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Komfortables Wohnen auch im Krieg

Kaiser lebte jeden Sommer im Schloss Homburg

Von FRANZISKA SCHWEITZER

Als 29-jähriger frischgebackener Kaiser wurde Wilhelm II. im Jahr 1888 Hausherr im Bad Homburger Schloss. Bis zu seinem Sturz im Spätherbst 1918 war er in jedem Sommer hier - manchmal monatelang. Der Staat Preußen war seit 1866 Besitzer des riesigen Anwesens.

Der neue Chef modernisierte das Schloss. Zum Beispiel ließ er seiner Frau Auguste Viktoria eine Telefonzelle bauen, weil sie die Kontakte zu ihren Freundinnen in Berlin aufrecht erhalten wollte. Damals bedeutete ein Ferngespräch aber noch, dass die Verbindung immer schlechter wurde, je länger der Draht war. Aus diesem Grunde befand sich das Telefon in einem dicken Schrank, der die lauten Gespräche der Kaiserin dämpfte - und dafür sorgte, dass das Personal nicht alles mitbekam.

Stuhl gegen Rückenschmerzen

Noch heute ist die Wohnung des Kaisers so möbliert wie vor 120 Jahren. An seinem Schreibtisch steht Wilhelms mit Leder bezogener Sattel-Stuhl. Er sollte seine chronische Rückenschmerzen lindern. Wilhelm ritt in Bad Homburg auch oft und gern aus. Dabei säumten Bürger die Straßen, auf denen er ritt. Sie jubelten ihm zu und zogen ihre Hüte. Er dankte es ihnen, indem er jedes Jahr an seinem Geburtstag Brötchen und Milch an die Schulkinder Bad Homburgs verteilen ließ.

Auch im Schlosspark nahm derKaiser Veränderungen vor, denn dort stand einmal eine Gerberei. Doch ihr Gestank war für Wilhelm unerträglich -damals gerbte man noch mit Urin und Kot - und er ließ sie abreißen. Die Steine wurden in den See geworfen. Aus eben diesen Steinen ist eine kleine Insel im Schlossteich entstanden, auf der heute die Vögel nisten.

Auf Anordnung Wilhelms wurde die Erlöserkirche gebaut. Er veranstaltete die ersten Autorennen im Taunus, und ließ die Saalburg auf den Resten eines Römerkastells erbauen. Allerdings waren die Besuche des Kaisers nicht nur ein Segen für die Homburger. Die Straßen mussten geschmückt werden, die Plätze hergerichtet, der Hofstaat versorgt - das kostete Geld. Diese Bürde bekamen die Einwohner besonders stark vom 13. März 1917 bis zum 11. März 1918 zu spüren, als der Kaiser sie für beinahe ein ganzes Jahr "beehrte". Obwohl Deutschland sich im Kriegszustand befand und vor den Toren des Schlosses die Menschen hungerten, lebte er seiner Frau und sieben Kindern ein Leben in Saus und Braus - mit 40 Pferden und über 100 Dienern.

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