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Abstecher nach Afrika - der Opel-Zoo in Kronberg hat viel zu bieten

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Im Opel-Zoo kann man durch Afrika spazieren und einen Blick hinter die Kulissen der Elefantenanlage werfen.

Die Zeiten, als sich hinter jedem Baum ein Elefant versteckte, um Passanten einen gehörigen Schrecken einzujagen („Töröö! Höhöhöhö!) – sie sind vorbei. Schade. Heute wohnen in ganz Hessen nur noch drei Elefanten, und die besuchen wir gleich. Vorher machen wir aber einen Abstecher nach Afrika, genau so, wie es Martin Becker auch vorhat, wenn die FR-Leser zu Besuch kommen. Becker ist nämlich der Leiter der Zoopädagogik, und er kennt sich aus.

Also führt die erste Etappe direkt in die Savanne zu den Gnus, Zebras, Impalas und Giraffen. Erklärter Star der Gemeinschaftsanlage ist Langhals-Baby Madiba, geboren am 1. Mai, benannt nach dem südafrikanischen Freiheitshelden Nelson Mandela, der denselben Beinamen trug. „Diese Anlage ist zum Genießen“, sagt Becker, während die verschiedenen Tierarten traut nebeneinander grasen. „Sie macht es schön einfach, die Vorteile der Vergesellschaftung rüberzubringen.“ Der größte Feind aller Zootiere sei die Langweile – und die komme hier gar nicht auf. Zwar blieben die einzelnen Arten beieinander. „Aber das Zebra guckt ja dann doch immer wieder mal: Was macht das Gnu gerade?“

Weiter geht’s zu den Erdmännchen mit ihrer „Billigversion eines Wächters“, wie Becker flachst. „Wenn der müde wird, müssen die anderen selbst aufpassen.“ Deshalb lebten in Afrika immer 20 bis 30 Tiere zusammen, um sich schneller bei der Wache abzuwechseln. Hier im Opel-Zoo bei den sechs Kerlchen ist der Wächter nicht so extrem wichtig. Jedenfalls hat man noch nie davon gehört, dass plötzlich eine Horde Raubtiere das Revier der Surikaten angegriffen hätte.

Rechts prescht eine Antilope vorbei, „Nyala, die schönste, die es gibt“, ehe die Geier und Marabus ins Blickfeld geraten – deren Faszination nicht ihre Schönheit ist. Aber fragen Sie Herrn Becker mal nach den Hälsen, da hat er Interessantes zu erzählen, wenn auch nicht sehr appetitlich.

Die Haut ab 35 braucht besondere Pflege: Zimba und Aruba beim Schönheitssonnenbad.

Vorbei an Streifenhyänen, Stachel-, Warzenschweinen und Berberaffen (alles Afrikaner!) geht es schließlich zum Elefantenrevier, vor sechs Jahren für 13 Millionen Euro fertiggestellt, mit Platz für vier Elefantenkühe, einen Bullen und eventuellen Nachwuchs. Bewohnerinnen und Bewohner sind derzeit Zimba (37) und Aruba (40), die „alten Damen im Rentenalter“, wie sie Becker charmant vorstellt, und Tamo (11), das Pubertier. „Er hat manchmal keinen Bock auf irgendwas und dann ist er nicht ohne. Etwas Abstand empfiehlt sich. Wenn er Lust hat, kann man aber alles mit ihm machen.“

Die Elefantenhaltung: „Wenige Spezialisten wissen wirklich etwas darüber“, sagt der Zoopädagoge und schlüpft durch dicke Gitterstäbe, die nur Menschen durchlassen, keine Elefanten. „Hands on“ war früher Standard in Zoos: Der Tierpfleger ging zum Elefanten ins Gehege. „Da mussten die Tiere aber schon sehr gut trainiert sein.“ Der Elefant sei das gefährlichste Tier im Zoo, sagt Becker: „Wenn der mit dem Rüssel ausholt, hat keiner mehr eine Chance.“ Deshalb sind die dicken Gitterstäbe diagonal angebracht, so dass auch ein vertikal geschwungener Rüssel draußen nichts anrichten kann.

Der Opel-Zoo hat sich für den geschützten Kontakt entschieden

„Hands off“, die Variante mit dem Tierpfleger auf der anderen Seite, ist daher die sicherere – aber die Veterinäre müssten für jede Untersuchung das Tier narkotisieren. Der Opel-Zoo habe sich für den „Königsweg“ entschieden, erklärt Becker: für den geschützten Kontakt. Das Gitter hat Klappen, durch die medizinische Behandlungen möglich sind, wenn der Elefant freiwillig Ohren oder Füße rausstreckt. Das muss gut trainiert sein. „Und klar ist, dass so ein Training ganz ohne Gewalt geschieht“, sagt Martin Becker. „Wenn man dem Elefanten ein Mal etwas antut, wird er beim nächsten Mal sicher nicht mehr sein Ohr hinhalten.“ Da ist übrigens die einzige Stelle zum Blutabnehmen: hinterm Ohr.

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Die Gruppe der FR-Leser wird einen Blick aufs Futterreservoir werfen können – 200 Kilo Heu und Gras mampft so ein Rüsseltier. Am Tag. Dazu Kraftfutter und 100 Liter Wasser. Wohl bekomm’s. Wie kann ein Zoo solche Mengen auftreiben? „Wir haben eigene Wiesen und Landwirte, die uns beliefern“, sagt Becker. Und ergänzt: „Elefantenfutter ist relativ günstig.“ Robben beispielsweise seien mit ihrer Vorliebe für Frischfisch viel aufwendiger in der Haltung. Vom Wasser, in dem sie sich den ganzen Tag herumtreiben, ganz abgesehen.

Wie steht es um die Familienplanung? Es wäre ja noch reichlich Platz für weitere Elefanten. „Wir warten seit fünf Jahren“, sagt Becker. Der Zuchtbuchführer des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) muss geeignete Tiere zuteilen. „Er hat aber nix.“ Also können sich Zimba, Aruba und Tamo auf viel Platz tummeln. Es gibt getrennte Außenanlagen, um notfalls Streithähne zu trennen, und einen Toberaum, in den normalerweise kein Besucher hineinschauen kann; dort reagieren sich männliche Tiere während der sogenannten Bullenmust (gesprochen: Bullenmast) ab, einer aggressiven Phase des Testosteronschubs. Das sind Erfahrungswerte, auf die ein Zoo zurückgreifen kann, der schon seit mehr als einem halben Jahrhundert Elefanten hält und in den 60er Jahren bereits Zuchterfolge feierte.

Was werden die Besucher bei den Elefanten erleben? Vielleicht medizinisches Training, vielleicht eine Fütterung, eventuell das Baden der Dicken – mal sehen, sagt Martin Becker. Eins müssen die FR-Leserinnen und -Leser jedenfalls nicht befürchten: dass der Pädagoge mit ihnen den „Elefanten-Song“ singen will, den Wetzlarer Schüler 2010 mit Profis aufnahmen. Sie waren die Sieger beim Wettbewerb in der Spendensammelphase für den Neubau des Elefantenreviers. Refrain: „Die Elefanten sind der Hit, singt doch einfach mit!“ Wer will, kann sich das Lied aber unter www.opel-zoo.de anhören. Das Comedyduo Badesalz ist auf der Aufnahme auch dabei.

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