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Klare Sicht auf Alkohol und Tabak

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Beim Aufklärungs-Parcours trugen die Schüler eine Rauschbrille.
Beim Aufklärungs-Parcours trugen die Schüler eine Rauschbrille. © Joachim Storch

Wie fühlt es sich an, wenn man sturzbetrunken ist? Mit einer Rauschbrille können Schüler an der Altkönigschule das Gefühl nachvollziehen. Sie ist Teil eines Mitmachparcours, der Kinder spielerisch über Süchte aufklärt.

Von Jürgen Streicher

Wie fühlt es sich an, wenn man sturzbetrunken ist? Mit einer Rauschbrille können Schüler an der Altkönigschule das Gefühl nachvollziehen. Sie ist Teil eines Mitmachparcours, der Kinder spielerisch über Süchte aufklärt.

Gib’ Check, Alter, sagt der ungefähr 14-Jährige zur Begrüßung seines Kumpels. Hand an Hand sollte da klatschen, knapp über Schulterhöhe. Aber von wegen, die Hand des Brillenträgers haut ins Leere, streift die des Freundes nur ein bisschen. Keine Kontrolle trotz klarem Kopf, das bringt die anderen in der Gruppe zum Lachen. Weil der Brillenträger reichlich aus der Spur zu sein scheint.

Ein Trick nur, der Junge trägt den „Drunk-Buster“, was sich besser anhört als „Rauschbrille“. Diese simuliert einen Alkoholgehalt von etwa 1,5 Promille im Blut, bei klarem Kopf wird der Blick betrunken. Und plötzlich geht nichts mehr so, wie es soll. Das Aufheben eines Schlüssels wird zum Stochern im Nebel, das Gehen zwischen zwei gestrichelten Linien gerät zum Fiasko, der Klatsch-Gruß wird peinlich. Der falsche Rausch macht lächerlich.

Der „Drunk-Buster“ ist ein Highlight beim „KlarSicht“-Parcours, weil er einerseits genau das Gegenteil von klarer Sicht provoziert, aber auch – nach dem Abziehen und beim Gespräch untereinander – den Blick öffnet für das, was der Alkohol mit einem machen kann. Das persönliche Erleben im bewussten Zustand geht den Jugendlichen scheinbar mehr nahe als der tatsächliche Rausch. Darauf zielt die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ab. „Wir wollen den Alkohol nicht verteufeln, aber zu einem verantwortungsbewussten Umgang damit animieren“, sagt Projektleiter Peter Frech.

Damit es nicht soweit kommt wie im Fall des Jugendlichen, der kürzlich sturzbetrunken und halb erfroren nachts nur leicht bekleidet auf einem Balkon im Hochtaunuskreis gefunden wurde. Exzesse und komatöses Rauschtrinken sollen durch spielerische Aufklärung verhindert werden, Prävention statt Rehabilitation. Deswegen stellt das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Hochtaunus Mitarbeiter, die an den Stationen des Mitmach-Parcours informieren und mit Jugendlichen interaktiv agieren.

Zwei Tage sind die Aufklärer zu Gast an der Altkönigschule (AKS). Die Schule stellt dafür die Aula zur Verfügung, mindestens 250 Quadratmeter benötigen die Veranstalter, um die fünf Stationen mit Rollenspielen, Diskussionen und etwa dem „Drunk-Buster“ aufzubauen. Adressaten an der AKS sind die achten Klassen des Gymnasiums und die neunte Jahrgangsstufe des Realschulzweigs. „Da brennt es am meisten“, sagt Lehrer Martin Peppler und meint damit die ersten harten Prüfungen der Pubertätsphase. „Die Jugendlichen sind dann im Beweismodus“, meint Pia Sohns-Riedl vom Bad Homburger Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe.

Am Anfang und am Ende müssen alle durch das „Tor der Entscheidung“. Und für sich klar machen, ob und wie Alkohol und Tabak zum Erwachsenwerden dazugehören. Gib’ Check Alter, sagt der ungefähr 14-Jährige da noch einmal. Ohne „Drunk-Buster“ vor den Augen geht das perfekt.

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