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Mittagessen und Medizin

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Der 73-jährige Dieter Arnold aus Königstein hat ein Kinderhilfsprojekt für Peru gegründet.
Der 73-jährige Dieter Arnold aus Königstein hat ein Kinderhilfsprojekt für Peru gegründet. © Rolf Oeser

Dieter Arnold und sein Verein "Herzen für eine Neue Welt" helfen Kindern in Peru. Die Vereinsarbeit koordiniert Arnold aus Königstein.

Dieter Arnold und sein Verein "Herzen für eine Neue Welt" helfen Kindern in Peru. Die Vereinsarbeit koordiniert Arnold aus Königstein.

Nach über 30 Jahren als Ingenieur stieg der Königsteiner Dieter Arnold aus und gründete ein Kinderhilfsprojekt in Peru. Aus Königstein koordiniert er die Vereinsarbeit.

Wie sieht derzeit ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

In der Regel arbeite ich zwölf Stunden am Tag. Ich schreibe E-Mails in unserem Büro in Königstein, spreche mit Menschen über Möglichkeiten, uns zu unterstützen, und versuche, Firmen, Unternehmen und Vereine für unser Projekt zu begeistern und sie zur Hilfe zu bewegen.

Sie arbeiten von Deutschland aus?

Als das Hilfsprojekt neu gegründet war, war ich natürlich sehr oft vor Ort, um die Strukturen und Kontakte aufzubauen. Inzwischen koordiniere ich das Projekt überwiegend von Deutschland aus. Ich reise jedoch regelmäßig nach Peru, um mir die Situation anzuschauen und Gespräche mit Behörden oder potenziellen Unterstützern zu führen.

Vor rund 14 Jahren bereisten Sie das südamerikanische Land mehrmals und gründeten daraufhin den Verein „Herzen für eine Neue Welt“. Was geschah während dieser Reisen mit Ihnen?

Ich sah damals viel Armut und notleidende Menschen, vor allem Kinder, die auf der Straße leben. Das erschreckte mich und öffnete mir die Augen. Unmittelbar danach gründete ich mit sechs Gleichgesinnten den Trägerverein in Peru und einen Schwesterverein in Deutschland.

Inzwischen ist aus dieser ursprünglich kleinen Gruppe eine Hilfsorganisation mit über 80 Mitarbeitern, ein Dorf für 70 ehemalige Straßenkinder in Peru, ein Kindergarten und ein landwirtschaftlicher Betrieb hervorgegangen. Welche grundlegenden Ziele verfolgt „Herzen für eine Neue Welt“ mit all diesen Projekten?

Ein Hauptziel war und ist es, unmittelbar an der Migration innerhalb Perus anzusetzen. Die Landbevölkerung zieht es in große Städte, weil sie sich dort paradiesische Zustände erhofft. Tatsächlich jedoch wachsen die kilometerweiten Hüttenfelder um die großen Städte immer weiter – und damit die Armut der Menschen.

Wie kann man solche weitgreifenden sozialen Strukturen verändern?

Das ist schwierig. Wir wollen dort eingreifen, wo die Armutsspirale beginnt: indem wir das Leben der Landbevölkerung verbessern. Das lässt sich durch Bildung und Gesundheitsversorgung erreichen. Auch Zukunftsperspektiven sind enorm wichtig. Deshalb vergeben wir Mikrokredite mithilfe unserer eigenen kleinen Bank.

Was heißt „Bildung und Gesundheitsversorgung“? Wie hilft Ihre Organisation, diese Belange zu verbessern?

Wir arbeiten in Peru mit einem Netzwerk von 14 Schulen zusammen. Unsere Helfer unterrichten und geben den Kindern Nachhilfe. Aber wir sorgen auch für warmes Mittagessen, indem wir ein Schulspeisungsprogramm eingeführt haben, mit dem wir 1100 Kinder erreichen. Wir betreiben zwei Gesundheitszentren, die es den Bauern ermöglichen, sich für einen minimalen Betrag von ausgebildeten Ärzten behandeln zu lassen oder Medikamente zu erhalten. Solche Möglichkeiten hätten diese Menschen ansonsten nicht.

Die Hilfsorganisation mit diesen Projekten lebt allein von Spenden. Inwiefern beeinflusst die Eurokrise die Bereitschaft, Geld für einen guten Zweck zu geben?

2012 war ein sehr hartes Jahr für uns. Durch die Krise fehlen uns allein 50.000 Euro. Zum Vergleich: Der laufende Unterhalt kostet etwa 20000 Euro im Monat. In dieser Zeit der allgemeinen Unsicherheit wird natürlich zuerst dort gespart, wo es am vermeintlich leichtesten ist.

Also keine einfache Zeit. Wie motivieren Sie sich immer wieder, was ist Ihr Antrieb?

Diese Fragen stelle ich mir selbst auch immer wieder. Die Antwort lautet: Die Landbevölkerung Perus wurde seit Jahrhundert benachteiligt. Deshalb verdienen es diese Menschen, gefördert zu werden.

Was gibt denn Ihnen die Hilfe, die Sie leisten, selbst wieder zurück?

Damals, im Alter von 59, als ich „Herzen für eine Neue Welt“ mit gründete, hatte ich das Gefühl, noch einmal etwas völlig Neues anzufangen. Ich habe damit meinem Leben auch ein neues Ziel und eine neue Vision gegeben.

Das Interview führte Markus Bulgrin.

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