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Protestaktion für mehr Klimaschutz vor CDU-Büro in Bad Homburg.

Forderungen

Klimaprotest vor CDU-Büro

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Bürger diskutieren mit Bundestagsabgeordnetem Koob mehr als zwei Stunden über ihre Forderungen.

Die Stadtpolizei konnte schnell wieder abrücken. Mit gleich mehreren Fahrzeugen hatte sie sich am Montagvormittag vor der CDU-Geschäftsstelle in Bad Homburg postiert, weil dort eine Protestkundgebung zum Thema Klimaschutz angekündigt war.

Doch schnell war klar: Die zehn Bürgerinnen und Bürger, die der Einladung von Rose-Maria Linden gefolgt waren, hatten ausschließlich Friedliches im Sinn. Lediglich ein paar Transparente hielten sie in die Luft, und zwei Mitstreiter zeichneten mit Kreisen eine Erdkugel auf den Bürgersteig, als Symbol für das, was es zu schützen gilt.

Sie habe sich extra bemüht, die Teilnehmerzahl zu begrenzen, sagte Linden. Schließlich sei es ihr in erster Linie um den Dialog mit Markus Koob gegangen, der den Hochtaunuskreis als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter in Berlin vertritt.

Koob dankte es ihr, indem er sich für das Gespräch reichlich Zeit nahm. Zweieinhalb Stunden lang diskutierte der CDU-Politiker mit den klimabewegten Bürgern in der Geschäftsstelle über CO2-Abgabe, Hochspannungstrassen, Elektroautos, Massentierhaltung und eine zusätzliche S-Bahn-Haltestelle in Bad Homburg – an Gesprächsstoff fehlte es nicht.

An unterschiedlichen Auffassungen aber auch nicht. Während die Bürger mehr Tempo und spürbare Veränderungen für mehr Klimaschutz forderten, verwies Koob darauf, dass man bei den erneuerbaren Energien schon einiges erreicht habe und Deutschland im Alleingang nicht viel ausrichten könne.

Was den Kohleausstieg angeht, könne er sich aber auch ein früheres Datum als 2038 vorstellen, sagte der Bundestagsabgeordnete. Für den Vorstoß des CSU-Parteivorsitzenden Markus Söder, der das Jahr 2030 ins Spiel gebracht hat, habe er „Sympathie“.

Zur möglichen Einführung einer CO2-Steuer verwies er auf die intensive Diskussion zu diesem Thema innerhalb seiner Partei. Er selbst sei für eine entsprechende Abgabe offen, betonte Koob. Rose-Maria Linden warb dafür, sich die Schweiz zum Vorbild zu nehmen, wo der Staat einen Großteil der Einnahmen über die Krankenkassen wieder an die Bürger zurückzahlt.

Günther Stiller vom BUND Bad Homburg nahm auch die lokale Politik in die Pflicht. Beispielsweise spiele der Klimaschutz im Stadtentwicklungskonzept für die Kurstadt so gut wie keine Rolle. Zudem müsse der öffentliche Personennahverkehr schnellstens ausgebaut werden. Stiller plädierte für eine zusätzliche S-Bahn-Station am Haberweg. Die sei schneller und günstiger zu haben als der geplante Ausbau der U-Bahn-Linie 2.

„Wir haben nicht das Gefühl, dass es in Berlin wirklich weitergeht“, fasste Tania DeMarco-Chapuis die Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung zusammen. Aber auch die Bürger selbst trügen Verantwortung. Dass es erst eine Greta Thunberg brauche, um vielen den Ernst der Lage deutlich zu machen, sei „eine Schande für uns alle“.

Sie habe die Aktion rein privat angestoßen, sagte Rose-Maria Linden. Mitglied einer Partei oder einer Umweltschutzorganisation sei sie nicht. Zu der Kundgebung vor der CDU-Geschäftsstelle sei sie durch eine Kampagne der Nichtregierungsorganisation Campact angeregt worden.

Der Klimawandel bereite ihr große Sorgen, betonte die 70-Jährige. Wie stark der schon vorangeschritten sei, habe sie bei einem Urlaub in Alaska drastisch vor Augen geführt bekommen.

Über WhatsApp sei sie auch in Kontakt mit Jugendlichen der „Fridays for Future“-Bewegung. Die hätten für das Treffen am Montag aber leider keine Zeit gehabt. „Sie waren am Wochenende alle in Aachen.“

Die Aktion

Unter dem Namen „Tatort Klimazerstörung“ hat die Nichtregierungsorganisation Campact eine bundesweite Aktion initiiert, die speziell auf die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU abzielt. Weitere Infos: www.campact.org/klima2019.

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