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Geigen aus Carbon

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Joerg Kleinalstede,einer der Aussteller, spielt auf einer Geige aus Carbonfaser. Boris Schöppner
Joerg Kleinalstede,einer der Aussteller, spielt auf einer Geige aus Carbonfaser. Boris Schöppner © Boris Schöppner

40 Aussteller zeigen bei Messe „Vioviva“ Produkte rund um das Instrument

Kronberg - Geigen kennt man als rötlich-braune Instrumente, die auf der Rückseite eine Struktur haben, die an Flammen erinnert und auch so heißt. Bei mezzo-forte sind die Instrumente nahezu schwarz und haben auf dem Rücken Zickzacklinien oder feine Streifen. Die Violinen und Celli sind hier nicht aus Holz gebaut, sondern aus Carbon und zogen noch vor der offiziellen Eröffnung der Geigenbaumesse Vioviva neugierige Blicke auf sich. Eine Geige, die nicht aus Holz ist - darf man das? „Das hat eine blasphemische Komponente“, gibt CEO Dr. Joerg Kleinalstede zu. Das Material verziehe sich weder bei Temperaturschwankungen noch bei Veränderungen der Luftfeuchtigkeit. Es sei deshalb auch für Freiluftveranstaltungen hervorragend geeignet. 2015 wurde sein Unternehmen mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis ausgezeichnet. Die Instrumente würden gut klingen und seien günstiger als Meistergeigen.

200 Arbeitsstunden für die Fertigung

Dank der Eröffnung des Casals Forums haben die Instrumentenbauer mehr Platz in der Stadthalle und nutzen jetzt auch den großen Saal. „Aus der Ausstellung ist eine Messe geworden“, sagt Professor Eichhorn, als er am Montagvormittag die rund 40 Aussteller begrüßt. Die werden noch bis Samstag über ihre Produkte informieren, etwa über Stachel. Darauf hat sich Marcel Reski mit seiner Firma Instrumagic spezialisiert. Stachel werden am Cello oder Kontrabass angebracht, um Resonanzen des Instruments abzuleiten. „Er sorgt für einen freien Klang“, erklärt Firmengründer Reski, der eigentlich aus der Hifi-High-End-Branche kommt. Mittlerweile hat er neun Stacheltypen im Sortiment, die es in unterschiedlichen Stärken gibt. Preislich beginnen sie bei 1800 Euro. Spitzenmodelle kosten bis zu 4800 Euro. Ein Stachel verfügt über einen in Silber gefassten Smaragd und soll besonders dynamisch klingen. Noch dynamischer und fokussierter sei der Klang des Stachels mit dem Diamanten. „Das eine Instrument braucht eher das, das andere eher das“, erklärt Reski, der seit drei Jahren Stachel baut. Ein versilberter Stachel bringe einen klareren Klang mit sich, ein vergoldeter einen wärmeren, volleren und runderen. Katharina Starzer baut ihre Geigen aus Holz. Sie gehört zu dem „Kollektiv“ von Geigenbauerinnen aus München, die sich in Kronberg einen Stand teilen. Im Alltag sind die Instrumentenbauerinnen eher ein Netzwerk als ein Kollektiv. „Wenn jemand den Wunsch eines Kunden nicht erfüllen kann, empfiehlt er eine der Kolleginnen weiter.“

Das Holz - Fichte oder Ahorn - kommt aus Südtirol, den Karpaten oder Bosnien. Bei dem Holz aus den Bergregionen seien die Jahresringe näher beieinander, die Bäume wachsen dort nicht so schnell. Das wirke sich auf die Stabilität und den Klang aus. „Wenn ich mit dem Bau eines Instrumentes beginne, habe ich schon eine Idee, wie es am Schluss klingen soll“, verrät Starzer. Das entsprechende Holz hole sie dann aus ihrer Holzsammlung. Für den Bau einer Geige benötigt sie im Schnitt 200 Stunden. „Jeder bringt etwas von seiner Persönlichkeit in den Bau einer Geige ein“, sagt sie und erläutert, dass sie einen Teil ihrer Ausbildung bei einem Physiker absolviert hat - eine Erfahrung, die ihre Arbeit bis heute beeinflusst. Sie mag es, ein individuelles Instrument zu schaffen - im Dialog mit dem Künstler, der es spielen möchte. Auch sie hat Geige gelernt. Zeit, sie auch zu spielen, findet sie kaum noch.

Die Messe läuft bis Samstag, 1. Oktober, in der Kronberger Stadthalle. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr; heute, 28. September, bis 16 Uhr. Ergänzend gibt es Vorträge des Bogenmachermeisters Thomas Gerbeth und des Diplom-Ingenieurs Bernhard Rieger am 29. und 30. September, jeweils 14 Uhr.

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