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Der Kommunikator

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Von: Andrea Herzig

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Jörg Hölzer am heimischen Esstisch.
Jörg Hölzer am heimischen Esstisch. © Michael Schick

Jörg Hölzer, der Chef der Aktionsgemeinschaft, bekommt morgen das Bundesverdienstkreuz überreicht. Sein öffentliches Engagement ist ausschließlich ehrenamtlich.

Jörg Hölzer kann mit jedem reden. Das ist seine große Gabe, die Kompetenz, mit der er es geschafft hat, immer wieder ganz unterschiedliche Leute an einen Tisch zu bekommen, für eine gemeinsame Sache zu gewinnen. Zum Beispiel die Aktionsgemeinschaft, deren Chef er seit 1998 ist. Werbegemeinschaften sind traditionell zerstritten, die oberen können nicht mit den unteren auf der Straße, die Großen nicht mit den Kleinen, es gibt Lager. Das war auch in Bad Homburg so, eine Kultur, die dem harmonieorientierten Hölzer gewaltig gegen den Strich ging, wie er noch heute erzählt.

Hölzer änderte das. Heute sind viele Akteure solide befreundet – und die Aktionsgemeinschaft ist ein schlagkräftiges und einiges Gremium, das seinesgleichen in der Region sucht.

Nur wenige Einzelhändler der Innenstadt ziehen nicht mit bei der Aktionsgemeinschaft. Und die hat viel geschaffen für die Stadt. Der Weihnachtsmarkt am Schloss ist Hölzers Baby, die Figuren der Krippe im unteren Schlosshof sind Hölzers Familienkrippe nachgebildet. Und natürlich hat er eine Lösung gefunden, wie man das Geld dafür zusammenbekommt.

Jörg Hölzer ist immer freundlich, immer verbindlich, aber in seiner Meinung trotzdem deutlich. Sämtliche seiner Projekte profitieren von der positiven Energie, die er hineinlegt. Er wirkt stets überzeugt von dem, was er vorantreibt und überzeugt damit andere. Er war schon ein Netzwerker, bevor das Wort in der Umgangssprache auftauchte.

Sein öffentliches Engagement ist ausschließlich ehrenamtlich. Zwei, drei Stunden am Tag, sagt er bescheiden, gingen dafür drauf. Menschen, die seine Arbeit seit langem kennen, sagen, er betreibe das Ehrenamt mit dem Aufwand eines Hauptamtes. Dass er kein Geld dafür bekommt, ist Hölzer sehr wichtig, weil er sich dann auch von niemand abhängig mache, sagt er.

Seit der Schulzeit begleitet den jetzt 58-Jährigen das Ehrenamt. Klassensprecher, Schülersprecher, Elternbeirat. Wer Kritik übt, muss auch mitmachen, so sein Credo. Nur meckern, das geht gar nicht. Er lacht, ja es seien immer dieselben, die sich überall engagierten.

Jörg Hölzer ist Mitglied der CDU, nach langem Zögern, berichtet er, sei er im Jahr 2004 in die Partei eingetreten. Zögern, weil er stets mit allen zusammenarbeiten können, sich nicht einer Parteiräson unterwerfen will. Bezeichnenderweise hatte ihn damals Peter Löw, ein anderer konservativer Freidenker, überredet. Hölzer hat auch mit Ex-OB Michael Korwisi sehr gut zusammengearbeitet – und dies öffentlich gesagt. Auch im Wahlkampf im letzten Sommer. Eigene politische Ambitionen hegte Hölzer nicht. Nur einmal habe man ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren. Das war 2009. Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, als Jörg Hölzer ihn endgültig verwarf. Seine Gesundheit lässt ein solches Amt nicht zu, damals nicht und heute nicht.

2009 kämpfte Hölzer gegen Leukämie, er war todkrank. Mit seiner Gesundheit ringt der gebürtige Allgäuer schon seit dem jungen Erwachsenenalter. Immer wieder. Meistens merkt man ihm dennoch nichts an. Er macht kein Geheimnis daraus, aber auch kein Aufhebens.

Hölzer hat gelernt, mit der Krankheit umzugehen, doch sie ärgert ihn, wie er sagt, er kann ihren Verlauf nicht beeinflussen. Die wiederkehrenden Attacken erwidert er mit einem unerschütterlichen Lebenswillen. Sich nicht in die Krankheit zu ergeben, das ist Strategie. Und immer wieder ignoriert er die Bedrohung bewusst. „Ich will nicht fliehen, aber ich will es vergessen.“ Dann konzentriert er sich ganz auf seine Projekte, ist überall mit dabei, fest verankert im Hier und Jetzt.

Der Chef der Aktionsgemeinschaft ist auch ein ganz großer Familienmensch. Mit seiner Frau Gabriele führt er eine Versicherungsagentur, das Paar hat drei Töchter, zwei Enkelinnen. Während des Gesprächs ruft ein Bruder an, eine Wand im Wohnzimmer ist behängt mit Familienfotos. Alle sind immer mit allen vernetzt, kommunizieren viel, sind beieinander.

Die Familie und sein öffentliches Engagement, das ist der doppelte Boden, auf dem Jörg Hölzer fest steht.

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