Das um 1900 errichtete Gebäude könnte für einen Neubau weichen.  
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Das um 1900 errichtete Gebäude könnte für einen Neubau weichen.  

Königstein

Neubau statt Hotel in Königstein

  • vonStefan Jung
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Das Haus mit jüdischer Geschichte in Königstein könnte weichen. Ein entsprechender Bauantrag liegt beim Kreis bereits vor.

Seit gut 120 Jahren steht das heutige „Hotel Feldberg“ an der Ecke Kloster- und Kirchstraße. Wenn seine Mauern reden könnten, das Haus wäre der perfekte Zeitzeuge. Vor allem könnte es von einem Kapitel der Kurstadt-Geschichte berichten, das gerade heute wieder aktueller denn je scheint.

Denn die Menschen, die das Haus erbauen ließen, hier lebten und die ersten Gäste beherbergten, waren Mitglieder der jüdischen Gemeinde der Stadt. Sie waren Königsteiner wie ihre christlichen Nachbarn, waren im städtischen Leben involviert und engagiert.

Das alles aber war am Ende kein Schutz für sie. Ihre Namen stehen heute auf Stolpersteinen, die in den Gehweg vor dem Hoteleingang eingelassen sind.

Neben den Messingplatten auf dem Bürgersteig ist es bislang auch das „Hotel Feldberg“, das an die Zeiten erinnert, in denen Königstein die Heimat einer großen jüdischen Gemeinde war. Allerdings könnte das alte, jedoch nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude bald selbst Geschichte sein.

Wie der Hochtaunuskreis bestätigt, liegt ein Bauantrag für einen Neubau auf dem Gelände des Hotels vor. Dieser, so die Auskunft aus Bad Homburg, werde derzeit geprüft.

Baugeschichtlicher Verlust

Obschon es ungewöhnlich sei, dass ein Bauherr erst einen Bauantrag für einen Neubau zur Prüfung einreiche, bevor er einen Antrag auf Abbruch des bestehenden Gebäudes stelle, sei es nicht verboten, so zu verfahren.

„Mit dem Abbruch soll ein weiteres Haus mit jüdischer Geschichte verschwinden, das man bislang aber stolz jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals präsentiert“, kritisiert Ellengard Jung, Stadthistorikerin und Vorsitzende des Vereins „Denkmalpflege Königstein“, unmissverständlich. Auch baugeschichtlich wäre es ein weiterer Verlust, wenn das Hotel Feldberg durch einen Neubau ersetzt würde. Es verblieben immer weniger Häuser in der Stadt, die für die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts stünden.

Wohlwissend, dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, hatte Ellengard Jung dennoch versucht, die Landesdenkmalpflege in Wiesbaden für die stadtgeschichtliche Bedeutung des Hauses und dessen Schutz zu sensibilisieren. Offensichtlich vergebens.

In einer schriftlichen Stellungnahme teilt das Landesamt mit, dass man von den Neubau-Planungen in Königstein zwar wisse. Man sei aber als Behörde „nicht involviert, da das Gebäude kein Denkmal ist“.

Gerne hätten wir an dieser Stelle auch den Eigentümer des Hotel-Geländes zu Wort kommen lassen. Ein entsprechendes Angebot wurde jedoch mit Hinweis auf das frühe Stadium der Planungen nicht angenommen.

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