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Stellenabbau durch Verlagerung

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Von: Miriam Keilbach

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Vodafone will 360 Mitarbeiter nach Düsseldorf versetzen.
Vodafone will 360 Mitarbeiter nach Düsseldorf versetzen. © Martin Weis

Die Vodafone-Mitarbeiter demonstrieren beim Auftritt von Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum. Rund 360 Mitarbeiter sollen von Eschborn nach Düsseldorf abgezogen werden.

Die Vodafone-Mitarbeiter demonstrieren beim Auftritt von Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum. Rund 360 Mitarbeiter sollen von Eschborn nach Düsseldorf abgezogen werden.

Das Haus der Begegnung in Königstein hat Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum gewählt, um Mitarbeitern das neue Firmenprogramm ONE vorzustellen. Vor dem Haus demonstrierten rund 80 Mitarbeiter gegen das Programm. Rund 360 Mitarbeiter sollen im April vom Standort Eschborn abgezogen und in die Firmenzentrale nach Düsseldorf versetzt werden.

Für Betriebsrat und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist das eine nette Formulierung für Stellenabbau. Denn viele Angestellte haben eine Familie und können nicht einfach nach Düsseldorf umsiedeln. Diese Menschen würden dann über einen Sozialplan, so kündigt Vodafone-Sprecher Bernd Hoffmann an, entlassen. „Ich will das Problem nicht kleinreden, aber jeder muss selbst entscheiden, wie flexibel er ist und was der Arbeitgeber einem bietet“, so Hoffmann. Er sagt, er pendle selbst nach Düsseldorf und arbeite einen Tag von zu Hause aus.

Viele Angestellte im Kreis

„Diese Sache betrifft nicht nur Eschborn und den Main-Taunus-Kreis“, sagte die Hochtaunus-Kreistagsabgeordnete Jutta Bruns (Grüne). Viele der Betroffenen würden im Hochtaunuskreis leben und täglich nach Eschborn pendeln.

„Was ist das für eine Geschäftsleitung, die Solidarität und Leistung nicht schätzt. Die ist keine Bonuszahlung wert“, sagte Bruns. „Ihr seid die Firma, nicht der Vorstand.“ Die Verlagerung von Vodafone ist ein Erbe aus der Fusions-Zeit mit Arcor, die ihren Hauptsitz in Eschborn hatte. „Zwei Zentralen zu haben, ist nicht modern“, sagt Hoffmann. Der Neubau in Eschborn sei aber ein Bekenntnis zum Standort, rund 1000 Stellen blieben dort erhalten.

Faire Perspektiven forderte etwa der DGB-Regionsvorsitzende Martin Weis. Der Betriebsratsvorsitzende Kars Kreer betonte, dass Vodafone trotz der vorübergehenden Marktführerschaft Kundenunzufriedenheit und Verluste im Geschäft riskiere. Nachdem der Konzern dem Betriebsrat gegenüber äußerte, dass man zwar Risiken der Verlagerung geprüft, diese aber nicht niedergeschrieben habe, gab der Betriebsrat ein betriebswirtschaftliches Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis: 48 Beispiele für Kompetenzen, die wegfallen, wenn die dafür zuständigen Mitarbeiter nicht nach Düsseldorf wechseln.

Das könnte nach Einschätzungen des Gutachtens einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen. Laut Betriebsrat wollte die Geschäftsführung nicht über das neue Gutachten diskutieren. Es handle sich um Personalabbau, verdeckt durch Verlagerung, so Kreer. „Das ist ein Pseudoangebot, das die wenigsten annehmen können“, so EVG-Mann Johannes Kuipers.

„Das ist eine menschenverachtende Vorgehensweise – und das bei einem Unternehmen, das nicht in Finanznot ist“, sagte Kreer, „Der Gewinn in Deutschland liegt bei 3,4 Milliarden Euro.“

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