Die Erdmännchen tollen zurzeit ohne Publikum durchs Gehege.  
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Die Erdmännchen tollen zurzeit ohne Publikum durchs Gehege.  

Kronberg

Schließung trifft Kronberger Opel-Zoo hart

  • vonBoris Schöppner
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Futter und Pfleger müssen weiter bezahlt werden – auch wenn in Kronberg zurzeit keine Einnahmen generiert werden.

Die Giraffen sind mit ihrem Nachwuchs in der Außenanlage unterwegs. Das ist für die Jungen eine neue Erfahrung. Bislang waren sie wegen des regnerischen Wetters und des rutschigen Untergrunds noch nicht auf der Savannenanlage unterwegs. Jetzt zeigt sich, wie sie mit den Zebras und Gnus zurecht kommen, mit denen sie sich die Fläche teilen. Ohnehin gibt es im Frühjahr viel im Opel-Zoo zu entdecken. Oder besser: gäbe. Denn wegen der Corona-Krise ist der Tiergarten geschlossen.

Am Freitag genoss ein junges Paar noch den Blick von der Terrasse der Lodge aus über den Opel-Zoo. Die Gaststätten liegt außerhalb des Zoogeländes. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Gäste, die sich auf der Lodge-Fläche verteilen konnte, auf 30 begrenzt. Seit Samstagmittag dürfen dort keine Gäste mehr bewirtet werden. Das „Sambesi“, die Gaststätte auf dem Elefantenhaus, ist wie der Zoo bereits seit Dienstag geschlossen, denn für Gäste wäre das Lokal gar nicht mehr zu erreichen.

Dort, wo sonst Besucher an den Zäunen stehen, um die afrikanischen Zwergziegen mit Karotten zu füttern, auf dem Philosophenweg bei den Elefanten und selbst vor den putzigen Erdmännchen findet sich niemand mehr. Nur noch Tierpfleger und Handwerker sind auf dem weitläufigen Areal unterwegs. Bei den Warzenschweinen werden Steinblöcke versetzt, der Mulch eines Seitenweges wird ausgetauscht.

16 Tierpfleger im Einsatz

„Täglich sind 16 Tierpfleger im Einsatz. Die 16 bilden ein Team. Das wird alle vier Tage von einem anderen, gleichstarken Team ersetzt“, erklärt Zoodirektor Thomas Kauffels. Zwischen den Teams gebe es keinen personellen Austausch. So soll garantiert werden, dass immer ein Team handlungsfähig ist. „Bei Tierpflegern ist Home Office ja keine Option“, bemerkt der Zoodirektor lakonisch.

Als Geschäftsführer des Zoos und der Logde ist er insgesamt für 120 Mitarbeiter zuständig. Hinzu kommen vom Zoo abhängige Dienstleister. Man versuche, Härten zum Beispiel für das Kassenpersonal abzufedern, indem man Kurzarbeit beantrage.

Es gehe auch darum, für den Tag, an dem der Zoo wieder öffnen darf, gewappnet zu sein. „Wenn wir wieder aufmachen, ist an den Kassen Remmidemmi, da brauchen wir wieder alle Leute.“ Es gehe darum, dass der Zoo die Mitarbeiter nicht im Stich lasse, und dass die Mitarbeiter den Zoo nicht im Stich ließen, sagt Kauffels.

Wirtschaftlich trifft die Schließung den Zoo hart. Schließlich stehe und falle ein Zoojahr mit dem Wetter im April und Oktober, also den Oster- und Herbstferien. Als Durchschnittswerte werden angenommen, dass im März 24 000 Einzelkarten und im April 46 000 verkauft werden.

Die Kosten für Personal, Futter und Entsorgung bleiben gleich, bei gleichzeitigem Wegfall der Einnahmen. „Wenn die Sperrung lange dauert, müssen wir überlegen, ob wir staatliche Zuschüssen in Anspruch nehmen“, sagt der Direktor.

Das Einzige, was der Zoo steuern könne, seien Investitionen. Vor allem aber gelte: „Es gibt keinen Plan B, wir müssen durchhalten.“ Der gebürtige Rheinländer fügt hinzu: „Es ist noch immer gut gegangen“.

Auch im Zoo Frankfurt hinterlässt die Corona-Krise Spuren - insbesondere bei den Tieren. Eine Notschlachtung der Tiere kommt für den Zoo Frankfurt jedoch nicht in Frage. Der Tierpark Neumünster in Schleswig-Holstein hatte mit einem derartigen Gedankenspiel für Aufsehen gesorgt.

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