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Klopfen, Piepsen und dann freie Bahn

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Von: Jürgen Streicher

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Brigitte Buchsein zeigt, wie es geht: Am Taster der neuen Blindenampel kann eine längere Grünphase angefordert werden.
Brigitte Buchsein zeigt, wie es geht: Am Taster der neuen Blindenampel kann eine längere Grünphase angefordert werden. © FR/Schick

Am Deschauer Park in Oberursel machen taktile Signalanlagen Sehbehinderten den Weg über die Straße einfacher. Von Jürgen Streicher

Dass sie zu einer Fußgängerampel kommt, kann Brigitte Buchsein am Knotenpunkt Füllerstraße und Oberhöchstadter Straße jetzt hören. Und mit den Füßen fühlen. Auch mit ihrem langen Blindenstock ertasten. "Ein Standard, der richtig gut ist und die Straßenüberquerung viel, viel sicherer macht", lobt die blinde Oberurselerin. Die sogenannten taktilen Signalanlagen mit Leitstreifen aus Noppen- und Rillenplatten sollen Oberursel einen Schritt weiter bringen in Richtung Barrierefreiheit.

Was für den einen Barrieren wegräumt, etwa eine abgeflachte Bordsteinkante für einen Rollstuhlfahrer, kann für den blinden Menschen eine neue Gefahr sein. Brigitte Buchsein, engagiert im Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen und Beraterin der Stadt, plädiert daher nicht für die Null-Lösung, sondern für niedrigere Bordsteinkanten. Sie helfen bei der Orientierung, können mit dem Blindenstock ertastet werden.

Doppelte Absicherung

An der neuen Ampelanlage am Deschauer Park können sich Sehbehinderte nun doppelt absichern. Das Klopfgeräusch aus dem Lautsprecher direkt unter den Lichtzeichen signalisiert die Rotphase an der Fußgängerüberquerung. An der Unterseite des Tasters für die Umschaltung kann nun die Grünphase angefordert werden. Zum langsamen Klopfgeräusch kommt dann ein schnellerer Piepton, zusätzlich vibriert der Taster. Und der Schalter an der Unterseite verfügt über Richtungspfeile, die die Laufrichtung anzeigen. Wird er benutzt, verlängert sich die Grünphase automatisch um zwei Sekunden.

Das Umfeld aller sechs Fußgängerampeln an dieser belebten Kreuzung wurde mit Leitstreifen aus Noppen- und Rillenplatten ausgestattet, die ein einigermaßen sensibilisierter Fuß auch durch dickere Schuhsohlen spürt. Außerhalb der Ampel-Betriebszeiten von 6 bis 23 Uhr müssen allerdings die speziellen Platten für die Orientierung reichen. Rund 45000 Euro hat die Stadt am Deschauer Park in das neue System investiert.

Ganz neu ist die Ausstattung von Ampelanlagen mit Elementen für Blinde und Sehbehinderte nicht. Mit der taktilen Technik soll nun ein Standard gesetzt werden, mit dem langfristig alle Ampelanlagen einheitlich ausgestattet werden können. Nächste Projekte sollen in der Hohemarkstraße folgen, die zurzeit komplett umgestaltet wird. Technisch ähnlich hochwertig wie am Deschauer Park sind neue Fußgängerampeln an den zwei Einfahrten ins Gewerbegebiet Drei Hasen.

Brigitte Buchsein berät die Stadt seit einigen Jahren bei der planerischen Umsetzung von Ideen auf dem Weg zur barrierefreien Stadt. Den nächsten Tipp hat Bürgermeister Brum schon notiert: Noppen- und Rippenplatten als Leitstreifen auf großen Plätzen.

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