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Köppern, wie es damals war

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Zum Abschlussball posieren die Damen aus Käthchen Schindlers Tanzschule anno 1929 mit Efeu-Girlanden.
Zum Abschlussball posieren die Damen aus Käthchen Schindlers Tanzschule anno 1929 mit Efeu-Girlanden. © Privat

Der Verein Lebendiges Köppern lässt die Vergangenheit des heutigen Friedrichsdorfer Stadtteils wiederaufleben. Von Sabine Maurer

Von Sabine Maurer

Der Verein Lebendiges Köppern bemüht sich, auch die Vergangenheit zu beleben. Er hat deshalb einen interessanten Fotoband herausgegeben. Und in einem Erzählcafé schilderten alte Köpperner, wie es vor Jahrzehnten im Dorfe zuging.

Wenn heute über zu große Klassen in den Schulen gestöhnt wird, können ältere Menschen nur milde lächeln. Im Jahr 1927 gab es in dem damals noch 1800-Einwohner-Ort eine einzige Klasse für 50 Grundschüler. Viel los war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Köppern nicht. Die Kerb wurde dafür umso heftiger gefeiert, zum Teil auch schlagkräftig. Einmal in der Woche traf sich die Jugend in der Gaststätte der Familie Weidinger - die Familie besitzt dort heute das Kino. Ein weiterer beliebter Treffpunkt war die Gaststätte Richter, wo später auch gekegelt wurde.

In der Erntezeit teilten sich die Köpperner eine Dreschmaschine. Diese wurde von Hof zu Hof gefahren, begleitet von den neugierigen Kindern. Die meisten Menschen lebten von der Landwirtschaft. Die Anhänger wurden meist von Kühen über die sehr holperigen Straßen gezogen.

Viele Frauen arbeiteten in der Lederwarenfabrik Foucar und beim "Strumpf Karl" - dem Textilgeschäft Sengeisen, das noch bis in die 80er Jahre hinein existierte. Noch bis 1993 arbeitete in Köppern ein Schrankenwärter. Er war für die Schranke und die Weichenstellung zuständig.

Viele Originale

Unvergessen ist der Sanitätsrat Schmidt. In seiner Praxis habe es stets nach Jod und Äther gerochen, wurde im Erzählcafé im Köpperner Bürgerhaus berichtet. Mit der Hygiene sah es damals noch bescheiden aus. Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg hatte jedes Haus ein Plumpsklo - das meiste, was darin landete, wurde weiter in den Erlenbach gespült.

Der Dorfpolizist hieß Pewe. Er soll sehr streng gewesen sein und nach einer Legende sogar den Namen seiner eigenen Frau wegen eines Vergehens notiert haben. Damals hieß es in Köppern nicht "Da kommt die Polizei", sondern "Da kommt der Pewe". Es gab ein Gefängnis in Köppern, am Standort der heutigen Metzgerei. Die Jungs machten sich einen Spaß daraus, gegen die Gefängnismauern zu pinkeln.

Eine besondere Erinnerung an den Mühlgraben, der bis in die 70er Jahre noch oberirdisch durch den Ort plätscherte, hat die 97-jährige Käthe Weber. Im Jahr 1920 spielte sie mit ihrem kleinen Bruder Karl - damals noch ein Baby - in dem Bach Taufe. Der Kinderwagen kippte um, und Karlchen fiel ins Wasser. Doch die große Schwester zog den kleinen Bruder aus und ließ seine Kleider trocknen. Als Windel zog sie ihm ihre Schürze an. "Meine Eltern haben die Geschichte nie erfahren", erzählte sie.

Im Jahr 1925 wurde Karl Debus geboren. Am Pfingstmontag 1945 kehrte er aus dem Krieg zurück. "Da gab es in der Heimat plötzlich viele Antifaschisten", erinnert er sich. "Darunter waren viele, die noch zu Adolfs Zeiten die Hand höher erhoben als so manches Parteimitglied." Debus verdiente sein Geld unter anderem als Sackträger. Beliebt als Lohn war ein kräftiges Essen oder Körner, die Debus in den Mühlen gegen Mehl eintauschen konnte.

Unvergessen bei den älteren Köppernern ist der Himmelfahrtstag 1948. Es gab ein heftiges Gewitter, die Straßen waren überflutet. Die Jugendlichen hatten sich zum Tanzen getroffen, die Damen wurden von den Herren huckepack nach Hause getragen. An diesem denkwürdigen Tag wurde das alte Schwimmbad von Köppern so schwer beschädigt, dass es nicht mehr repariert werden konnte.

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