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Klaus Botta mag es minimalistisch.  

Königstein

Uhren mit nur einem Zeiger aus Königstein

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Erfinder Klaus Botta aus Königstein setzt mit Erfolg auf reduziertes Design und Entschleunigung. Unter seinen Kunden finden sich prominente Namen.

Allzu viele Gemeinsamkeiten dürften Rapper und Social-Media-Phänomen Kanye West und der frühere Papst Benedikt ansonsten nicht haben. Doch beim Uhrengeschmack scheinen sie sich einig zu sein: Beide sind schon mit Kreationen des Königsteiner Herstellers Klaus Botta am Arm gesichtet worden.

Er wolle Menschen ansprechen, die nicht jeder Mode hinterherlaufen und mit ihrer Uhr ein „Statement für Gelassenheit“ setzen möchten, beschreibt Botta seinen Anspruch. Es gehe um Vereinfachung, Reduktion auf das Wesentliche. „Weniger ist mehr.“

Dafür steht vor allem Bottas bekannteste Erfindung: die Einzeigeruhr UNO. Auf die Idee gebracht habe ihn der Erfolg der schrillen, bunten und immer komplizierter werdenden Swatch-Uhren in den 80er Jahren. Dem habe er etwas entgegensetzen wollen.

Auch mit nur einem Zeiger könne man eine minutengenaue Anzeige gewährleisten, versichert Botta. Dafür sorgt ein Ziffernblatt mit spezieller Skala. „Es gibt nur wenige Situationen, in denen wir die Uhrzeit ganz genau betrachten.“

Mit seiner ungewöhnlichen Erfindung hat Botta offenbar einen Nerv getroffen. Zwar bedient er keinen Massenmarkt, doch in 33 Jahren hat er immerhin 100 000 seiner Einzeigeruhren verkauft. Hinzu kommen weitere Innovationen wie die 24-Stunden-Uhr – mit einem Ziffernblatt, das einen ganzen Tag abdeckt –, aber auch Uhren mit „normaler“ Anzeige, nur eben in betont reduziertem Design.

Schon als Student an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach kam Klaus Botta mit der minimalistischen Bauhaus-Tradition in Berührung. Dieser fühlt er sich weiterhin verbunden, ebenso wie der von Dieter Rams geprägten Designphilosophie der Firma Braun im benachbarten Kronberg.

Auch Batterien werden in Königstein gewechselt.

Zunächst habe er sich vor allem um Gestaltung und technische Umsetzung der Uhren gekümmert, bei Produktion und Vertrieb jedoch mit einem anderen Unternehmen zusammengearbeitet, erzählt Botta. Als diese Firma verkauft wurde, fielen die Lizenzen 1999 an ihn zurück. Seitdem kümmert er sich mit seinem Unternehmen Botta Design um alles selbst.

Sechs Mitarbeiter beschäftigt er in den sehr aufgeräumt wirkenden Büros in Königstein. Er selbst widmet sich vor allem Design und Konstruktion neuer Modelle, seine Frau Anke ist für Qualitätskontrolle, Kundenbetreuung und internationalen Vertrieb zuständig.

Nur die eigentliche Produktion lässt Botta weiterhin von zwei Partnerfirmen erledigen. Dabei gehe es aber nicht um möglichst billige Konditionen, betont Klaus Botta. Beide Unternehmen befänden sich in Deutschland; das sorge für kürzere Wege, aber auch für eine bessere Qualität. „Wir leben Nachhaltigkeit“, versichert Botta. So seien Reparaturen in der Regel möglich, die Uhren hielten nicht selten 25 bis 30 Jahre.

Wichtig seien ihm deshalb besonders hochwertige Komponenten. Beim Gehäuse setzt Klaus Botta zunehmend auf Titan. „Das ist ein herausragender Werkstoff“, lobt der Designer. Leichter, aber dennoch stabiler als Stahl. Allerdings gebe es auch Nachteile in der Herstellung. „Titan ist teurer und schwerer zu bearbeiten.“

400 Euro kostet die günstigste Uhr im Angebot von Botta Design, die teuerste 1500 Euro. Unter seinen Kunden seien viele Künstler. Es sei schon vorgekommen, dass in dem Büro an der Königsteiner Stadtgalerie ein Musiker aus New York persönlich vorbeigeschaut habe, um sich beraten zu lassen, erzählt der 60-Jährige.

Gegründet hat Klaus Botta sein Unternehmen 1986 in Offenbach, vor 16 Jahren ist er dann mit Botta Design und seiner Familie nach Königstein umgezogen. „Der Standort ist optimal“, sagt er. Zwar gebe es weiterhin die Nähe zur Großstadt, auf der anderen Seite biete der Taunus beste Möglichkeiten für Erholung und Sport. Ein, zwei Stunden Bewegung am Tag sind für Botta Pflicht.

Allgemein sei das Geschäft mit Uhren zwar rückläufig, das könne er für Botta Design aber nicht erkennen, sagt er. „Wir haben einen konstanten Zuwachs.“ 5000 bis 6000 Uhren verkauft er pro Jahr. Etwa die Hälfte davon setzt das Unternehmen in Deutschland ab, der Rest geht in alle Welt.

Auch für die Zukunft setzt Klaus Botta auf ein „solides Wachstum“. Smart Watches sieht er nicht als Konkurrenz. Manche Kunden legten sich einen solchen Minicomputer für das „Business“ zu – privat wechselten sie aber zur entschleunigenden Einzeigeruhr.

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