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Die Kugel rollt für den Kurpark

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Die Jetons bleiben auch nach dem Wechsel dieselben.
Die Jetons bleiben auch nach dem Wechsel dieselben. © dpa

Die städtische François-Blanc-GmbH übernimmt das Casino. Der vorherige Konzessionär verlängerte seinen Vertrag für "die Mutter von Monte Carlo" mit der Kommune nicht mehr.

Von Martina Propson-Hauck

Den Spielern, die am 1. Januar ab 15 Uhr im Casino im Kurpark ihr Neujahrsglück am Roulettetisch suchten, ist vermutlich nicht aufgefallen, dass sich etwas geändert hat. Höchstens, dass sie an Silvester nicht spielen konnten, denn da hatte „die Mutter von Monte Carlo“ ausnahmsweise geschlossen.

Inventur in der Spielbank. Nicht unbedingt zum Geld zählen, aber um eine Art Zäsur für den Übergang zu schaffen: Seit dem Neujahrstag ist Werner Wicker nicht mehr Konzessionär der traditionsreichen Bad Homburger Spielbank, sondern die François-Blanc-Spielbank GmbH. Die Gesellschaft ist eine Tochter der Kur- und Kongress GmbH, diese wiederum ist eine Tochter der Stadt.

Die Tradition erhalten

Im Enkelbetrieb geht zunächst alles seinen gewohnten Gang. „Wir planen durchaus einige Veränderungen, die werden wir aber frühestens im Frühjahr oder Sommer realisieren“, sagt Kurdirektor Ralf Wolter. Er teilt sich die Geschäftsführung der neuen Gesellschaft mit Lutz Schenkel (51), der bereits zum 1. Oktober als Spielbetriebsdirektor eingestellt worden ist und für das eigentliche Casinogeschäft verantwortlich zeichnet.

Lutz Schenkel ist gelernter Bankkaufmann und war zuvor Leiter des Casinos Schenefeld bei Hamburg. Er hat seine berufliche Liebe zum Spielcasino 1986 bei der Westdeutschen Spielbanken GmbH entdeckt, es folgten Stationen in Dänemark und Berlin.

Wicker, der in Bad Homburg und anderen Städten Kliniken, Hotels und Thermen betreibt, hat sich nicht mehr für eine Verlängerung seiner Konzession beworben. Er bleibt aber Konzessionär der Spielbank von Bad Mondorf in Luxemburg.

Die Stadt hat sich trotz sinkender Bruttospielerlöse um die Konzession bemüht, weil sie die Tradition des Bad Homburger Spielbetriebs erhalten will, der eine Grundlage der Attraktivität des Kurbades war und Wohlstand brachte: Am 23. Mai 1841 rollte zum ersten Mal im Brunnensälchen – in dem die Spielbank seit 60 Jahren wieder residiert – die Roulettekugel. Am gleichen Tag wurde der Grundstein für das Kurhaus gelegt, zu dessen Bau sich die Brüder Blanc verpflichtet hatten. Dorthin zog die Spielbank nach zwei Jahren Bauzeit um.

Erhalt des Kurparks

Heute verspricht man sich in der Politik weiter fließende Einnahmen aus dem Casinobetrieb, die etwa zum Erhalt des Kurparks gebraucht werden. Der städtische Neujahrsempfang soll am 19. Januar erstmals in den Räumen des Casinos stattfinden. Eingeladen ist die ehemalige Bürgermeisterin von Las Vegas, Jan Jones.

Der Auftritt ist umstritten, das Interesse aber offenbar groß: „So einen Rücklauf an positiven Antworten hatten wir noch nie“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Axel Dierolf (NHU). Jones ist heute Senior Vice President der Betreibergesellschaft von Cesar’s Palace in Las Vegas. Unter ihr habe die Wüstenstadt einen Wechsel von der Spielermetropole zur Kongressstadt vollzogen, sagt Dierolf. Diese Erfahrungen könne Bad Homburg nutzen.

Jones’ Name stehe auch für die Verknüpfung von Casino-Betrieb und Unterhaltung. In Bad Homburg, so Dierolf, gehe es vorrangig um die Verknüpfung mit Gesundheits- und Wellnessangeboten.

Der Cesar’s Palace sei zudem bekannt für seine Poker-Turniere. In diesem Bereich würden in Bad Homburg bislang nur geringe Umsätze getätigt, obwohl die Spielbank Wiesbaden damit sehr erfolgreich sei. 400 Gäste werden zum Neujahrsempfang erwartet.

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