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Kriminalität im Keim ersticken

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Stadt klinkt sich in das Landespräventionsprogramm „Kompass“ ein

Königstein - Wer wissen will, wie es sich mit sozialen Unruhen lebt, muss nur im nahe gelegenen Schwalbach nachfragen. In der Stadt im Main-Taunus-Kreis erlebten die Menschen 2017/18 unhaltbare Zustände. Junge Leute schlugen über die Stränge. Als Brennpunkte kristallisierten sich Teile des Marktplatzes und die nähere Umgebung heraus. Mülltonnen brannten. Fensterscheiben gingen zu Bruch. Aus Angst vor verbalen oder körperlichen Angriffen trauten sich vor allem Frauen und ältere Leute zeitweilig nicht mehr über den Marktplatz, gerade abends. Die Polizei rückte mehrfach mit Großaufgeboten aus, um Rädelsführer und Mitläufer zu kontrollieren. Daraus entstand ein Kleinkrieg zwischen der staatlichen Obrigkeit und den Störenfrieden.

Irgendwann war klar: So geht es nicht weiter. Schwalbachs Stadtverwaltung und die Polizei bündelten ihre Kräfte. In einer Mischung aus besserer Vorbeugung und Repression ist es gelungen, die Lage im Laufe der Zeit zu beruhigen. Wegweisend war dabei ein Ende 2017 vollzogener Schritt: Schwalbach wurde Pilot-Kommune in einem Projekt, das darauf abzielt, die Sicherheitsarchitektur von Städten und Gemeinden zu analysieren sowie konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Die Initiative des Landes Hessen, die den Schwerpunkt auf Prävention setzt, nennt sich „Kompass“. Dahinter steckt die sperrige Bezeichnung „Kommunal-Programm Sicherheitssiegel“. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Polizei und die örtlichen Verwaltungen arbeiten eng zusammen, um passgenaue Lösungen zu finden. Ein Ort im ländlichen Gebiet hat andere Bedürfnisse als eine Kommune im Ballungsraum. Von Turbulenzen wie einst in Schwalbach ist Königstein weit, weit entfernt. Die Stadt klinkt sich dennoch in das „Kompass“-Projekt ein. Sie will handeln, bevor das Kind in den Brunnen fällt. Es gehe darum, „nicht zu warten, bis sich etwas zuspitzt“, betont Bürgermeister Leonhard Helm.

Die Statistik weist fürs vorige Jahr 551 registrierte Straftaten für Königstein aus. Diese Zahl alleine hat keine Aussagekraft. Für Vergleiche eignet sich die Häufigkeitszahl, eine auf 100 000 Einwohner hochgerechnete Größe. In Königstein liegt der Wert für 2021 bei 3318 Straftaten. Dies sei „eine gute Zahl“, urteilt Polizeipräsident Felix Paschek. Hessen kommt auf 5340, bundesweit gar mehr als 6000.

Dennoch will Königstein bei „Kompass“ mitmachen. Die Stadt hat dieser Tage von Stefan Sauer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, das „Kompass“-Begrüßungsschild erhalten. Die Stadt steht am Anfang eines langwierigen Prozesses, der sich vermutlich weit ins Jahr 2023 hineinziehen wird, Bürger und örtliche Einrichtungen werden in den Analyseprozess einbezogen, etwa in Umfragen und Konferenzen.

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