1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Kronberg

Dickes Steuerplus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gewerbe überweist 14 Millionen Euro mehr als kalkuliert

Kronberg - Süßer die Kassen nie klingen als in der Vorweihnachtszeit - während der heimische Einzelhandel noch nicht so recht in diesen Refrain einstimmen kann, hat Kämmerer und Bürgermeister Christoph König (SPD) beim Blick in die Stadtkasse schon einen mehr als guten Grund, zum „O Du Fröhliche“ anzusetzen.

Der kommunale Nikolausstiefel ist randvoll mit Steuergeldern, die die Stadt so nicht einkalkulieren konnte, als sie 2021 daran ging, den Doppelhaushalt für 2022/23 aufzusetzen. Im Advent des vergangenen Jahres, als der Etat beschlossen wurde, sahen sich auch die örtlichen Unternehmen noch auf dem Weg durch einen „Dornwald“, der ein Jahr später jetzt doch „Rosen“ trägt - auf jeden Fall für die Stadtkasse, wie sich am dritten Quartalsbericht für 2022 erkennen lässt. Die neuen Zahlen stellte Sylvia Zinsius vom städtischen Finanzmanagement jüngst im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) vor und ließ dessen Mitglieder an der schönen Bescherung teilhaben. Hatte man mit Blick auf die Pandemie und entsprechende Steuerschätzungen für den Haushalt 2022 vorsichtig mit Gewerbesteuereinnahmen von gerade mal 18,2 Millionen Euro gerechnet, so sollten es zum 31. Dezember dann doch rund 32 Millionen Euro werden.

Das ist ein satter Sprung, der auch Bürgermeister König mehr als überrascht hat, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Befragt nach den Gründen für das üppige Plus bei den Gewerbesteuern, sieht der Rathauschef ein gewichtiges Motiv in der Heterogenität der heimischen Wirtschaft. Natürlich, so König, gebe es am Standort Kronberg Unternehmen, die mit Corona und den Folgen arg zu kämpfen hatten. Im Branchenmix der Burgstadt seien aber eben auch Firmen enthalten, die gut durch die Krise gekommen seien oder gerade wegen der Pandemie Zuwächse verzeichneten. Mit Blick auf die Gewerbesteuer gleiche das dann Verluste wieder aus und sorge sogar für Zugewinne.

Einen weiteren Grund dafür, dass die Gewerbesteuer jetzt doch noch wie Manna auf die Stadtkasse fällt, vermutete Jochen Schmitt-Laux, Leiter der Verwaltungssteuerung im Rathaus, im HFA darin, dass einige Unternehmen ihre Lage im vergangenen Jahr doch schlechter eingeschätzt und angesetzt hätten, als sie am Ende war.

Dass die Stadt dieses üppige Plus mehr als gut gebrauchen kann, lässt sich an anderen Kennzahlen des Quartalsberichts ablesen. Wie Sylvia Zinsius mitteilte, sei der Einkommensteuer-Anteil - einem bundesweiten Trend folgend - gegenüber dem zweiten Quartal merklich eingebrochen. Die im Haushalt angesetzten 18 Millionen werde man wohl zum Jahresende verfehlen. 17,1 Millionen Euro seien derzeit realistisch.

Wesentlich besser als erwartet stelle sich die Lage bei der Umsatzsteuer dar. Im Haushaltsplan angesetzt waren 2,7 Millionen Euro, aktuell geht man zum 31. Dezember mit einem Stand von rund 3,5 Millionen Euro aus.

2,6 Millionen Euro zum Jahresende übrig

Insgesamt, so Zinsius, rechne man aktuell für 2022 mit Einnahmen in Höhe von 69,7 Millionen Euro aus, geplant waren 54,38 Millionen Euro. Allerdings werden auch die Ausgaben deutlich steigen von ursprünglich 59,8 Millionen Euro auf voraussichtlich 67 Millionen Euro.

Zwar dürfte der Stadt damit zum Jahresende immer noch ein sattes Plus von rund 2,6 Millionen Euro in der Kasse bleiben, die Bürgermeister König zur Bildung von Rücklagen nutzen will.

Dennoch stellt sich die Frage, wie der doch beachtliche Anstieg der Ausgaben zustande kommt. Folgt man dem Quartalsbericht, sind es mehrere Faktoren, die den Anstieg auf der Ausgabenseite anschieben. Zum Ersten sind da die doch deutlich gestiegenen Energie- und Betriebskosten, mit denen auch die Stadt kalkulieren muss. Zum Zweiten hat die Stadt außerplanmäßige Ausgaben im Bereich der Kita- und Schulbetreuung sowie Jugendarbeit abzudecken, die sich insgesamt auf rund 1,7 Millionen Euro belaufen werden. Zum Dritten weckt der prall gefüllte Nikolausstiefel der Kronberger immer auch Begehrlichkeiten an höherer Stelle. Das heißt: Die Burgstädter müssen ihr Plus mit denen teilen, die weniger haben. Das sind einerseits die hessischen Städte und Gemeinden, vor allem im Norden des Bundeslandes; das ist andererseits der Hochtaunuskreis. Schließlich steigt mit dem Plus der Kronberger Steuereinnahmen in einem Jahr auch regelmäßig der Anteil, den der Kreis bei der Kreis- und Schulumlage in der Folge einfordern darf.

Waren die Steueraufwendungen einschließlich der Aufwendungen aus gesetzlichen Umlageverpflichtungen im aktuellen Etat ursprünglich mit knapp 27,6 Millionen Euro taxiert, so prognostizierte die Kämmerei jetzt bis Jahresende einen Anstieg auf knapp 33,5 Millionen Euro.

Dieser Trend dürfte sich auch in den kommenden beiden Jahren fortsetzen, fließt die Gewerbesteuer doch nach wie vor „unerwartet gut“. Ob das so bleiben wird? Zwar hat sich der Standort Kronberg bislang als durchaus robust und krisenfest erwiesen. Im Quartalsbericht wird aber doch darauf hingewiesen, dass sich die negativen „Auswirkungen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs“ 2022 durchaus schon ablesen lassen und 2023 noch deutlicher Kontur bekommen könnten.

Auch interessant

Kommentare