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Kunst in der Wunderkammer

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In der Aula führen die Kinder vor, was sie erarbeitet haben.
In der Aula führen die Kinder vor, was sie erarbeitet haben. © Martin Weis

„Kunstgewächse“ ist der Titel des diesjährigen KulturTagJahres, einer Kooperation zwischen Altana-Stiftung, Hölderlin-Schule und dem hessischen Kultusministerium. Seit sechs Jahren besteht die Zusammenarbeit.

Von Nina Nickoll

In den Kunst- und Wunderkammern im Europa des 16. Jahrhunderts geht es wuselig zu: Kleine und große Schaukästen, manchmal ganze Räume sind vollgestellt mit gesammelten Muscheln, getrockneten Seepferdchen, Münzen, Schriften, Gemälden und vielem mehr. Diese Kammern waren die Vorläufer heutiger Museen.

Der vierte Stock der Hölderlin-Grundschule hat sich nun auch in solch eine Wunderkammer verwandelt: Blätter von Bäumen sind mit Farbe auf Papier gedruckt, daneben stehen Gedichte über goldenen Buchen, eingerahmt von Wasserfarbenbildern, Mini-Wunderkammern sind mit Holz, Blättern, Ästen, Wattebauschen und dadaistischer Lautpoesie gefüllt.

„Kunstgewächse“ ist der Titel des diesjährigen KulturTagJahres, einer Kooperation zwischen Altana-Stiftung, Hölderlin-Schule und dem hessischen Kultusministerium. Seit sechs Jahren besteht die Zusammenarbeit.

In den Wunderkammern ist es eher leise, das viele Grün im Raum hat etwas Beruhigendes. In der Aula präsentierten die 80 Schülerinnen und Schüler, die an dem Projekt teilnehmen, am Wochenende auch eine Tanz- und Musikchoreographie.

Trommelschläge, Kinder klatschen und formen ein „Schhhhh“ mit dem Mund. Die andere Hälfte der Gruppe rappt über Schokoladeneis und Spaghetti. Komponist Volker Straub und Schlagzeuger Axel Schrepfer geben den Takt vor. Fast alle Stücke haben die Kinder selbst komponiert, die Instrumente haben sie sich ausgesucht oder eigene mitgebracht.

Tänzerin und Choreographin Kristina Veit hat den Kindern seit November zeitgenössischen Tanz nähergebracht. „Für mich ist das eine tolle Erfahrung, weil die Kinder sich ganz darauf einlassen können“, sagt Veit, die wie Straub zum dritten Mal im Projekt mitarbeitet. Ihr ist wichtig, dass die Kinder ihren eigenen Körper entdecken. So gewinnen Kinder, die sonst den Stempel „unsportlich“ aufgedrückt bekommen, viel Selbstbewusstsein.

Diesen positiven Effekt hebt auch Schulleiterin Heide Fuhrmann hervor: „Auch Kinder mit schwierigen Biografien sammeln in der Gruppenarbeit Erfolgserlebnisse, verfolgen ein gemeinsames Ziel.“ Friederike Schönhuth, Leiterin des Bildungsprogramms der Altana-Stiftung, sagt, dass die Grundschüler sich die Kunst zu eigen machten, weshalb das Ergebnis immer sehr authentisch sei. „Das Ziel ist es, dass die Kinder Kunst kennenlernen – Weiterkommen oder Scheitern ist Teil davon.“

Seit Projektbeginn im August waren die Kinder oft im Schlosspark. Die Frühblüher werden in den kommenden Wochen durch die Erde brechen, dabei beobachten die Schüler sie und verwandeln sie in KunstGewächse. Auch Ausstellungsbesuche im Sinclair-Haus sind Teil der Projektkooperation. Die ausgestopften Tiere in der Schau „Ästhetik der Natur“ haben es den Kindern besonders angetan.

Ein Mini-Mischpult steht ebenfalls in der Wunderkammer. „Damit bedient man vier MP3-Player, bei jedem läuft die Musik, die vier Musikgruppen erarbeitet haben, in einer Schleife“, sagt Benjamin Weil von der Altana-Stiftung. Die Kinder könnten selbst entscheiden, welcher Regler lauter und welcher leiser gestellt werden solle. Ein großes Publikum kann das Projekt für alle Sinne am Samstag, 8. Juni , bestaunen.

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