgrafen unter sich

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Die Landgrafen von Hessen-Homburg sind auf Portraitbildern zu sehen.
Die Landgrafen von Hessen-Homburg sind auf Portraitbildern zu sehen. © Monika Müller

Im Bad Homburger Schloss gibt es speziell für Kinder eine Entdeckungstour. Eher für Erwachsene ist die Gruft der Schlosskirche geeignet.

Von Stefan Höhle und Götz Nawroth

Das Besitztum Hessen-Homburg erlebte eine bewegte Geschichte. Immer wieder wird die auch bei Veranstaltungen der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten im Bad Homburger Schloss zum Schwerpunkt gemacht. Am 7. April widmet sich erstmals auch eine Veranstaltung für Kinder spielerisch dem Thema. Für die jungen Teilnehmer ab 10 Jahren gilt es, eine Entdeckungstour im Schloss und dem umgebenden Gelände zu absolvieren, wie die Museumspädagogin Britta Reimann erklärt. „Die Kinder lernen, gewissermaßen ohne es zu merken, und haben Spaß dabei“, betont Reimann. Sie können einen Fragebogen ausfüllen, Requisiten entdecken oder einen Kriminalfall lösen. Geplant ist, dass das fortan ein wiederkehrender Punkt im Programm sein wird. Auch der Englische Flügel des Schlosses dürfte seinen Reiz ausüben – residierte hier doch schließlich mit Prinzessin Elisabeth von Großbritannien und Irland eine waschechte Prinzessin. Sie war die Gemahlin des Landgrafen Friedrich VI.

Eher für Erwachsene ist die Gruft der Schlosskirche geeignet. Sie öffnet nur zu besonderen Anlässen, zuletzt am vergangenen Wochenende. Die Krypta beherbergt 77 Särge mit den Überresten der Familienmitglieder des Herrschergeschlechts. Die mal üppig verzierten, mal schmucklosen Holzsärge, von denen einige mit Zink, fünf sogar mit Samt verkleidet sind, veranschaulichen die jeweilige Kassenlage der darin Aufbewahrten. „Wer drin liegt, musste sein Behältnis noch zu Lebzeiten bezahlen“, erklärt Walter Skarka, der gelegentlich Besucher durch die Gruft führt. Was der 75-Jährige bei einem erhaschten Blick in einen Sarg sah? „Knochen, Augenbrauen, ansonsten Kleidung und Insignien“, zählt Skarka auf.

Materiell zumindest teilweise erfüllt sich damit auch in der Schlossgruft das Ansinnen vieler Adliger, nicht wie erdvergrabene Gewöhnliche in den Kreislauf des Werdens und Vergehens einzutreten. Ihren Herrscheranspruch vermittelnd, wollten so auch kleine Dynastien demonstrieren, dass Gott mit ihren Mitgliedern Besonderes vorhat. Auch wenn es beim ersten Landgraf Hessen-Homburgs, Friedrich I. (1585–1638), am Ende doch wieder nur zu einem Zinksarg reichte, der gleich am Eingang der Gruft aufbewahrt ist.

Diesem Friedrich fiel 1622 die Landgrafschaft Hessen-Homburg zu, weil sein Vater, der über das weit mächtigere Hessen-Darmstadt herrschte, die Apanage an seinen Filius nicht weiter zahlen konnte und daher das Amt Homburg aus seinem Besitz herauslöste und dem Sohn übergab. Immerhin starb Friedrich noch als kompletter Landgraf, sein Nachfolger Wilhelm (1625–1681) überlässt sein Herrschererbe für einen Batzen Gulden später seinem Bruder Christian (1626–1677), der die Landgrafschaft 1671 dann gleich an zwei Frankfurter Kaufleute veräußert.

Insolvenzverschleppung – die vermeintlich von Gott eingesetzten Herrscher machten stets ihren Schnitt – gab es also bereits damals. Was das finanzielle Überleben der Homburger Herrscherfamilie nur teilweise erklärt, denn sie mussten nach den Verpfändungszeiten ja wieder in Besitz ihrer Landgrafschaft kommen. Neben dem Konkurs ohne persönliche Insolvenz greift hier ein zweites Instrument: die Heirat mit einer reichen Frau. Friedrich II. (1633–1708), bekannt als Prinz von Homburg, gelang der Volltreffer – durch die Vermählung mit der Kurfürstennichte Louise, nachdem schon seine erste Gattin eine für ihn erfreuliche Entwicklung eingeleitet hatte.

Finanzielle Sorgen

Der Prinz von Homburg konnte seinen Besitz dann kreditfrei stellen und baute das Schloss. Doch schon seinem Sohn überließ er erneut Schulden, weshalb Friedrich III. (1673–1746) wieder die Ferne vorzog und sich in den Niederlanden als Gouverneur versuchte. Alle Protagonisten ruhen in der Gruft. Als letzter Landgraf zog Ferdinand (1783–1866) hier ein, der schon bei Beginn seiner Regentschaft 1848 wusste, dass mangels Nachwuchs die Linie aussterben würde.

Ein Wochenende lang ermunterte die Porträtschau und die geöffnete Gruft alle Besucher, einen familiären und doch kritischen Blick auf die Dynastie zu werfen, die im Taunus herrschte. Anlass war der Tod des letzten Landgrafen Ferdinand, der 150 Jahre zurück liegt. Der Ausstellungsprospekt zieht ein Fazit. „Hessen-Homburg“, heißt es, bleibe „ein kleiner Spielstein innerhalb des europäischen Machtgefüges“.

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