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Raimund Trenkler hat die Kronberg Academy vor einem Vierteljahrhundert ins Leben gerufen.

Kronberg Academy

"Eine Weltauswahl von jungen Künstlern"

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Raimund Trenkler, Gründer der Kronberg Academy, spricht im Interview mit der FR über 25 Jahre Kronberg Academy, Elite, Verantwortung und ein ambitioniertes Bauprojekt.

Noch hat Raimund Trenkler sein Büro in der Receptur mitten in der Kronberger Altstadt, wo wir uns zum Interview treffen. Am Bahnhof entsteht mit dem Casals-Forum allerdings bereits das neue Domizil, das der Kronberg Academy Zukunftsperspektiven eröffnen soll.

Herr Trenkler, mit welchen Erwartungen haben Sie vor 25 Jahren die Kronberg Academy gegründet?
Der Wunsch war, in der Welt der Musik etwas zu bewegen. Initialzündung war der Rückflug von einem Konzert in Seoul nach Frankfurt mit vier weiteren Cellisten. Der Flug war eigentlich ausgebucht, doch der Kapitän hatte uns mitgenommen, als wir ihm versprachen, während des Flugs das höchste Konzert aller Zeiten zu spielen. Das hat dann so viel Spaß gemacht, dass die Idee entstand, ein Familientreffen für Cellisten zu organisieren.

Aus dem Familientreffen haben sich Konzertreihen, Meisterkurse und schließlich eine Akademie entwickelt...
Da haben auch meine eigenen Erfahrungen mit den Lücken im Ausbildungssystem eine Rolle gespielt. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Hochschulen, sondern als ergänzendes Angebot. Es gibt eine enge Kooperation mit der Frankfurter Musikhochschule, an der unsere Studenten ihre Prüfungen ablegen. Wir wollen hochbegabten jungen Musikern ein maßgeschneidertes Angebot machen. Deshalb bieten wir auch nur 25 Studienplätze.

Warum haben Sie sich für Kronberg als Standort entschieden?
Die Planung ging zuerst in Richtung Frankfurt. Aber Kronberg bot als kleiner, beschaulicher Ort bessere Voraussetzungen, der Weltcello-Familie ein künstlerisches Zuhause zu schaffen, in dem Künstler und Publikum sich direkt austauschen können. Das hat sich schließlich auch so bestätigt.

Gab es später noch einmal Überlegungen umzuziehen?
Wir hatten sogar ein Angebot aus New York. Doch ich bin der Meinung, dass eine Einrichtung wie die Kronberg Academy ins Herz von Europa gehört, der Wiege von Bach, Beethoven und Brahms. Vor sechs, sieben Jahren war unklar, ob wir uns in Kronberg weiterentwickeln können. Damals gab es Überlegungen, vielleicht in eine Nachbarstadt zu wechseln. Doch mit dem Casals-Forum werden die Voraussetzungen für eine Zukunft der Kronberg Academy nun nachhaltig geschaffen.

Am Kronberger Bahnhof entsteht derzeit das Casals-Forum mit einem Konzertsaal für 550 Zuhörer. Was soll darin passieren?
Wir wollen einen Werkraum der Musik schaffen für unsere Studenten, aber auch eine Residenz für Orchester aus aller Welt, die hier einen Ort der Kontemplation finden und zum Beispiel in Ruhe Aufnahmen machen können. Natürlich wird es auch Konzerte geben, aber wir wollen ausdrücklich keine zweite Alte Oper in kleinerer Form schaffen, sondern eine Art Laboratorium, in dem auch neue Konzertkonzepte ausprobiert werden können.

Die Kosten haben sich von 36 auf 45 Millionen Euro erhöht. Befürchten Sie weitere unliebsame Überraschungen?
Nein, wir fühlen uns sicher mit den Finanzen. Natürlich gibt es keine Garantie. Schließlich handelt es sich um einen Sonderbau und ein hochkomplexes Verfahren. Aber es wird definitiv keine zweite Elbphilharmonie werden. Wir bauen unser Forum konsequent so, wie wir es geplant haben.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Studenten aus?
Da geht es natürlich zuerst um die musikalische Qualität. Wir haben hier eine Weltauswahl von jungen Künstlern aus 20 verschiedenen Nationen. Wichtig ist uns aber auch die charakterliche Integrität. Manche der jungen Menschen beobachten wir über einen längeren Zeitraum, bevor wir sie aufnehmen.

Es geht um Eliteförderung?
Ja, aber um eine Leistungselite, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerechtwerden soll. Musik ist eine internationale Sprache, sie verbindet Menschen über Kulturen und Religionen hinweg. Dadurch kann sie ein Vorbild für andere gesellschaftliche Prozesse sein. Außerdem bemühen wir uns, Musik für Menschen zugänglich zu machen, die ansonsten nicht in Konzerte gehen würden, etwa in Altersheimen und Behinderteneinrichtungen oder bei speziellen Kinderkonzerten.

Mit dem Feuermann-Konservatorium bieten Sie auch eine Musikschule für Kinder aus der Region an. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat?
Wir sind der Auffassung, dass es nur einen Sinn hat, Hochbegabte zu fördern, wenn man sich auch um die Breite als Basis bemüht. Ziel des Feuermann-Konservatoriums ist es, Freude an der Musik zu vermitteln, ohne gleich den Anspruch haben zu müssen, Musik zu studieren. Damit sind wir sehr erfolgreich. Wir haben eine lange Warteliste.

Zu Beginn stand die Kronberg Academy ausschließlich für das Cello, mit den Jahren sind weitere Streichinstrumente hinzugekommen. Nun bieten Sie auch eine Ausbildung für Pianisten an. Gibt es in dieser Hinsicht noch weitere Expansionspläne?
Nein. Wir haben von Anfang an in der Streicherausbildung den Schwerpunkt auf die Kammermusik gelegt. Dazu gehört eine Symbiose von Streichinstrumenten und Klavier. Als Streicher braucht man einen Pianisten auf Augenhöhe als Partner. Deswegen ist der neue Studienschwerpunkt kein Widerspruch zu dem, was wir bisher gemacht haben.

Wie steht es um die Karriereaussichten für die Absolventen Ihrer Akademie?
Gut. Einige sind bereits selbst Professoren an Musikhochschulen, andere Konzertmeister, und wir haben einige bekannte Solisten hervorgebracht wie Vilde Frang und István Várdai, die bei unserem Jubiläumskonzert am Montag zu hören waren.

Wo steht die Kronberg Academy in 25 Jahren?
Natürlich habe ich einige Ideen für die Zukunft im Kopf. Dazu gehören ein Studentenwohnheim und neue Veranstaltungsformate. Unser zentrales Ziel wird aber auch in 25 Jahren sein, die einmalige Sprache der Musik auf höchstem Niveau lebendig zu halten. Dazu bedarf es eines geschützten Raums abseits des Musikmarktes. Wenn wir alles vom Markt diktieren lassen, sind wir verloren.

Sie sind ausgebildeter Cellist. Wie oft kommen Sie noch selbst zum Spielen?
Leider zu wenig. Die Herausforderung des Bauvorhabens fordert meine ganze Zeit und Kraft. Ich kann aber versichern, dass ich Entscheidungen für die Kronberg Academy auch weiterhin zuerst mit dem Herzen des Musikers und nicht mit dem des Managers treffen werde.

Interview: Torsten Weigelt

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