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Kreativ in Köppern

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Von: Detlef Sundermann

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Mit Durchblick: Jürgen Kussak in der Holzwerkstatt der Friedrichsdorfer Sommerakademie.
Mit Durchblick: Jürgen Kussak in der Holzwerkstatt der Friedrichsdorfer Sommerakademie. © FR/Müller

Skulpturen sägen, Cello spielen oder Graffitis sprayen - in der Friedrichsdorfer Sommerakademie suchen alle Teilnehmer ihre persönliche Herausforderung. Von Detlef Sundermann

Draußen lärmen Elektro-Kettensägen und schlagen Holzhammer auf Meißelgriffe, drinnen arbeiten sich Sänger beim Aufwärmen der Kehle die Tonleiter empor und Bögen tanzen auf den Saiten von Celli. Es ist wieder Sommerakademie in Köppern. 74 Leute - mehr als je zuvor - mit Hang und Ambitionen zum Künstlerischen lassen sich in unterschiedlichen Sparten weiterbilden, suchen eine Herausforderung.

Jeder will am Freitag, dem letzten Tag der einwöchigen Akademie, nicht nur mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas besser in seinem Fach geworden zu sein oder etwas Neues gelernt zu haben. Die Ansprüche sind teilweise sehr hoch - etwa in der Kammermusikwerkstatt bei Sona Terteryan, Sipan Toroyan und Spartak Margaryan. Die drei zwischen 14 und 16 Jahre alten Schüler aus Eriwan (Armenien) präsentieren mit Geige, Cello und Klavier ein Haydn-Stück derart aus dem Stand, dass sich die Frage aufdrängt: Was wollen die in Köppern noch lernen?

Werkstattleiter und Akademieorganisator Lars Keitel schmunzelt. "In einem Kammerorchester muss die Kommunikation der Musiker perfekt sitzen", sagt er. Bislang hatten die Jungtalente nur wenige Gelegenheit, musikalisches Teamwork einzuüben.

Die Schüler konnten auf Vermittlung des Berliner Vereins Kammerton und mit Finanzhilfe des Goethe-Instituts teilnehmen. "Das Niveau des Werkstattunterrichts ist sehr hoch. Um das Pensum zu absolvieren, haben wir uns zuhause vorbereiten müssen", sagt der 16-jährige Sipan, der sich wie seine Mitstreiter bereits in mehreren Wettbewerben durchsetzen konnte. Die drei Jugendlichen hoffen auf einen Weg als künftige Berufsmusiker.

Ganz andere Ambitionen hat der 70-Jährige aus Oberursel in der Gesangswerkstatt von Gabriele Zimmermann. Er nimmt "nur aus Spaß teil". Dennoch ist der Chorsänger voll Eifer bei der Sache. Und wenn Zimmermann seine Atmung an einer Textstelle im "Lied des Wolfram" aus Tannhäuser als zu wackelig kommentiert, dann nimmt sich der Hobbybariton das zu Herzen und markiert die heikle Stelle im Notenblatt mit drei roten Punkten.

"Es ist jedesmal erstaunlich, mit welcher Power die Leute dabei sind", sagt Lars Keitel. Möglichweise zeige sich darin das Kräftetanken in den Ferien, sagt er. Es ist offensichtlich aber auch die kreative und geschäftige Atmosphäre, die über dem Gelände der Grundschule und dem Forum Friedrichsdorf liegt. Zudem ist keine Werkstatt für sich abgeschlossen. Jeder kann mal reinhören oder zuschauen. Der Gemeinschaftssinn wird zudem beim Mittagessen gestärkt. "Da kommen die Generationen und verschiedene Kunstrichtungen miteinander ins Gespräch - Graffiti-Sprayer mit Literaten", sagt Keitel.

Eine Aufnahmeprüfung gibt es nicht. Überdurchschnittliche Grundkenntnisse sind jedoch gefordert. Hohes Niveau bei den Musikwerkstätten muss dagegen sein. Da scheut Keitel auch nicht die Mühe, sich bei den Musiklehrern der Teilnehmer über deren Können zu informieren.

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