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Leuchtende Landschaften: Die Bilder stammen aus dem Späterwek Meinkes.

Ausstellung

Kronberg: Kratzkunst am Bau

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Der Maler Hans Meinke hat Spuren in der gesamten Rhein-Main-Region hinterlassen - manche lassen sich immer noch besichtigen.

Geboren 1907 in Offenbach, ein Atelier in Frankfurt und nach dem Zweiten Weltkrieg der Umzug in den heutigen Königsteiner Stadtteil Mammolshain: Hans Meinke ist ein echtes Kind des Rhein-Main-Gebiets. Zumal der Maler bis zu seinem Tod 1988 in der Region reichlich künstlerische Spuren hinterlassen hat, die man zum Teil bis heute besichtigen kann.

Das ist vor allem der „Kunst-am Bau“-Bewegung der Nachkriegszeit zu verdanken. So finden sich in mehreren Wohnsiedlungen großformatige Arbeiten Meinkes, etwa in Frankfurt an der Ecke Hansaallee/Plieninger Straße oder in den westlichen Stadtteilen Sindlingen und Zeilsheim.

In Kelkheim weist ein Sgraffito in der Nähe des Bahnhofs Hornau auf die Revolution von 1848 hin. Und auch den Torbogen des beliebten Ausflugsziels Rettershof hat Meinke bemalt. „Hans Meinke war immer präsent“, sagt Ingrid Ehrhardt, die künstlerische Leiterin des Museums Kronberger Malerkolonie. „Trotzdem kennt kaum einer seinen Namen.“

Der Künstler bei der Arbeit.

Das sei auch ihr selbst so gegangen, räumt sie ein, obwohl das Museum sogar zwei Arbeiten Meinkes in seiner Sammlung hat. Grund genug, dem bekannten Unbekannten eine Sonderausstellung zu widmen. Diese kann mit Werken aus fast allen Schaffensphasen aufwarten, die zum großen Teil aus Familienbesitz stammen.

Da finden sich kleinformatige Landschaftsaquarelle mit Motiven, die der junge Meinke bei Reisen in Italien entdeckt hat, genauso wie die symbolistisch angehauchten Werke der Nachkriegszeit. In denen griff er auch aktuelle politische Themen auf – wie in seinem Hauptwerk „Die große Angst“ von 1961, Meinkes Reaktion auf die atomare Aufrüstung. In dem großformatigen Gemälde blicken mehrere stilisierte Frauenfiguren angstvoll gen Himmel. Der Kontrast der Hauptfarben Grün und Rot verstärkt die bedrohliche Atmosphäre. Hinzu kommen Kratzspuren rund um Augen und Mund der Figuren. „Zunächst haben wir gedacht, das Bild sei beschädigt“, sagt Ingrid Ehrhardt. Bei genauerem Hinsehen sei jedoch deutlich geworden, dass Meinke die Kratzer bewusst als künstlerisches Mittel eingesetzt habe. Ohnehin hatte er in den späten 60ern noch viel ausgiebiger mit einer speziellen Wachs-Kratztechnik experimentiert, etwa in „Die Geisel“, in dem es um die verhängnisvolle Symbiose von Diktatoren und ihren Anhängern geht.

Mit diesen Kratzbildern dürften Meinke wohl seine originellsten und eigenständigsten Werke gelungen sein. Wobei in ihnen die Sgraffito-Technik seiner großformatigen Kunst-am-Bau-Arbeiten wieder aufscheint. Dabei werden zunächst verschiedene Putzschichten aufgetragen, die noch im feuchten Zustand in Teilen wieder abgekratzt werden. Hans Meinke habe die Sgraffito-Technik nicht nur künstlerisch, sondern auch handwerklich perfekt beherrscht, betont Ingrid Ehrhardt.

Von seiner Arbeit habe er mit seiner Familie recht ordentlich leben können, schildert Ehrhardt. „Zu Reichtum ist er aber nicht gekommen.“ Eine wichtige Einkommensquelle dürften neben den großen Wandgemälden seine Landschaftsbilder gewesen sein. An ihnen hat Hans Meinke während seiner gesamten Karriere festgehalten, stilistisch aber mehrere Wandlungen vollzogen. So finden sich in der Kronberger Ausstellung neben traditionell gestalteten Taunuslandschaften auch Motive aus Frankreich und dem Tessin, die Meinke in expressiven Tempera-Farben zum Leuchten gebracht hat.

Dass Hans Meinke nicht nur Maler war, belegt die Metallplastik, die er 1970 für die Eingangshalle des damals neu gebauten Krankenhauses in Bad Soden geschaffen hat. Wer möchte, kann sich auch diese Plastik heute noch ansehen – zu finden ist sie im öffentlich zugänglichen Durchgang zum Konferenzzentrum des zwischenzeitlich sanierten Klinikgebäudes.

Die Ausstellung im Überblick

Die Sonderausstellung mit Werken von Hans Meinke ist noch bis Sonntag, 22. April, im Museum Kronberger Malerkolonie, Heinrich-Winter-Straße 4a, zu sehen.

Geöffnet ist mittwochs, 15 bis 19 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen, 11 bis 18 Uhr.

Der Eintritt kostet fünf Euro, Familien zahlen zehn Euro. Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. Mittwochs ab 17 Uhr ist der Eintritt generell kostenfrei.

Am Sonntag, 7. April, gibt es zwei öffentliche Führungen, um 11.15 Uhr auf deutsch und um 15 Uhr auf englisch. Die Teilnahme kostet zwei Euro zuzüglich Eintritt.

Weitere Informationen:

www.kronberger-malerkolonie.com und meinke-hans.de.

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