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Krank durch das Krankenhaus

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Die Hochtaunuskliniken - hier das Gebäude in Bad Homburg.
Die Hochtaunuskliniken - hier das Gebäude in Bad Homburg. © FR/Surrey

Jedes Jahr infizieren sich mehr als 150 Patienten in den Hochtaunuskliniken mit Bakterien. Rechtsanwalt Kirchhoff verklagt deshalb das Krankenhaus. Von Sabine Maurer

Von Sabine Maurer

"Wir untersuchen die Risikopatienten nach dem Keim", sagt der Hygienebeauftragte Bernhard Lotz. Auch im Bad Homburger Krankenhaus ist MRSA ein wichtiges Thema. MRSA ist die Abkürzung für "Methicillin-resistente Staphylococcus aureus". Das sind Bakterien, gegen die die meisten Antibiotika nicht mehr helfen und die vor allem in Krankenhäusern und Altenheim ein Problem sind. Denn bei einem geschwächten Immunsystem können die Bakterien lebensbedrohliche Krankheiten wie Wundinfekte, Sepsis oder Lungenentzündungen verursachen. Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in Berlin sterben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Menschen an der Folge von Krankenhaus-Infektionen, meist verursacht von Staphylococcus aureus.

Die Zahlen der MRSA-Patienten in Bad Homburg ist relativ konstant. Seit 2006 werden die Fälle aufgezeichnet. Damals waren es 173 Patienten, im vergangenen Jahr bis Ende November 164 Patienten. Insgesamt werden in den Hochtaunuskliniken jährlich etwa 25.000 Patienten behandelt.

Vorzeigeland in Sachen MRSA sind die Niederlande. Dort werden alle Patienten auf MRSA untersucht und bei positivem Befund während ihres gesamten Klinikaufenthaltes isoliert. So können sie den Keim nicht weitergeben, entsprechend niedrig sind dort die Fallzahlen. In Deutschland sieht das anders aus, auch in Bad Homburg. "Das können wir mit unserer Infrastruktur und unserem Personalbestand gar nicht leisten", sagt Lotz.

Zu den Risikopatienten, die in Bad Homburg auf den Keim untersucht werden, gehören unter anderem Menschen mit chronischen Wunden, langen Krankenhausaufenthalten und früheren MRSA-Erkrankungen. Bei einem positiven Befund werden sie isoliert. "Das führt manchmal schon zu Problemen mit den Betten. Der logistische Aufwand ist groß", sagt Lotz. Sehr beliebt ist die Isolation natürlich auch bei den Patienten nicht. Wenn alles nach Plan läuft, bleiben sie etwa eine Woche lang isoliert. Die ersten fünf Tage werden sie mit Waschungen, Spülungen und Tropfen in die Nase behandelt. Dann werden Abstriche gemacht. Sind sie negativ, können die Patienten auf die normale Station entlassen werden. Bei einem positiven Befund bleiben sie in der Isolation.

Als Vorsorge wird zudem in Bad Homburg darauf geachtet, dass die Krankenhaus-Mitarbeiter sich möglichst oft die Hände desinfizieren. Sinnvoll wäre dies vor jedem neuen Kontakt mit einem Patienten, die Praxis sieht jedoch anders aus. "Wir versuchen, was möglich ist. Außerdem nehmen wir an der Aktion Saubere Hände teil", sagt der Hygienebeauftragte Lotz. Die bundesweite Aktion setzt sich für die Bekämpfung von Krankenhauskeimen durch Händedesinfektion ein.

Ein großes Thema ist MRSA auch in der Kanzlei des Rechtsanwalts Burkhard Kirchhoff aus Weilburg. Er vertritt viele MRSA-Patienten und deren Angehörige. Im Namen seiner Mandanten erstattet er gegen die Kliniken je nach Fall Strafanzeige wegen Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung. So will er erreichen, dass die Staatsanwaltschaft die Infektionsstatistik und die Hygienepläne der Klinik beschlagnahmt. Sie geben Auskunft über den Umgang in der Klinik mit MRSA. Zu einem Strafprozess führen die Anzeigen nur selten, sie werden nach Auskunft des Rechtsanwalts meistens eingestellt - manchmal gegen eine Geldauflage. Die zivilrechtlichen Klagen gegen die Kliniken wegen Schadensersatz und Schmerzensgeld seien deutlich erfolgreicher, sagt Kirchhoff.

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