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Lächelnd im Mondlicht nach Hause

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Bariton Thomas Möller-Arnstadt singt das Solo, während Susanne Rohn   im Schlosshof Orchester und Chöre dirigiert.
Bariton Thomas Möller-Arnstadt singt das Solo, während Susanne Rohn im Schlosshof Orchester und Chöre dirigiert. © Michael Schick

Für die mehr als 200 Sängerinnen und Sänger ist es ein Erlebnis gemeinsam die berühmteste Komposition von Carl Orff aufzuführen. Als die Stimmen zum „O Fortuna“ einsetzen, legt sich die Abendsonne über den Schlosshof und sorgt für eine zauberhafte Stimmung.

Von Dagmar Scherf

In der „Taberna“ schwiegen die weiblichen Stimmen. Dafür agierten sie im „Liebeshof“ umso lebhafter. Eine Herausforderung waren die „Carmina Burana“ aber für alle mehr als 200 Sängerinnen und Sänger, die am Mittwoch und Donnerstagabend diese berühmteste Komposition von Carl Orff (1895-1982) aufführten.

Begleitet von der Sinfonietta Frankfurt und dem Offenbacher Kammerorchester und unterstützt vom Chor des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums sowie dem Chor der Humboldtschule, gestaltete der Bachchor der Erlöserkirche unter der Leitung von Susanne Rohn zwei begeisternde Konzerte.

Musste die Aufführung am Mittwoch wetterbedingt in der Erlöserkirche stattfinden, in die beim besten Willen nicht mehr als 900 Menschen hineinpassen, so konnten am Donnerstag mehr als 1000 Zuhörer dem mittelalterlichen Reigen aus Frühlings-, Trink- und Liebesliedern im Abendlicht des Schlosshofs lauschen. Manche Dame hatte, dezent unter dem Arm gerollt, zum Open-Air-Konzert vorsichtshalber eine Wolldecke mitgebracht. Die diente dann aber meist nur als Sitzunterlage.

Zunächst spielten die beiden Orchester unter Susanne Rohns lebhafter Leitung die „Somerset Rhapsody“ von Gustav Holst (1874-1934). Der englische Komponist verarbeitet dort auf polyphone Weise englische Volkslieder. Die bukolische Grundstimmung dieses Stücks passte sehr gut als Vorspiel zu Carl Orff. Als dann die „Carmina Burana“ mit dem wuchtig-pathetischen „O Fortuna“ einsetzten, begann sich eine ungewöhnliche, beinahe zauberhaft zu nennende Stimmung in dem von der Abendsonne beschienenen Schlosshof auszubreiten. Eine Stunde lang lauschten 1000 Menschen konzentriert der Musik. Kein Flugzeuglärm, kein Martinshorn störte.

Eine besondere Leistung boten die Männerstimmen, die die Trinklieder „In Taberna“ mit großer Inbrunst alleine sangen. Die beiden Orchester agierten eindrucksvoll und technisch perfekt – wobei Orff den Blech- und Holzbläsern sowie den Schlaginstrumenten ungewöhnlich viel zu tun gibt.

Beeindruckend war auch, mit welcher Hingabe und zarten Naivität die Jugendlichen der beiden Schulchöre im „Cour d“amours“ die Gesänge der Abteilung „Liebeshof“ meisterten.

Viele der Zuhörer, die sich durch die Schlosstore hindurch auf den Heimweg machten, trugen noch ein Lächeln auf den Lippen. Und am Himmel ging der fast volle Mond auf.

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